... on the road
Tagebuch Nr. 87

Sommer 2016

13. August, Rock am Friedensdenmal, Edenkoben
Dieser Abend war der totale Wahnsinn und zwar in jeder Beziehung! Das Friedensdenkmal in Edenkoben ist nun wirklich einmal eine absolute Ausnahmelocation. Inmitten von Wäldern gelegen überragt das Denkmal die Rheinebene und den kleinen Weinort und bot Zuschauern und Band eine sensationelle Aussicht. Die Bühne hatte man direkt in das Denkmal hinein gebaut und die Musiker thronten somit quasi  auf einem gut drei Meter hohen Sockel. Da galt es für alle Akteure, auf der Bühne vorsichtig zu agieren. Aber wie sollte dies angesichts von 2000 feierwütigen Zuschauern überhaupt funktionieren? Das ganze Event war bereits Monate im Voraus ausverkauft und da auch das Wetter mitspielte, stand einem wunderschönen Fest nichts mehr im Wege. Möchte man das Haar in der Suppe suchen, dann wäre es vielleicht die Meerrettichsoße mit Fleischknödeln, die es im Backstageraum gab. Aber da es sich um eine lokale Spezialität handelt und die rührig agierende Crew sich wirklich rundum alle Mühe gab, jeden noch so kleinen Wunsch der Musiker von den Lippen abzulesen, lässt sich diese kulinarische Verirrung leicht verschmerzen.  Hinsichtlich der Technik und der Organisation kann man den Veranstaltern nur ein großes Lob aussprechen. Selbst eine Filmcrew wurde engagiert, um mit etlichen Kameras und sogar einer Drohne die Magie des Abends einzufangen. Auch die gigantische Lightshow und das abschließende Feuerwerk erlebt man bei einem Coverband-Konzert sicherlich nicht alle Tage. Schöner kann ein Konzert wirklich nicht sein. Edenkoben schuf somit den perfekten Rahmen für den ersten Mad-Zeppelin-Gig in Originalbesetzung seit einem Dreivierteljahr. Die längere Pause war dann auch teilweise hörbar, obwohl,  richtig schief ging eigentlich nichts und was viel wichtiger ist, alle Musiker hatten einen Heidenpaß. Ohne Zweifel gehört dieser Gig unter die Top-Five  der Mad Zeppelin-Konzerte aller Zeiten. Volle zwei Stunden wurde gnadenlos gerockt und zum großen Finale holte die Band ihren langjährigen Roadie, Designer und Fotografen Thomas Bartsch auf die Bühne um ihm vor dieser traumhaften Kulisse zu seinem 50. Geburtstag zu gratulieren. Auch wenn Thomas an diesem Abend recht früh die Veranstaltung verließ, feierten die verbliebenen Zeppeline zu seinen Ehren zuerst beim Konzert der  tollen Dire Strats und im weiteren Verlauf der lauen Sommernacht noch vor dem Bandhotel nach allen Regeln der Kunst. So müsste es immer sein, großartig!

27.August, Open Air Burg Lemberg, Lemberg
In diesem Sommer hatten Mad Zeppelin wirklich Glück mit ihren Open Air´s. Wie schon in Edenkoben war das Wetter fabelhaft und den Auftrittsort hätte selbst Ritchie Blackmore nicht schöner auswählen können. Mitten im Pfälzer Wald thronte hoch auf einem Sandsteinfelsen die Ruine einer einst imposanten Festung. Hatte man erst einmal die unglaublich enge und steile Auffahrt (schöner Gruß ans Getriebe) bewältigt, wurde man mit einem sensationellen Rundumblick belohnt.  Mitten im Burghof befand sich eine (etwas zu kleine) Bühne und da man sich ausgerechnet den heißesten Tag des Jahres ausgesucht hatte, wurde der  Aufbau zu einer echten Qual.  Diese Mühen sollten aber belohnt werden, indem am Abend  etwa 500 Zuschauer im magischen Licht eines Sichelmondes den Burghof bevölkerten. Wie schon vor einigen Jahren auf dem Rheinland-Pfalz-Tag in Bad Kreuznach spielten Mad Zeppelin mal wieder zusammen mit Mallet. Die drei Wiesbadener Vollblutmusiker leben den Rock´n´Roll und überbrückten mit Anekdoten aus 30 Jahren Rockgeschichte die lange Wartezeit bis zum Auftritt von Mad Zeppelin. Warten musste man auch auf Sänger Moppel. Dessen Autogasanlage kam mit der Bullenhitze nicht klar und verweigerte den Dienst. Nachdem das Gefährt auf Benzin umgestellt worden war, traf der Frontmann dann zwar spät aber noch rechtzeitig in der Pfalz ein. Aufgrund der Enge der Bühne musste nach dem Auftritt von Mallet innerhalb von nur zwanzig Minuten die komplette Backline getauscht werden. Zu allem Unglück waren gleich beide Roadies von Mad Zeppelin an diesem Tag nicht vor Ort. Aber mit der tatkräftigen Hilfe einiger Stagehands und der Merchandiserinnen Kadda und Mareike verlief der Umbau reibungslos. Mehr als ein Linecheck blieb aber dennoch nicht, um den Sound grob zu justieren.  Unter diesen Umständen war es natürlich nicht verwunderlich, dass der Klang nicht der allerbeste war.  Mad Zeppelin spielten auf dem gut gefüllten Areal dennoch einen sehr soliden Gig. Einzig Moppels Stimme zeigte sich ist ein wenig angeschlagen von der Klimaanlage, die er aber an diesem Tag beim besten Willen nicht ausgeschaltet lassen konnte. Leider kam im Publikum wie schon bei der Vorband nur ansatzweise gute Stimmung auf. Offenbar forderten die Hitze und der Wein ihren Tribut. So wurde der Auftritt eine etwas zähe Angelegenheit, die ihren skurrilen Höhepunkt in der Darbietung einer nicht gerade wenig angetrunkenen jungen Dame fand, die Ihrer Mutter ein Geburtstagsständchen bringen und anschließend die Bühne nicht mehr verlassen wollte.  Mit der Bitte, „Stairway to Heaven“  im Duett zu singen, überspannte die Walküre dann jedoch den Bogen erheblich. Erst nach intensivem Zureden durch Moppel konnte die Sangeswütige enttäuscht zum Verlassen der Bühne bewegt werden. Die Band tat ihr es erst gegen halb Eins in der Nacht gleich. Da man mit dem Abbau noch warten musste, bis sich der enge Burghof geleert hatte, kehrten die meisten Bandmitglieder erst gegen 4 Uhr in der Nacht wieder zurück nach Mainz. Dennoch: ein toller, heißer Tag.

