... on the road
Tagebuch Nr. 88

Herbst 2016

22. Oktober, Lebach, Stadthalle
Nach längerer Zeit spielten Mad Zeppelin mal wieder im Saarland. Der rühriger Veranstalter Günther, der tatsächlich noch einen eigenen Plattenladen besitzt (unbedingt unterstützen, wenn ihr mal in die Region kommt) hatte sich allerdings ein wenig in der Größe der Halle verkalkuliert, denn die Lebacher Stadthalle mit ihren 800 Plätzen war viel zu groß für die etwa 200 anwesenden Classic-Rock-Fans. Diese verliefen sich in der Halle und der obendrein geöffneten Empore. So kam leider (zuerst) nur wenig Stimmung auf. Einen Vorteil hatte die Halle aber dann doch, nämlich eine wirklich riesige Bühne, auf der auch der Vorband „Clubs“ genügend Platz für ihren Vintage-Rock zur Verfügung stand. Die vier Jungs aus dem Saarland boten tolle eigene Stücke und fuhren zurecht einen ordentlichen Applaus als Ernte ein. In diesem Fall konnte man wirklich bedauern, dass bereits nach etwas mehr als 30 Minuten die Bühne geräumt werden musste, aber es sollten noch weit über zwei Stunden Gitarrenrock von Mad Zeppelin folgen. Die Band, die nun auch wieder mit ihrem genesenen Stammmischer Manfred angereist war, spielte das gleiche Programm wie in der Scheuer und zeigte sich hochmotiviert. Sänger Moppel war zu Beginn sogar ein wenig übereifrig, denn er begrüßte das Publikum bereits im laufenden Intro und warf sodann sein hinter den Monitoren geparktes Bier um. Fortan durfte er in einem kleinen Biersee singen! Die Band erwies sich als eingespielt und auch das Programm fiel stimmig und abwechslungsreich aus. Lediglich ein gerissenes Snarefell ließ „How Many More Times“ in einem etwas perkussiveren Gewand erstrahlen. Während des Geigenbogensolos konnte die Trommel aber nahezu unbemerkt ausgetauscht werden. Im Vergleich zu den eher spärlichen Resonanzen aus dem Hallendunkel während des Sets erschallten zu Ende dann überraschend laute und vehemente Zugaberufe. Die Saarländer hatten sich ihre Energie offenbar gut eingeteilt. Dafür gab es dann auch mit „Custard Pie“ und „Babe I’m Gonna Leave You“ gleich zwei Zugaben. Danach wurde in Rekordzeit abgebaut und das Equipment in den Autos verstaut, damit die Aftershowparty durchstarten konnte. Auch hier ließ sich Veranstalter Günther trotz der ernüchternden Einnahmen nicht lumpen. Obwohl er der Band schon ein schönes Hotel und ein sensationelles Abendessen spendiert hatte,  legte er nun noch einmal mit ordentlichen Mengen an Gerstensaftkaltschalen nach. Im weiteren Verlauf des Abends zog es die Band noch unters Volk und in die in der Nähe der Halle gelegene Bar „Strond“. Später in der Nacht sollte dann noch ein Kistchen Bier im Hotel dran glauben. Das Rahmenprogramm gestaltete Klaus Kinski mit seinen legendären Wutausbrüchen. Fazit: ein toller Abend, Saarland, wir kommen gerne wieder!

28. Oktober, Niefern-Öschelbronn, Kirnbachhalle
Manchmal nützt auch das beste Billing nichts. Und besser als mit einem Package aus Led Zeppelin und Deep Purple-Coverbands kann man eine Classic-Rock-Veranstaltung kaum schnüren.  Zudem sind Demons Eye ohne Übertreibung eine der besten Deep Purple-Coverbands überhaupt! Mit David Readman präsentierten die Siegener zudem einen der Top-Sänger der deutschen Hardrock-Szene, der ansonsten noch bei Almanac und Pink Cream 69 die Stimmbänder strapaziert. Aber trotzdem kamen an diesem Abend in die riesige Halle nur enttäuschende 160 Zuschauer.  Verstehe das, wer wolle?!
Leider verlief der Aufbau ein wenig hektisch, da es aufgrund von Problemen mit der PA zu erheblichen Verzögerungen kam. So hatten Mad Zeppelin dann nur wenige Minuten für einen sehr kurzen Soundcheck. Sicherheitshalber wurden die Akustiknummern aus dem Programm gestrichen, da das Risiko, ohne Soundcheck mit dem empfindlichen Instrumentarium zu scheitern, zu hoch erschien. Ebenfalls dem Rotstift zum Opfer fiel „Moby Dick“, da sich Drummer Breaker eine amtliche Erkältung zugezogen hatte und man den Skinsman für den kommenden Gig in Mühlheim schonen wollte. Um 20.15 erklang das Intro zu einem der besten Mad Zeppelin-Konzerte seit langem. Die große Bühne und die vom seitlichen Bühnenrand zuschauenden Musiker von Demons Eye spornten die Mainzer sichtlich an, ihr Bestes zu geben. So gelang ein nahezu fehlerloser Gig bei dem sogar der Bühnensound trotzt massiver Bedenken das Gelingen nicht behinderte. Die Band bot in 100 Minuten ein reines Best-Of-Programm und ließ dem Publikum kaum Zeit zum durchatmen. Die Resonanzen waren dann trotz der doch recht leeren Halle super. Als Zugabe wurde diesmal „Whole Lotta Love“ gespielt. Danach wurde in nur 30 Minuten die Bühne geräumt und alles in den Autos verstaut. Ein Teil der Band trat dann schnell den weiten Heimweg an. Diejenigen, die am nächsten Tag nicht arbeiten mussten, genossen einen ebenfalls sensationellen Auftritt von Demons Eye. Absolutes Highlight war der Song „Mistreated“. Alle, die diesen Abend verpasst haben, dürfen sich rechtschaffen ärgern!

