... on the road
Tagebuch Nr. 80

Frühjahr 2014, Teil I

18.01. Die Scheuer, Idstein
Manchmal sind es die tollsten Gigs, über die sich am wenigsten berichten lässt. Warum das so ist? Na, wer möchte schon gerne hören, dass alles super toll, die Stimmung ausgelassen und der Laden voll war? Viel interessanter ist es doch zu lesen, dass dies und das schief lief und am Ende der Drummer oder Gitarrist besoffen von der Bühne gestolpert ist. Aber der Auftritt in der Scheuer bietet diesbezüglich eben leider nahezu nichts von Belang. Ok, dem Bassisten krampften bei den letzten drei Songs die Finger und der Drummer zerrte sich bei der Zugabe „Thank You“ unglücklich die Schulter, aber das war‘s dann auch schon aus der Pannenabteilung. Auf der anderen Seite steht dagegen eine mit über 300 Zuschauern ausverkaufte Scheuer! Dies ist der Band noch nie gelungen und sorgte alleine schon dafür, dass die Stimmung bei Musikern, Publikum und Veranstalter großartig war. Dazu kam noch, dass man sich diesmal redlich bemüht hatte, den oftmals sehr lauten Sound in der Scheuer in den Griff zu bekommen. Bassist Christian hatte einen deutlich kleineren Bassamp mitgebracht und Thomas seine Keyboards inklusive Monitor seitlich zum Publikum aufgebaut. Selbst Gitarrist Ralph trug zum erheblich leiseren Gesamtsound bei, indem er das Merchandising-Programm um Mad Zeppelin-Ohrenstöpsel bereicherte. Was kommt als nächstes, Ralph – Tampons oder Slipeinlagen? Naja, vermutlich war es aber der rappelvolle Zuschauerraum, der am meisten von den unschönen Lautstärkespitzen schluckte. Also gebührt dem Publikum der größte Anteil an dieser Verbesserung und wenn wir schon beim Honig um den Mund schmieren sind: die Stimmung im Publikum kann man gar nicht genug loben. So spielten Mad Zeppelin eine tolle, knapp zweieinhalbstündige Show, die im Vergleich zum Schrecksbach-Gig nur um „Heartbreaker/Living Lovin Maid“ und „Dyer Maker“ gekürzt wurde, da bereits um 22:30 Feierabend sein sollte. Und dies nahmen die meisten Bandmitglieder wörtlich und machten sich schleunigst auf den kurzen Heimweg. Das war`s..

31.01. Fabrik, Bruchsal
Den Start in die „Englischen Wochen“ zelebrierten Mad Zeppelin in der mit über 300 Zuschauern toll besuchten Bruchsaler Fabrik. Um das Fazit vorweg zu nehmen: Wie schon in den letzten Jahren sollte es wieder ein toller Abend mit einer fantastischen Stimmung im Zuschauerraum werden. Man merkte sofort, dass im Publikum viele Fans des britischen Luftschiffs dankbar über jeden Ton ihrer Helden waren. Da störte das massive Brummen auf der Bühne nur marginal. Ganz anders empfand dies Gitarrist Ralph der sogleich Keyboarder Thomas als Verursacher des Getöses ausgemacht hatte. Im Spaß drohte er daher dem Tastenmann seinerseits mit unangenehmen Schwingungen seiner Rechten, falls die Störgeräusche nicht sofort abgestellt würden. Tatsächlich waren es aber Probleme mit den Monitoren, die ursächlich für die Missstimmung waren und denen Tonmann Manfred im weiteren Verlauf des Abends noch erfolgreich den Gar ausmachen konnte. Die Devise der Band war diesmal völlig klar: rocken ohne Rücksicht auf Verluste. Folglich stimmte die Attitüde und die kleineren Klopse, die sich dafür einschlichen, wurden allerseits gnädig entschuldigt. Zu einem Running Gag sollte sich der Fauxpas von Sänger Moppel entwickeln, der „Rice Pudding“ von Jeff Beck als neues Intro von „Black Dog“ ankündigte. Gespielt wurde stattdessen aber ein Teil von „Bring It On Home“. Da wollte auch Bassist Christian in nichts nachstehen und zockte das bereits erwähnte „Rice Pudding“ nach dem Anzähler für „How Many More Times“. Natürlich spielten Mad Zeppelin im Anschluss den „Pudding“ auch an der richtigen Stelle, nämlich zu Beginn von „Heartbreaker“. Ebenso für Schmunzler unter den Musikern sorgte der Kabelsalat, den Bassist und Gitarrist während ihrer Pirouetten bei „Whole Lotta Love“ verursachten. Da half im Anschluss nur ausstöpseln und entknoten. Was sich jetzt doch mehr nach Chaos anhört, war aber ein absolut gelungenes, fast dreistündiges Konzert, das kaum eine Frage offen ließ. Bruchsal rules!