24. September Die Scheuer, Idstein-Wörsdorf
Wie jedes Jahr statteten Mad Zeppelin dem beschaulichen Idstein einen Besuch ab. Diesmal an einem wunderschönen Frühherbstsamstag. Und wie das mit immer wiederkehrenden Ereignissen so ist; sie sind dann doch jedes Mal graduell ein wenig anders. Magische Momente lassen sich nun mal nicht beliebig reproduzieren und so erlebten die 260 Zuschauer an diesem Abend einen guten, aber sicherlich nicht den beste Auftritt der Band in der Scheuer. Dies lag teils daran, dass man das Programm gehörig durcheinander gewirbelt hatte. Erstmals wurde „Celebration Day“ als Opener dargeboten, dicht gefolgt vom schon länger nicht mehr gespielten „Misty Mountain Hop“. Daneben wurden auch der „Lemon Song“, „Custard Pie“,  „That´s The Way“ und der „Immigrant Song“ neu oder wieder in die Setlist genommen. Leider mussten die Zeppeline an diesem Abend krankheitsbedingt auf Bandmischer Manfred verzichten. Umso schöner war es, das man in der Scheuer auf einen alten Bekannten traf. Matthias, der früherer Hausmischer des Colos-Saals war vom Veranstalter Achmet als Ersatz engagiert worden und machte an diesem Abend einen tollen Job. Sowohl Aufbau als auch Soundcheck gingen megaschnell vonstatten und bis auf die leider viel zu lauten Einspieler im Intro und im Schlagzeugsolo sorgte der Knöpfchendreher für den perfekten Sound auf und vor der Bühne. Diesen lieferte eine der Akustikgitarren an diesem Abend leider nicht.  So musste „That´s the Way“ notgedrungen ein wenig gekürzt werden.  Auch ansonsten schlich sich der ein oder andere schiefe Ton ins Programm. Deutlich besser wurde es nach der Pause. In der zweiten Hälfte sorgten die Umstellungen der Setlist für mehr Abwechslung und irgendwie „funzte“ es nun richtig. Sänger Moppel, der am Vorabend bereits den CD-Release seiner Progrockband Flying Circus gefeiert hatte, lieferte eine phänomenale Gesangsleistung ab. Lediglich seine  Textsicherheit bereitete dem Rheinländer ein paar Sorgen. Die sicherheitshalber hinter den Monitorboxen versteckt liegen Lyrics brauchte der Frontmann aber dann doch nicht. Da auch die anderen Bandmitglieder immer mehr in Fahrt kamen, verwunderte es nicht, dass das Zuschauerfeedback vor den Zugaben euphorisch war. So servierte die Band mit „Custard Pie“ und „Babe I´m Gonna Leave You“ gleich noch zwei tolle Nachschläge.  Merchandiser Manfred kämpfte derweil mit den Widrigkeiten des Roadie-Daseins: die Wechselgeldkasse war mit einem Teil des Merchs im Proberaum liegen geblieben. Das nette Team von der Scheuer konnte aber Abhilfe leisten und streckte das Wechselgeld vor. Vielen Dank!

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