... on the road
Tagebuch Nr. 79

Sommer/Herbst 2013 Teil IV

30.11. Bürgerhaus, Saulheim
Das Bürgerhaus in Saulheim war mit über 400 Zuschauern restlos ausverkauft. Kein Wunder, hatte doch im Vorfeld die rührige ortsansässige Kulturinitiative mächtig Werbung gemacht und mit Flyern, Vorankündigungen in der Presse und Plakaten ganz Rheinhessen auf diese Veranstaltung hingewiesen. Dabei scheute man auch nicht davor zurück, auf die Beteiligung der beiden Lehrer in der Band hinzuweisen, da diese an den umliegenden Schulen unterrichten. Zudem hatte man sich noch entschlossen, den Gewinn der Veranstaltung der Grundschule Saulheim zu Gute kommen zu lassen. Im Saal sammelte sich daher ein bunt gemischtes Publikum: neben Schülern und Altrockern auch Muttis und Papas der Grundschulkinder und einfach neugierige Dorfbevölkerung, die sich freute, dass außer dem Weinfest nun auch im Winter mal etwas los ist in der Provinz. Zwar versprühte der Saal eher den biederen Mief eines Dorfgemeinschaftshaus aber in Sachen Bühne und Licht hatte sich der Veranstalter richtig Mühe gegeben. Im Zentrum der Stage stand eine kreisrunde Leinwand, die an eine Miniaturausgabe von Pink Floyd erinnerte. Mit einer Kamera wurden während der Show Livebilder projiziert (und auch mal Fehlermeldungen des Computerprogramms). Zur tollen Bühnenoptik hatte diesmal auch Ralph seinen nicht unbeträchtlichen Beitrag geleistet, indem er gleich vier Boxen auf seiner Seite stapelte. Zudem bastelte er vor dem Gig fleißig an seinem Effektboard, dass schon wieder um einige neue „Krachmacher“ ergänzt wurde, die natürlich reichlich zum Einsatz kamen. Ein ganz besonderer Gig sollte es diesmal für Basser Christian werden. Wohnt er doch in eben diesem idyllischen Weinörtchen und war sich alles andere als sicher, wie die Dorfbevölkerung auf den Heavyrock made in GB reagieren würde. Aber was sollte schon passieren? Im schlimmsten Fall drohte doch nur die öffentliche Teerung und Federung. Also war Christian nur ein wenig aufgeregter als sonst. Dies im Nachhinein aber völlig grundlos, denn Mad Zeppelin spielten einen nahezu fehlerfreien Gig, der auch das Publikum zu überzeugen wusste. Natürlich konnte man nicht die ausgelassene Stimmung der Gigs aus Schweinfurt oder dem GMZ reproduzieren aber in Anbetracht der Zuschauermischung konnte man mit Fug und Recht von einem Erfolg auf ganzer Linie sprechen.
Um die Stimmung im Saal zusätzlich anzuheizen, wurde die Setlist, die auf Wunsch der Kulturinitiative zusammengestellt worden war,  gleich zweimal während des Abends spontan geändert. „Stairway to Heaven“ rückte nach vorne, „Since I´ve Been Loving You“ wurde überraschend als Zugabe gespielt, Beide Änderungen erzielten den gewünschten Erfolg und so blieb als einziger Wermutstropfen des Auftritts die gerissene Saite bei „Kashmir“. Ersatzgitarren-Roadie Roman (Leo war an diesem Abend verhindert) musste dem Drama aus der ersten Reihe vor der Bühne tatenlos zusehen, da alle anderen Gitarren in einer anderen Stimmung waren und es für ihn schlichtweg unmöglich war, sechs Saiten während eines halben Songs umzustimmen. Ob er deswegen ein schlechtes Gewissen hatte? Jedenfalls legte sich der Ex-Sänger beim Abbau mächtig ins Zeug und ließ sich dann zu der korrekten Bemerkung hinreißen, dass er an diesem Abend mehr geschleppt habe, als während seiner ganzen aktiven Zeit als Sänger der Band. Recht hat er! Ein trauriges Ende nahm der Abend dann leider für den zweiten Roadie Manfred. Zusammen mit Gitarrist Ralph hatte er sich entschlossen, statt der Party bei Bassist Christian lieber den Heimweg anzutreten und mähte in einem Moment der Unachtsamkeit mit seinem Auto leider in einem Kreisel ein Verkehrsschild um. Das Auto war ziemlich hin, glücklicherweise ist den Beiden bei dieser Aktion aber nichts passiert.

