... on the road
Tagebuch Nr. 85

Sommer 2015

25. April, Scheuer Idstein
Mad Zeppelin feierten an diesen Abend gleich zwei denkwürdige Ereignisse, den 10. Auftritt in der Scheuer und das 200 Konzert der Bandgeschichte. An dieser Stelle muss es einmal deutlich gesagt werden:

DANKE EUCH ALLEN, DIE IMMER WIEDER KOMMEN, UM MIT UNS EINE ZEITREISE IN DIE 70ER ZU MACHEN. OHNE EUCH WÄRE UNSER TRAUM NIE IN ERFÜLLUNG GEGANGEN!

In Idstein zu spielen ist immer wieder eine Freude. Aufbau und Soundcheck verlaufen aufgrund der absolut professionellen Unterstützung durch die Scheuer-Crew reibungslos und vollkommen stressfrei. Selbst eine im Proberaum vergesse Kiste mit Bandmerchandise konnte die entspannte Stimmung nicht trüben und hatte auch auf die Verkäufe am späteren Abend keinen nennenswerten Einfluss. Nach einem leckeren Abendessen ging es dann schon recht früh an die Arbeit. Der Saal war wieder einmal gut gefüllt und die Stimmung gewohnt prächtig. Dem Anlass angemessen spielten Mad Zeppelin dann den wohl besten Gig des Jahres. Leider störte zu Beginn ein unschöner Brummer aus dem Gong-Mikro das Vergnügen, aber nachdem Mischer Manfred den „Übeltäter“ lokalisiert hatte, stand einem tollen Abend nichts mehr im Wege. Neue Felle und ein paar „Tuning-Lessons“ auf You Tube machten nun auch den Drumsound zu einer verblüffenden Kopie der Original-Aufnahmen aus dem Madison Square Garden (übrigens die einzigen offiziellen Aufnahmen, auf denen Bonham das Vistalite-Set gespielt hat). Keyboarder Thomas meinte später zwar, dass etliche Lieder zu schnell gespielt worden seien, aber die Konzertdauer selbst lässt einen an dieser Behauptung zweifeln. Unzweifelhaft verging der Abend jedoch wie im Flug. Aufgrund der in der Scheuer üblichen limitierten Spielzeit wurden diesmal „Lemon Song“ und „What Is And What Should Never Be“ gestrichen. Das Publikum verschmerzte diese Kürzungen und johlte und tobte was das Zeug hielt. Fast alle Zuschauer schienen mehr als zufrieden mit dem Dargebotenen. Nur ein Besucher meckerte nachträglich auf Facebook und meinte, das Mad Zeppelin wohl eher die Hindenburg seien – vermutlich bezog sich dieses Aussage aber auf den folgenden veritablen Absturz der gesamten Band im nahegelegenen Bad Camberg. Kadda und Mareike hatten die Band anlässlich des Jubiläums eingeladen und die Meute ließ sich nicht zweimal bitten. Selbst eine eigens dekorierte Geburtstagstorte mit den Musikersymbolen und einer (mit Edding schwarz gefärbten) 200-Kerze wurde aufgefahren, um in den frühen Morgenstunden als vorgezogenes Frühstück verspeist zu werden. Es war einfach großartig. Auf die nächsten 200!

