... on the road
Tagebuch Nr. 90

Frühjahr 2017 Teil I

17. Februar, Siegburg, Kubana
Vier Tage vor dem Gig kam die Hiobsbotschaft: Kehlkopfentzündung und Sprechverbot für Sänger Moppel. Was nun? Absagen oder einen Ersatzsänger besorgen? Oder vielleicht sogar eine ganze Ersatzband anbieten? Eine Situation, aus der es eigentlich ohne Enttäuschungen keinen Ausweg geben kann. Und dies ausgerechnet erneut im Kubana, wo  im letzten Jahr Schlagzeuger Volker recht kurzfristig ersetzt werden musste! Eine solche Entscheidung ist immer  eine Gradwanderung. Aus ärztlicher Sicht wäre natürlich eine Absage angeraten gewesen. Aber wie werden die Fans reagieren, die eine weite Anfahrt haben und nicht rechtzeitig vom Konzertausfall erfahren? Deren Ärger könnte man verstehen, zumal  diesmal zwei  Fans extra 500km aus der Schweiz zum Konzert angereist kamen. Einen Tag vor dem Gig kam dann eine erste Entwarnung. Moppel würde singen können, aber wie lange? Sicherheitshalber wurde Pascal, der Sänger der Münsteraner Led Zeppelin-Coverband Custard Pies, als Backup angefragt und dieser sagte netterweise sofort zu. Vielen Dank! Letztlich konnte Moppel dann doch das gesamte Programm ohne Kürzungen singen. Damit Pascal nicht umsonst angereist war,  entschied die Band sich dann zu gleich drei Duetten der beiden Sänger . „Immigrant Song“, „Rock’n’Roll“ und „Whole Lotta Love“ wurden gemeinsam zelebriert.  Celebration ist auch ein gutes Stichwort, denn der Anfang der Show stand ganz unter dem Motto des legendären Reunion-Konzerts aus der Londoner O2-Arena. Außerdem wurden noch viele weitere neue Songs dargeboten, darunter sicherlich als ein Highlight „Dazed and Confused“ mit einem neu arrangierten Mittelteil, in welchem „Break On Through“ von den Doors und „Manic Depression“ von Jimmy Hendrix eingewoben wurden. Weniger gelungen war das zweite Medley aus „D‘yer Maker“ und „Fool In The Rain“. Hier klangen die Übergänge noch nicht  wirklich rund. Auch die neue Setlist hakte noch an der ein oder anderen Stelle und man merkte, dass kleinere Details nicht perfekt saßen. Zudem ging auch Einiges an Equipment  kaputt. So begab sich der Gongständer schon vor dem Konzert auf seine letzte Reise, zudem versagten eine Schraube des Beckenständers und die Snareabhebung. Diese Probleme konnten aber mit Ersatzteilen behoben werden. Ralph präsentierte an diesem Abend erstmals seine neue Doppelhals-Akustikgitarre. Bei “Your Time Is Gonna Come“ kam der Gitarrist aber im Eifer des Gefechts an den Umschalter zwischen den Hälsen, was zu einem kurzen Soundausfall führte. Mad Zeppelin hatten sichtlich Lust, endlich wieder mit einem frischen Programm aufzutreten, die 175 Zuschauer hatten ebenfalls Lust auf zweieinhalb Stunde Classic-Rock und so konnte unter den Tourstart 2017 ein Häkchen gemacht werden. Dennoch nahmen die Musiker ein paar Hausaufgaben mit.