01.02. Colos-Saal, Achaffenburg
Am nächsten Tag sollte es gleich mit einem weiteren Highlight weiter gehen. Zum neunten Mal rockte der Zeppelin das Colos-Saal in Aschaffenburg, das sich somit völlig zu Recht den Titel „zweites Wohnzimmer“ der Band verdient hat. Die gute Stube war mit über 400 Zuschauern wieder einmal prächtig gefüllt aber das Publikum musste sich in Bezug auf eine Top-Performance erst einmal ein wenig in Geduld üben. In der ersten Stunde lief leider sehr viel daneben und nicht ganz unbeteiligt daran war erneut ein penetrantes Brummen auf der Bühne. Aber es wäre unfair, die Schuld an der suboptimalen Leistung auf die Technik zu schieben. Letztlich haben es die Musiker auf der Bühne selbst verzockt. Vor allem „No Quarter“ wurde nach allen Regeln der Kunst in den Sand gesetzt und auch die Einspieler während des Schlagzeugsolos kamen leider nicht an der gewohnten Stelle. Weiter ging’s mit einem ziemlich vergurkten Anfang von „Going to California“. Da war es gut, dass endlich die Pause näher rückte. Und was soll man sagen: nach dem Break war die Band wie ausgewechselt. Von jetzt an (und immerhin noch fast zwei Stunden lang) ging überhaupt nichts mehr schief und von Minute zu Minute gewannen die Jungs ihre gewohnte Sicherheit zurück. Jetzt bekam das Publikum doch noch, was es sich redlich verdient hatte. Gitarrist Ralph quitschte ausgiebig auf seinem neuen Wah Wah-Pedal und auch der Rest der Band zeigte sich improvisierfreudig. Mit "Dyer Maker" und "Thank You" wurden gleich zwei Zugaben in das Auditorium geschmettert aber trotz bester Stimmung viel das Fazit der Band ob der ersten Stunde eher zurückhaltend als euphorisch aus. Eine Überaschung der besonderen Art gab es dann noch im Anschluss an den Gig: auf einmal tauchten am Merchandise-Stand die beiden Ex-Roadies Daniel und Flo auf. Die Beiden hatten seit dem KUZ-Gig vor eineinhalb Jahren nichts mehr von sich hören lassen. So war die Wiedersehensfreude groß. Toll war auch, dass man unbefangen über die vergangenen Jahre sprechen konnte. Bei so viel Harmonie war es dann auch nicht verwunderlich, dass gleich das nächste Treffen für das kommende Wochenende vereinbart wurde.

07.02. Eulenspiegel, Siegen
Weiter ging es mit den englischen Wochen in Siegen. Dieser Auftritt war mit nicht unerheblichem Aufwand und Strapazen verbunden, da der kleine Club über keine eigene Anlage verfügt und Sänger Moppel daher mit einem Mietbus die PA seiner zweiten Band „Flying Circus“ ankarren und aufbauen musste. Nicht eben stressfrei verlief der Mittag auch für Bassist Christian. Dieser hatte leider seine Autoschlüssel verloren und musste erst mit einem Leihwagen den Ersatzschlüssel herbeischaffen. Umso bedauerlicher war es, dass letztlich nur 65 Besucher der Weg ins Siegerland angetreten hatten. An diesem Abend standen Aufwand und Ertrag eher in einer unglücklichen Konstellation zueinander. Verzichten mussten die Musiker zudem auf eine Bühne. Die kleine Kneipe bot gerade eben so viel Platz, dass man die komplette Backline inmitten des Publikum aufbauen konnte. Als Backstageraum fungierte die Besenkammer. Auf der Habenseite sollten aber unbedingt der rührige Wirt und sein Personal Erwähnung finden. Dieses kümmerte sich nach Leibeskräften um das Wohl der Musikanten, tischte ein hervorragendes Essen auf und sorgte mit ungeahnten Mengen an Kölsch dafür, dass keiner verdursten musste. Demzufolge war die Stimmung der Band trotz der widrigen Umstände prächtig und der Funke sprang sofort auf das Publikum über. Zwangsläufig spielte man das volle fast dreistündige Programm in bester Form. Einzig bei „Houses Of The Holy“ schlichen sich einige Textunsicherheiten ein. Höhepunkt des Abends war aber eindeutig die Rettungsaktion des Roadies Leo, der die durch eine Batterie umgestürzter Kölschgläser verursachte Überschwemmung unter dem Drumkit mit sage und schreibe fünf Blatt Toilettenpapier beseitigen wollte. Gut gemeint ist halt nicht gleich gut gemacht. Auch hier half der Wirt mit einem Putzlappen aus der Misere. Im Anschluss an den Gig unterhielt man sich dann noch ausgiebig mit den noch anwesenden Fans. Dabei bemerkten weder Drummer Breaker noch die „Edelfans“ Kadda und Mareike, dass es sich bei einem sehr freundlichen Gast, mit dem man sich lange unterhielt, um eben jene Person handelte, mit der man gemeinsam vor einem halben Jahr auf dem Metalfest vier Tage Zelt an Zelt gecampt hatte. Erst zum Abschied ließ der „Unbekannte“ die Katze aus dem Sack und outete sich. Mann oh Mann, da hatte man wohl schon ein paar Kölsch zu viel gebechert! Der Abend wurde aber trotzdem mit einer weiteren Kiste Bier und Frikadellen in einem Siegener Hotel noch standesgemäß zu Ende gefeiert.