03.06. 7 Eichen, Affalterbach
Die Höhengaststätte in Affalterbach ist eine tolle Location mit einem sensationellem Ausblick und einem schönen Biergarten. Nachdem im letzten Jahr der erste geplante Mad Zeppelin-Gig aufgrund der schlechten Witterung kurzfristig abgesagt werden musste, ging der zweite Versuch nun bei strahlendem Sonnenschein und tollem Frühsommerwetter über die Bühne. Leider waren nicht alle Mienen der Musiker ebenso strahlend, denn die technischen Voraussetzungen waren gelinde gesagt suboptimal. Die Anlage war erst gar nicht aufgebaut und es gab bei weitem nicht genug Mikrofone für alle Instrumente. So zogen sich Aufbau und Soundcheck in die Länge und nicht alle Bedürfnisse konnten befriedigt werden. Auch der Zuschauerzustrom war ein wenig enttäuschend. Nur etwa 80 Personen nahmen auf den Bierbänken im weitläufigem Rund Platz. Nach einem hektischen Abendessen ging es dann auch schon pünktlich um 8 Uhr los. Der Auftritt wurde zwar nicht zu einem Fiasko, aber ähnlich fahrig hat die Band sicherlich schon lange nicht mehr gespielt. Nahezu jeder wusste einmal mit Aussetzern zu glänzen und manche Abläufe und Übergänge klappten nicht wie gewohnt. Dazu kam dann auch noch eine völlig verstimmte Gitarre beim „Rain Song“ oder der Fauxpas von Roadie Manfred, der auf der Bühne versehentlich auf den Schalter einer Steckerleiste trat und dadurch die komplette Stromversorgung der Gitarrenanlage lahm legte. Skurril war auch der Akustikpart. Aus Mangel an Barhockern mussten die Musikanten zu dritt auf einer Bierbank Platz nehmen. Die Band nahm die ganzen kleinen Missgeschicke aber recht gelassen und glich die mangelnde Perfektion durch große Spielfreunde aus. So waren es dann vor allem die Einzelleistungen und Improvisationen, die diesen Abend doch noch zu einem ordentlichen Konzert werden ließen. Nach drei Stunden ging man dann auch weitgehend zufrieden von der Bühne. Etwas besorgniserregend wurde dann noch eine unerwartet auftretende Biernot, da die Gaststätte zügig die Tore schloss und im Schwabenländle die Bürgersteige schnell hochgeklappt werden. Nach einem zweistündigen Suchmarathon (auf Socken) konnte dann doch noch eine Kiste kühles Bier für die Band organisiert werden, aber da lagen die meisten dann schon in ihren Betten. Naja, alles in allem war dies sicherlich ein Konzerterlebnis der etwas anderen Art.

04.07. Mannheim, 7er Club
Der heißeste Tag des Jahrhunderts und Mad Zeppelin mussten im gleißenden Sonnenschein auf der schönen Open Air Bühne im Mannheimer 7er ihr Equipment aufbauen. Der Schweiß floss binnen Sekunden in Strömen und dann waren auch noch ausgerechnet an diesem Samstag gleich beide Roadies verhindert. So mussten die Musiker selbst Hand anlegen, was zur Folge hatte, dass erstmals bei einem Mad Zeppelin-Konzert das Wasser im Backstage-Kühlschrank schneller als das Bier leer war!
Wer geht eigentlich freiwillig bei 40 Grad im Schatten zu einem Open Air? Doch nur der, der keinen freien Platz mehr im Schwimmbad bekommen oder dessen Standventilator durch Heavy Rotation den Geist aufgegeben hat. So ist es zwar schade aber nicht verwunderlich, dass nur etwa 70 Zuschauer anwesend sind. Die erleben aber eine absolut heiße Show. Die Hände von Gitarrist und Bassist waren von Beginn an schweißüberflutet und rutschten nur so über die Gitarrenhälse. Dazu kam in der ersten Hälfte erneut ein sehr unschönes Brummen, dass diesmal seinen Ursprung in der Gitarrenanlage hatte. Erst in der Pause ließ sich die Ursache ermitteln: eine falsch geschaltet DI-Box an der Akustikgitarre. Sorry liebes Publikum, das dadurch „Stairway to Heaven“ ein wenig an Magie eingebüßt hat. Das zweite Set war diesmal eindeutig der bessere, wobei man überhaupt sagen muss, dass Mad Zeppelin an diesem Abend sehr ordentlich spielten. Auch der Sound war gut, und dies, obwohl Hausmischer Manfred im Urlaub weilte. Kleine Abstriche mussten aber dennoch gemacht werden. Der Klassikpart im Schlagzeugsolo fiel diesmal aus, da der Einspieler ebenfalls auf Urlaub war und der „Lemon Song“ wurde gestrichen, da die Hitze der Band konditionell extrem zu schaffen machte und Bassist Christian zudem Schmerzen im Ellenbogengelenk hatte. Die Soloeinlagen wurden diesmal von den übrigen Musikern ausgiebig genutzt, um im kochendheißen Backstagezelt die Wasserflaschen nur so in sich rein zu kippen. Tapfer kämpfte man sich durch zweieinhalb Stunden Rock´n`Roll und wurde gegen halb Eins unter frenetischem Jubel der Anwesenden verabschiedet. Es ist wirklich schade, dass nicht mehr Zuschauer diesen schönen Abend genossen haben, solch tolle kleine Läden wie der 7er haben mehr Publikum verdient.

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