14.12. Mylord, Schrecksbach
Der Schrecksbach-Gig aus dem Jahr 2010 wird in Bandkreisen immer wieder gern in Erinnerung gerufen, war dieser Abend doch bis zum Rand gefüllt mit lustigen und skurrilen Anekdoten, die immer wieder gerne zum Besten gegeben werden. Offenbar sahen dies die Veranstalter genauso. Als Drummer Breaker die Herren im Sommer 2013 auf einem Europe-Konzert zufällig wieder traf, entschlossen sie sich spontan, Mad Zeppelin erneut in die Schwalm zu holen. Aber wie das so oft mit zweiten Teilen ist: das erste Mal bleibt unerreicht! Doch wo lagen die Ursachen? Zum Einen sicherlich am diesmal mit 170 Zuschauern eher enttäuschenden Publikumszuspruch, der vor allem darauf zurück geführt wurde, dass im Dörfchen parallel die Weihnachtsfeier des größten Ortsvereins stattfand. Zum Zweiten vielleicht ein wenig an der Vorband Supercobra, die nicht so wirklich zum Hauptact passen wollte. Obwohl: die drei Marburger machten mit ihrem High-Energy-Punkrock im Stile der Ramones eigentlich alles richtig und auch spielerisch wusste das Trio durchweg zu überzeugen. Zum Dritten spielten Mad Zeppelin selbst an diesem Abend ein wenig fahrig. Jeder der Musiker hatte an der ein oder anderen Stelle seine kleinen Patzer, bei „Houses Of The Holy“ fiel der Bass aus, bei „Nobodys Fault But Mine“ riss eine Gitarrensaite und die Monitoranlage machte während des gesamten Gigs, was sie wollte. Vielleicht lag es aber auch an überzogenen Erwartungen, dem Vorweihnachtstress oder dem Verdauungsschnäpschen vor dem Gig? Egal! Alles in allem war es natürlich kein schlechtes Konzert und auch der Funke zwischen Band und Publikum solle – allerdings erst spät – überspringen. Dies ist eigentlich immer ein Gradmesser dafür, wie hoch der Anteil an Fans ist, die mit dem Liedgut vertraut sind. An diesem Abend war es eben so, dass eigentlich erst nach über einer Stunde mit „Kashmir“ und den folgenden, bekannteren Songs der Knoten so richtig platzte. Ab da war die Stimmung aber doch ordentlich und so spielte man zum Jahresabschluss noch einmal das komplette Programm mit über zweieinhalb Stunden Länge. Wie der Gig, so verlief auch die Aftershowparty diesmal gedrosselter und somit unspektakulärer als beim ersten Besuch in Schrecksbach. Man lauschte noch ein paar Minütchen den lustigen Anekdoten des Wirtes Jörg, genoss dessen Bratwürstchen und wurde anschließend vom Besitzer des Ladens höchstpersönlich zur Schlafstatt gekarrt. Da wegen der angesprochenen Weihnachtsfeier schlichtweg kein Taxi aufzutreiben war, erbarmte sich der sicherlich auch mehr als müde Gastronom, und chauffierte die angeschickerte Meute noch in gleich zwei Pensionen. Andere hätten die Band zu Fuß durch die Schwalm geschickt. Also noch mal ein großes Dankeschön, Walter!

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