08.02. Kubana, Siegburg
Vier Gigs in acht Tagen zehrten ganz schön an der Substanz der Hobbymusiker. So trennten sich am kommenden Morgen in Siegen erst einmal die Wege der Band. Moppel und Tontechniker Manfred hatten sich bereits in der Nacht auf den Heimweg gemacht, Kadda und Mareike folgten nach dem Frühstück und Volker beschloss, für ein kleines Nickerchen einen Zwischenstopp im Westerwald einzulegen. Der Rest der Band machte sich auf den Weg zur Shopping Tour nach Köln. Ziele waren der Music Store und ein Second Hand-Klamottenladen. Erst um 17:00 Uhr wollte sich der Tross wieder im Siegburger Kubana treffen. Bis auf Manfred waren auch alle pünktlich. Der Arme steckte leider in einer Vollsperrung auf der A3 was Haustechniker Joey zunächst einige Schweißperlen auf die Stirn zauberte. Der nette Tonmann ist aber Profi genug, bis zum Eintreffen von Manfred für gleichwertigen Ersatz zu sorgen. Aber ganz rund lief es mit der Technik leider auch an diesem Abend nicht. Sorgen machte der Einspieler für das Schlagzeugsolo, der partout nicht über das Pult angesteuert werden konnte. Zudem musste Ralph feststellen, dass eine seiner Akustikgitarren nicht mehr funktionierte. Folglich wurde „Going To California“ leider aus dem Set gestrichen. Ansonsten wurde zum vierten Mal in Folge das volle Programm gespielt. Ähnlich wie eine Woche zuvor musste sich die Band erst einmal in das Programm hinein kämpfen und lief erst in der zweiten Hälfte des Programms zu voller Stärke auf. Die 200 Zuschauer im Saal schien dies aber nicht weiter zu stören und auch die Bandstimmung drückte dieser Umstand weit weniger als noch in Aschaffenburg. So buchte man zum Beispiel die Strophendreher in „Kashmir“ mit einem Schmunzeln ab.
Nach getaner Arbeit schaltete man umgehend in den Feiermodus. Im Backstageraum wurde ausgiebig das Quizspiel „Rock Science“ gezockt und dabei das ein oder andere Bierchen vernichtet. Die Jungs im Kubana hatten allerhand zu tun, für Nachschub zu sorgen. Es entwickelte sich ein harter Kampf unter den Rateteams, den letztlich das Team „Rhythm-Section“ vor dem Teams „Alte Herren“ und „Kölle Alaaf“ für sich gewinnen konnte. Abgeschlagen belegte das Team „Lila“ mit den wieder anwesenden Exroadies Flo und Daniel den letzten Platz. Tja, die Jugend kennt sich halt nicht wirklich aus im Rock’n’Roll. Als die Stimmung gerade ihren Höhepunkt erreicht hatte, kam Roadie Manfred mit einem „mächtigen Hals“ in den Backstageraum. Er hatte beim Abbau seine Autoschlüssel an Roadie Leo verliehen. Dieser war aber schon wieder auf dem Heimweg und die Schlüssel verschwunden. Da eine telefonische Kontaktaufnahme scheiterte, wurden erste Pläne geschmiedet, welche Teile des Equipments in Siegburg zurück gelassen werden müssten, damit Manfred in einem der anderen Autos zurück nach Mainz fahren könne. Mit diesem eher abtörnenden Schlussakkord verzog man sich für einen kurzen Schlaf in die hauseigenen Betten. Am nächsten Tag sollte die Welt jedoch gleich anders aussehen. Auf dem Drumriser endeckte man nämlich den vermissten Schlüssel, den Leo dort in dem Glauben abgelegt hatte, er würde schon gefunden. Puh, alles noch mal gut gegangen? Nö, nicht ganz. Beim Ausräumen der Instrumente am Proberaum stellte Christian fest, dass er sein Handy verloren hatte. Lag es etwa in Siegburg? Eine Viertelstunde später wurde das Gerät dann aber doch unterm Sitz in Christians Auto gesichtet. Müde und erleichtert machten sich nun alle auf den Heimweg.

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