... on the road
Tagebuch Nr. 83

Herbst 2014

26.09., Rüsselsheim, Rind
Ein Vierteljahr ohne Auftritt?! – so etwas gab's in 15 Jahren Mad Zeppelin noch nie, aber die unterschiedliche Urlaubsplanung der Musiker erzwang die lange Pause. Diese wurde genutzt, um ein Drittel des Programms auszutauschen und insgesamt sieben „neue“ Songs zu präsentieren. Zudem hatte man mit reichlich Experimentierfreude an der Setlist herumgetüftelt, um einige wirklich ungewöhnliche Dinge auszuprobieren. Der Ort dieses Experiments war das kultige Rind, ein wirklich schöner und gut geführter Laden, der leider an einem schönen Spätsommerabend mit 120 Zuschauern eher mittelprächtig gefüllt war. Direkt zu Beginn erklang mit „Bring It On Home/Black Dog“ ein Opener, den Mad Zeppelin so noch nie gebracht hatten und der nahtlos in „Rock’n’Roll“ überging. Ein furioser Beginn und eine gelungene Überraschung. Im anschließenden „Since I‘ve Been Loving You" zeigte sich an mancher Stelle, dass Moppels Stimme noch durch eine abklingende Erkältung leicht angeschlagen war, und auch insgesamt spielte die Band noch nicht ganz so rund wie gewohnt. Die lange Pause machte sich hier etwas bemerkbar. Dann folgte die nächste Überraschung:  „Stairway to Heaven“ bereits an vierter Stelle!!! Sänger Moppel bat das Publikum ausdrücklich um ein Feedback zu Songauswahl und Reihenfolge, und trotz unterschiedlichster Meinungsäußerungen war man sich hinsichtlich einer Sache völlig einig: „Stairway“ muss weiter hinten ins Programm! Anschließend folgte bereits der Akustik-Block mit den beiden neuen Songs „That’s the Way“ und „Gallows Pole“. Dies war vielleicht ein wenig zu viel Melancholie am Anfang, so dass „Moby Dick“ im Anschluss einen seltsam schroffen Kontrast bot. Danach bekam man aber die Kurve, und mit dem Double „The Song Remains The Same“ und „The Rain Song“ fuhr man nicht nur die nächste Überraschung auf, sondern schaffte sich endlich voll und ganz in das Konzert hinein. Ab jetzt sollte das Programm so richtig an Fahrt aufnehmen, wobei erst einmal eine 15-minütige Raucherpause für Erholung sorgte. Mit „Communication Breakdown“ und „How Many More Times“ startete die zweite, blueslastige Hälfte des Programms, die mit „The Lemon Song“ und „What Is And What Should Never Be“ gleich zwei weitere Überraschungen in petto hatte. Nun wurde das Rind gerockt und mit „Kashmir“ und „Whole Lotta Love“ der reguläre Gig zu einem famosen Ende gebracht. Ganz klar: Im ersten Teil fehlte ein wenig die Dramaturgie und spielerische Sicherheit. Die zweite Hälfte hingegen bot eine sauber abgestimmte und musikalisch rundum überzeugende Show. Als Zugabe sollte dann noch eine letzte Überraschung folgen. Nachdem die Musiker schon im Backstageraum einen eigens von Moppels Freundin Julia gebackenen Puddingkuchen verköstigt hatten, kam nun auch das Publikum in den Genuss von „Custard Pie“ - einem Song, den man schon Ewigkeiten nicht mehr gespielt und an dessen neuem Arrangement man lange gearbeitet hatte. Mit „Babe I’m Gonna Leave You“ wurde dann ein schöner kleiner Konzertabend gekrönt (obwohl gerade hier noch eine Saite reißen musste).

14.11., Dexheim, Weingut Weyell
Lange haben sich Mad Zeppelin um einen Auftritt im ehrwürdigen Weingut Weyell bemüht und nun sollte es endlich klappen. Im Rheinhessischen Hinterland ist dieser Club sicherlich hinsichtlich Reputation, Location und Ambiente konkurrenzlos. Alles, was Rang und Namen hat, durfte schon dort auftreten und gleich beim ersten Mal kamen zu Mad Zeppelin 270 Zuschauer! Wenn das kein Erfolg ist?! Da wollte sich die Band auch nicht lumpen lassen und spielte einen rundum gelungenen Gig. Einzig die kaputte Akustikgitarre, die beim Soundcheck ihren Dienst versagte, führte dazu, dass „That`s The Way“ gestrichen werden musste. Ansonsten gilt es noch drei Kuriositäten zu berichten:

1. Der Backstageraum im Weingut ist eine gutbürgerliche Wohnstubb mit Möbeln im Gelsenkirchener Barock, riesigen Sofas, Kronleuchtern und kitschigen Wandgemälden! Das hat man auch nicht alle Tage.

2. Bassist Christian hatte sich einen neuen Bassamp zugelegt. Was er nicht wusste:  im Scheinwerferlicht aufgewärmt sonderte das gute Stück einen extrem penetranten Geruch nach totem Fisch ab. Nach dem Gig mussten der Combo und das Auto von Roadie Manfred erst einmal eine Febreze-Dusche über sich ergehen lassen.

3. Weil Christian beim Soundcheck nicht anwesend war, schnappte sich der Bassmann kurzerhand zu Beginn des Konzerts die DI-Box, die neben seinem Amp auf der Bühne lag. Was er nicht wusste: die war eigentlich für die Mandoline vorgesehen. Glücklicherweise fiel der Mandolineneinsatz aber flach, da ja die Akustikgitarre kaputt war. Ansonsten hätte Thomas sicher blöd aus der Wäsche geschaut und verzweifelt nach seiner DI-Box gesucht. Wäre bestimmt lustig geworden...

22.11. Schweinfurt, Stattbahnhof
In Schweinfurt läuft es eigentlich fast immer richtig super. Diesmal aber hatte Veranstalter Hü richtig Muffensausen, da einige vorausgegangene Gigs unter extrem schlechtem Besuch litten. Doch die Sorgen waren unbegründet, 270 bestens gelaunte Zuschauer bevölkerten den alten Bahnhof und erlebten einen mittelprächtigen Gig. Für Gitarrist Ralph war es vermutlich sogar einer der schlimmsten Auftritte seines Lebens, denn das gerade neu verkabelte Effektboard des Gitarristen hatte einen „Wackler“, der sich einfach nicht lokalisieren ließ. So blieb dem Gitarrero nichts anderes übrig, als bei jedem Aussetzer mit einem Tritt gegen das Board für Abhilfe zu sorgen. Die Aussetzer häuften sich, die Tritte wurden heftiger und am Ende des Abends war das Board verbeult und der Gitarrist völlig fertig mit den Nerven. Unter diesen Voraussetzungen spielte die Band natürlich recht unsicher. Immer wieder verschwand das Gitarrensignal (manchmal auch der komplette Monitor) und der Rest der Band musste im Blindflug weitermachen. So war die Stimmung auf der Bühne unterirdisch und im Zuschauerraum auch nicht ganz so enthusiastisch wie gewohnt. Sorry, aber gegen solche massiven Technikprobleme lässt sich dann auch nur wenig machen. Mit zunehmender Spieldauer hielt dann aber eine „Leck mich“-Attitüde Einzug, die dazu führte, dass der zweite Teil zwar soundtechnisch nicht perfekt, aber brachial und rockig durch das Gemäuer toste. Letztlich waren dann doch die meisten mit dem Jahresabschluss zufrieden.

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