... on the road
Tagebuch Nr. 81

Frühjahr 2014 Teil II

22.02. Paddock-Club, Flughafen Hahn
Ganz weit draußen in „the middle of nowhere“ liegt der wirklich schöne Paddock-Club versteckt in einem alten Flugzeughangar. Vielleicht lag es daran, dass nur etwas mehr als hundert Besucher am heißesten Mad Zeppelin-Konzert aller Zeiten teilnahmen? In der Flugzeughalle bollerte schon beim Eintreffen der Band die Heizung unbarmherzig und die warme Luft sammelte sich unter der Decke um eine wunderbare Symbiose mit der Scheinwerferanlage einzugehen. Da hieß es schon beim Aufbauen kräftig schwitzen! Beim Auftritt sollten die Temperaturen dann wirklich unbarmherzig sein und erstmals wurde „Kashmir“ somit zu dem bereits lyrisch angedeuteten Wüstenritt. Aber bis dahin sollte erst mal wieder einiges schief gehen. Diesmal erwischte es Keyboarder Thomas. Als er sein Tastenarsenal einschaltete, haute es direkt einmal die Sicherung raus. Nach genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass dadurch das Midi-Temp, mit dem Thomas die Sounds ansteuert, das Zeitliche gesegnet hatte. Also musste man improvisieren, überbrückte das defekte Gerät und versuchte es erneut. Ergebnis: wieder fliegt die Sicherung raus und zerschießt auch den Mixer in Thomas Effektboard. Shit happens. Einige Tage später entdeckte Tonmann Manfred die Ursache für die Katastrophe. Eine Mutter hatte sich unglücklich im Keyboardrack verklemmt und die Kurzschlüsse verursacht. An diesem Abend hätte diese Erkenntnis jedoch auch nicht viel weiter geholfen. Nun galt es zu improvisieren und in einem ewig andauernden Soundcheck die passenden Sounds für die Songs zu finden. Die Mischung der Lautstärken musste der Tontechniker dann während des Gigs vom Pult aus erledigen. Dies war sicherlich keine einfacher Job zumal auch die Hausanlage so ihre Macken hatte. Während des Gigs verloren die Monitore zunehmend an Leistung und fielen teilweise ganz aus. Auch Gitarrist Ralph wollte da nicht nachstehen und seinen Teil zur Kakophonie beitragen. Während seines Thereminsolos hatte er versehentlich das Volumenpedal seines Haupteffektboards nicht ganz gemuted und so machte sich nach und nach eine wunderbare, tieffrequente Rückkopplung im ganzen Raum breit. Dies alles hatte aber wenig Einfluss auf die Performance der Band. Obwohl die zum Großteil leere Halle nicht gerade ein Garant für Hochstimmung war, spielten alle Musiker hervorragend einen nahezu fehlerfreien Gig. Besonders skurril war der Sammelwahn eines Fans vor der Bühne, der wirklich jeden Holzsplitter der zahlreich gebrochenen Drumsticks einsammelte (um vielleicht seinen Ofen zu heizen?). Auch nicht alle Tage erlebt man, dass der Veranstalter nach dem regulären Set zu einer fünfminütigen Dankesrede an Band und Publikum anstimmte. Danach war es für alle Beteiligten nicht eben einfach, noch einmal Zugaben zu fordern respektive abzuliefern. Trotzdem wurden wieder einmal „Thank You“ und „Dyer Maker“ zum Besten gegeben und das Publikum goutierte diesen Bonus hinter seinen Stehtischen verschanzt mit höflichem Applaus und Kopfnicken.

22.03. Musiktheater Rex, Bensheim
Zum zweiten Mal spielten Mad Zeppelin nun im mit etwa 230 Zuschauern prächtig gefüllten Neuen Rex in Bensheim. Im Vorfeld dieses Gigs hatte die Band ein Notfallprogramm eingeprobt, da der Auftritt genau auf den Geburtstermin des dritten Sprösslings des Keyboarders fiel. Glücklicherweise halten sich die Kleinen ja in den seltensten Fällen an solche Terminvorgaben aber da man den Gig auf keinen Fall absagen wollte, hatte die übrige Band mit „Babe I´m Gonna Leave You“, „Good Times, Bad Times“, „Ramble On“, und „Out On The Tiles“ ein abendfüllendes Programm ohne Keyboardstücke einstudiert. Einzig „Stairway To Heaven“ geht natürlich gar nicht ohne Tasten aber hier hätte Bassist Christian am Keyboard begleitet, ebenso wie es John Paul Jones seit jeher getan hat. Dies wäre sicherlich ein reizvolles Programm gewesen aber natürlich waren alle glücklich, als der Kleine bereits vier Tage früher das Licht der Welt erblickte. Herzlichen Glückwunsch, Thomas!
Zu allem Überfluss hatte der arme Keyboarder ja auch noch die Aufgabe, sein zerschossenes Equipment auf Vordermann zu bringen. Gemeinsam mit Soundmann Manfred schraubten die Beiden in einigen Nachtschichten eine völlig neue Keyboardanlage zusammen die an diesem Abend ihre Feuertaufe bestand. Der Gig lief wieder richtig super. Nur bei „Going to California“ vergaß Moppel mal einen Teil der Strophe aber sonst gab es eigentlich keinen Grund zur Kritik. Da in Bensheim bereits um 23 Uhr absolute Stille herrschen muss, die Band aber in Improvisationslaune war, mussten während des Gigs spontan einige Streichungen vorgenommen werden. Zum Opfer fielen “Dyer Maker”, “Heartbreaker” und “Living Loving Maid”. Enuff said!