29. Oktober, Mühlheim a.M., Schanz
Zum ersten Mal spielten Mad Zeppelin in diesem schönen, und nahe an der Heimat gelegene Club. Der war mit 150 Zuschauern auch prima gefüllt, so dass Veranstalter und Band rundum zufrieden sein konnten. Etwas getrübt wurde der Abend aber durch die unglückliche Platzierung von Esstischen direkt vor der Bühne. Dies war der Stimmung leider wenig zuträglich und so musste man feststellen, dass 150 Mühlheimer in einem kleinen Club weniger Stimmung verbreiteten als 160 Badenser in einer 1000er-Halle am Vorabend. Identisch waren an beiden Abenden allerdings die erheblichen Verzögerungen beim Soundcheck. Diesmal mussten Mad Zeppelin leider auf ihren Stammtechniker Manfred verzichten und der vom Haus gestellte Ersatz gab sich zwar alle Mühe, hatte aber mit der großen Menge an Instrumentarium auf der Bühne sichtlich Schwierigkeiten. Glücklicherweise war der Sound dann zu Auftrittsbeginn trotzdem gelungen und auch die technischen Herausforderungen wie Theremin-Solo und der Einspieler im Drumsolo wurden vom Tonmann problemlos gemeistert. Lediglich das Showintro wurde so laut angefahren, dass der Band im Backstage beinahe die Trommelfelle platzten. Hoffentlich war es vorneraus leiser? Wie war der Auftritt? In der ersten Hälfte lief eigentlich fast alles prima. Nur das Gitarrensolo bei „No Quarter“ klang ein wenig sehr improvisiert aber auch noch im Rahmen. Je länger der Abend dauerte, desto mehr drückte hingegen die seltsame Stimmung auf die Spiellaune der Band. Es ist wirklich ein wenig befremdlich, wenn Teile des Publikums seitlich zur Band an ihren Esstischen sitzen und erst dahinter das interessierte Publikum steht. Der Veranstalter räumte dieses Problem dann auch im Nachhinein ein. Wie dem auch sei, im zweiten Set schlichen sich ein paar kleinere Fehler ein und gerade die Rhythmus-Sektion kämpfte mit Konditionsproblemchen. Dennoch lieferten Mad Zeppelin solide. Nur der Funke sprang  irgendwie nicht über. Überaschenderweise erschallten dann die Zugabenrufe lauter als alle Rückmeldungen des Restabends gemeinsam. Die fünf Mainzer stiegen folglich noch einmal für „Babe I‘m Gonna Leave You“ auf die Bühne und ließen sich feiern. Mad Zeppelin kommen sicherlich gerne wieder in die Schanz, denn trotz aller Kritik kann dennoch ein ordentlicher grüner Haken an diesen Abend gesetzt werden. Es hätte allerdings auch noch besser werden können.

04. November, 2016 Dexheim, Weingut Weyell
Zum zweiten Mal beehrten Mad Zeppelin nun das ehrwürdige Weingut in Dexheim. Ein Laden, in dem sich das Who-is-Who der Coverszene die Klinke in die Hand drückt.  Leider kamen diesmal mit 170 Zuschauern nicht ganz so viele wie beim ersten Mal, aber die, die da waren, machten von Anfang an eine tolle Stimmung. Diesbezüglich stand einer schönen Party nichts entgegen. Leider war der Soundcheck aber schon wieder extrem stressig, da die Anlage nicht rechtzeitig aufgebaut worden war. Der Bühnensound war deshalb eher mal eine Katastrophe. Glücklicherweise war Bandmischer Manfred diesmal wieder mit dabei, um die Kastanien aus dem Feuer zu holen. In diesem Sinne förderlich war sicher auch, dass Mad Zeppelin durch die vielen Gigs der letzten Wochen eingespielt waren und so auch durch die Song manövrieren konnten, ohne jeden einzelnen Ton zu hören. D as tolle Publikum verdiente sich an diesem Abend auch das komplette Programm, dass in Vergleich zur Schanz durch „Custard Pie“ und „Sick Again“ aufgestockt wurde. Leider war letztere Song, obwohl gut gespielt, eher nicht der Publikumsfavorit, aber dies war auch der einzige zwiespältige Moment eines ansonsten rundum gelungenen Abends. Ach nein, einen Kritikpunkt muss man noch ansprechen: das alkoholfreie Bier war Ratzfatz leergetrunken. Da die Bandmitglieder nahezu komplett noch Auto fahren mussten, konnte leider  auch nicht wie gewünscht auf die bleihaltige Getränkevariante zurückgegriffen werden und so stand Kraneheimer auf der Speisekarte. Geht aber auch mal.

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