03. März, Aschaffenburg,Colos-Saal
Nachdem beim letzten Auftritt Sänger Moppel das medizinische Sorgenkind war, hatte es diesmal Bassisten Christian erwischt, den eine heftige Erkältung plagte. Da war es schon toll, dass der Soundcheck ohne die in der letzten Zeit häufigen Verzögerungen von statten ging.  Man hatte sogar noch Zeit, in aller Ruhe einer kleinen Überraschung einzuüben, die irgendwann sicherlich auch zur Aufführung kommen wird. Der tollen Hauscrew gelang es dann sogar, das nervige Grundsummen des Gitarreneffektboards nahezu gänzlich eliminieren. Chapeau! Im Colos-Saal hat sich übrigens einiges geändert. An den Wochenenden wird nun nach den Konzerten noch eine Discoveranstaltung angeboten, was zu einem auf 20 Uhr vorverlegten Anfang und einem kompletten Zuschauerwechsel nach Konzertende führt. So relaxt der Aufbau und Soundcheck ablief, so stressig wurde dadurch der Abbau. In nur 25 Minuten musste die komplette Bühne geräumt und das gesamte Instrumentarium in den Autos verstaut werden. So blieb leider keine Zeit, sich nach dem Gig noch mit den zahlreichen Fans zu unterhalten. An diesem Abend wackelten die ersten Songs ganz schön, was sich zumindest teilweise mit technischen Problemen entschuldigen lässt. Schon nach wenigen Sekunden des eröffneten „Good Times, Bad Times“ hatte sich die in diesem Song wichtige Cowbell an ihrem Halter selbstständig gemacht und verweigerte so beim ein oder anderen Schlag ihren Dienst. Auch der Beginn des zweiten Songs „ Ramble On“ klang ziemlich verpatzt, weil der Lichtmann den Gitarristen im Dunkeln stehen ließ, und dieser so nicht immer den richtigen Akkord zu fassen bekam. Danach wurde es aber Song für Song besser. Aufgrund der anschließenden Disco musste die Setlist im Vergleich zum Kubana gekürzt werden. Dem Edding zum Opfer fielen „Trambled Underfoot“ und das eh noch etwas wackelige Medley aus „D‘yer Maker“ und „Fool in the Rain. „Your Time Is Gonna Come“ war an diesem Abend der einzige kleine Stimmungsknick zum Ende des ersten Sets. Nach der Pause ging es dann aber völlig ab. Die 260 Zuschauer tobten, rockten und gröhlten, was das Zeug hielt. Sensationell war zum Beispiel „The Ocean“, das die Band eigentlich erst streichen wollte. Gut, dass man dies nicht getan hatte. Auch der Ausfall des Einspielers im Drumsolo senkte die Stimmung nicht; Volker improvisierte ein wenig, bis der Ton dann doch noch kam. Das neues Medley in „Dazed and Confused“ klappte noch besser als im Kubana. Am Ende des Sets dröhnte das Colos-Saal nur so vor nicht enden wollenden Zugabenrufen. Wahnsinn!!! Aber der strikte Zeitplan musste eingehalten werden. Fazit:  Auch wenn vor allem die Rhythm-Sektion an diesem Abend ab und an hakelig spielte und noch nicht alle Abläufe perfekt saßen, war dies schon eine deutliche Weiterentwicklung zum vorherigen Auftritt.

18. März, Raststatt, Reithalle
Nun spielen Mad Zeppelin schon mehr als 17 Jahre zusammen, aber dass sich die Groupies bereits um 16 Uhr vor der Halle drängen, war selbst für diese gestandenen Herren eine gänzlich neue Erfahrung. Leider machte sich schnell Ernüchterung breit, denn die hübschen Damen standen dort nicht für die fünf Mainzer, sondern für Jimmy Kelly aus der berühmten Kelly Family, der im zweiten Saal der Reithalle parallel auftrat. Tja, wenigsten für einen kleinen Moment durfte man sich an der Illusion laben, echte Rockstars zu sein.  Der prominente Sangesbarde vom Hausboot war dann aber auch dafür verantwortlich, dass in diesem Jahr kein Drumpodest zur Verfügung stand. Die Bühnenteile sind in Raststatt ebenso rar gesät wie leckere, gekühlte Getränke. Zumindest beim Kelly gab es diese nämlich nicht in ausreichender Menge, was zur Folge hatte, dass viele weibliche Zuschauer schnell mal rüber zu Mad Zeppelin huschten, um ihre Extase mit kalten Nass zu lindern. Veranstalter Mario war darüber sehr erfreut, da  die nur etwa 150 Zuschauer bei Mad Zeppelin schon eine kleine Enttäuschung waren und dadurch ein wenig Extrageld in die Kasse gespült wurde. Die Reithalle ist zwar eine schöne Location aber nur bedingt für Coverband-Konzerte geeignet. Ihre Größe führte dazu, dass hier und da mal vereinzelte Grüppchen zusammen stehen und sich zwischen Publikum und Bühne ein breiter Graben auftut. Da es auch keine gedimmte Hallenbeleuchtung und keine Publikumsscheinwerfer gibt, spielten Mad Zeppelin quasi gegen eine schwarze Wand.  Unter diesen Umständen kam natürlich nur schwer Stimmung auf. Die Band spielte aber trotzdem gut. Erstmals waren an diesem Abend auch alle Songs des neuen Programms zu hören. Sogar das kurzfristig ergänzte „Trampled Underfoot“  wurde ordentlich gerockt. Vieles klappte deutlich besser als im Colos-Saal. Lediglich einige gerissene Saiten sorgten für Unterbrechungen, da ausgerechnet an diesem Abend Gitarrenroadie Leo nicht vor Ort war. Ersatzweise wollte Bassist Christian aushelfen. Dummerweise stimmte er aber die Saiten der Ersatzgitarre wie einen Bass und sorgte so für einige Misstöne. Da das Publikum den ganzen Abend zwar höflich aber zurückhaltend Beifall spendete,  waren die lautstarkern Zugaberufe am Ende doch eine kleine Überraschung.  Mad Zeppelin freuten sich natürlich und spielten noch eine weitere Viertelstunde. Ach ja, und den Quotenkranken gab es  natürlich auch wieder. Keyboarder Thomas hatte sich nicht nur ein paar Tage vor dem Gig übel die Hand verbrüht, sondern kämpfte zudem noch mit einem fetten Magen-Darm-Virus. Davon anmerken ließ sich der Tastenwizzard aber nichts..

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