29.03. KUZ, Mainz
Nachdem das letzte „Tribute To Rock“ mit nur 250 Zuschauern das mit Abstand am schlechtesten besuchte Konzert in der Heimat von Mad Zeppelin gewesen war, stand die Veranstaltung in diesem Jahr auf Messers Schneide. Noch einmal so wenig Zuschauer und das „Tribute To Rock“ wäre Geschichte! Daher hatte man mit „Hole Full Of Love“ einen echten Hochkaräter als Vorband engagiert obwohl es sicherlich für keine Band einfach ist, nach solch einer Abrissbirne die Bühne zu entern und die Stimmung hoch zu halten. Auch die Werbung wurde noch einmal forciert. Zehntausende Flyer wurden verteilt und Thomas schaffte es, die Veranstaltung in allen Stadtzeitungen mit Bild zu platzieren. Der Lohn für diese Mühen: es kamen sagenhafte 600 Zuschauer, um an einem lauen Frühlingsabend mächtig Gas zu geben! Auch die zweite Vorband „Fight Footers“ hatte ihren Anteil am Gelingen, sorgten sie doch bereits früh für gute Stimmung und konnten musikalisch überzeugen. Überhaupt lief an diesem Tag alles völlig unkompliziert. Alle Musiker erwiesen sich als wirklich professionell, die Auftrittslängen wurden eingehalten, beim Soundcheck erschienen alle pünktlich und checkten diszipliniert. Entspannter kann eine solche Veranstaltung gar nicht ablaufen! Bei „Hole Full Of Love“ war die Halle dann randvoll und die Stimmung bereits am Siedepunkt. Die wirklich sympathischen Jungs aus der Frankfurter Ecke (inkl. Offenbach) genossen es sichtlich, eine Stunde lang aus allen Rohren zu Powern. Ein Hit reihte sich an den Nächsten und das KUZ kochte. „Hole Full Of Love“ konnten sich ohne Probleme mit den hochkarätigen Vorbands der letzten Jahre („Ozzmosis“, „Hollywood Rose“) messen und waren für diesen Abend die perfekte Besetzung. In Windeseile wurde danach die Bühne geräumt und das Intro von Mad Zeppelin erklang. Im Vergleich zum letzten Jahr hatte man einige neue Songs im Gepäck, z.B. „Misty Mountain Hop“, „Nobody‘s Fault But Mine“, „Thank You“ und das eröffnende „Communication Breakdown“. Bereits von der ersten Sekunde an war die Stimmung sensationell und die Band spielte sich in einen Rausch. Das Publikum ging steil und auch die obligatorischen „Achilles“-Rufe erschallten wieder! Jungs, der Song kann bei einem Festival aufgrund seiner Länge leider nicht gespielt werden. Sorry! Aber rufen dürft ihr natürlich auch beim nächsten Mal wieder!
Vielleicht war es unterm Strich nicht die perfekteste Vorstellung von Mad Zeppelin aber auf jeden Fall einer der rockigsten und energetischsten Gigs ever. Alle hatten einen riesigen Spaß. Die viele Arbeit im Vorfeld hatte sich wieder einmal gelohnt. Bei den Zugaben machte Thomas Bartsch dann das nebenstehende tolle Foto einer zufriedenen Band vor einer ebenso zufriedenen Menschenmenge. Das Publikum blieb trotz fünfstündiger Dauerbeschallung bis zum letzten Ton. Dagegen war es im Backstage nach dem Gig diesmal unerwartet leer und so zog es Musiker und Tross alsbald ins „Alexander The Great“. Dort und im „Good Times“ wurde traditionell die Nacht zum Tag gemacht und die letzten Gestalten ließen sich so gegen 10 Uhr morgens in ihren Betten nieder.

Was danach geschah: Zwei Wochen später hatte man seinen Ruhm lange genug genossen und machte sich mal wieder auf den Weg in den Bandproberaum. Dort angekommen musste man dann erschreckt feststellen, dass ein Wasserrohrbruch einen Großteil des Gebäudes unter Wasser gesetzt hatte. Statt Probe mussten die teuren Instrumente gerettet werden. Mad Zeppelin hatten dabei Glück im Unglück, da fast alles auf Podesten stand und die Feuerschutztür in Kombination mit den Teppichen als wirksame Wassersperre fungierte. Nachdem das Gebäude leer gepumpt war, hieß es aufräumen, neue Teppiche verlegen und beschädigtes Mobiliar zu entsorgen. Erst einen Monat später konnte man wieder mit geregelten Proben beginnen.

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