... on the road
Tagebuch Nr. 77

Sommer/Herbst 2013, Teil II

25.10 Rockarena Limburg

Alles in allem verlief das Jahr 2013 für Mad Zeppelin nahezu perfekt. Da war es zu verschmerzen, dass mit dem Konzert in Limburg auch ein Gurkengig zu verbuchen war. Schon im Vorfeld hatten einige Bekannte von diesem neuen Club abgeraten, da dort nie wirklich etwas los sei. Die große Zahl an etablierten Acts, die dort spielen und die Nähe zum heimatlichen Mainz bewogen die Band aber dennoch dazu, dem Laden eine Chance zu geben. Und an der Location ist wahrlich nichts auszusetzen. Der Saal, der gut 400 Personen Platz bietet, ist rundherum mit schicken Graffitis großer Rocklegenden geschmückt, die Bühne ist groß und die örtliche PA auch nicht zu beanstanden. Allein das eine Plakat, welches die Band bei der Anreise zu Gesicht bekam, trübte die Vorfreude doch ein wenig, hatte man doch gleich 100 Plakakte für die große „Überland-Plakatierung“ nach Limburg geschickt. Nach dem Soundcheck berichtete der örtliche Haustechniker davon, dass am Wochenende zuvor eine Pink Floyd-Coverband vor 14 zahlenden Zuschauern gespielt habe und an diesem Abend in drei Kilometer Entfernung die AC/DC-Coverband AB/CD kostenlos in einem Festzelt auftrete. Zu allem Übel gastierte dann auch noch Randy Hansen im nur 25km entfernten Idstein. Wer bucht denn einen Gig auf einen solchen Termin? Der Band schwante Böses und als um 22:00 Uhr das Konzert begann, befanden sich gerade einmal 40 Personen im riesigen Saal. Also machte man gute Miene zum bösen Spiel und zockte zunächst einmal alle Songs, die am darauffolgenden Abend zusammen mit Ten Years After gespielt werden sollten. Danach beratschlagte man, wie es denn nun weiter gehen solle. Die Stimmung sowohl im Saal als auch bei den Musikern befand sich irgendwo weit weg vom Siedepunkt aber natürlich hatten die Anwesenden eine vollwertige Show verdient und so zockten Mad Zeppelin noch eine weitere Stunde gegen die leere Arena. Auch eine neue Nummer schlich sich im Verlauf des Abends noch ein. „Nobodys Fault But Mine“ kehrte endlich wieder in die Setlist zurück. Mit „Whole Lotta Love“ als Zugabe beendete man den Abend, packte schleunigst die Sachen und düste nach Hause, um vor dem großen Gig des nächsten Tages noch eine Mütze Schlaf zu bekommen. Abhaken, vergessen!

26.10. Festhalle Durlach, Karlsruhe
Vor allem Sänger Moppel fieberte diesem Gig wie noch keinem anderen in seiner Zeit mit Mad Zeppelin entgegen. Ist er doch seit Kindheitstagen ein glühender Verehrer der Woodstock-Legende Ten Years After und durfte nun endlich mit seinen Idolen die Bühne teilen. Aber auch der Rest der Band war begeistert und hatte gehörigen Respekt vor den großen Helden. Als man pünktlich um 16 Uhr in Durlach eintraf, stand die Backline des Headliners bereits, aber mit der Anlage gab es Probleme (die auch im Verlauf des Abends nicht gänzlich behoben werden konnten). Also hieß es zunächst einmal warten. Dies taten auch die Herren von Ten Years After. Basser Leo Lyons trank in aller Ruhe einen Tee, „Neugitarrist“ Joe Gooch zauberte in einem Wahnsinnstempo und bei Zimmerlautstärke die kniffeligsten Skalen auf sein Griffbrett und der Rest der Band verblieb irgendwo im Backstage. Überhaupt erwiesen sich die Herren als äußerst distanziert aber auch respektvoll und professionell. Da man merkte, dass aufgrund der Anlagenprobleme der Soundcheck der Vorbands ins Wasser zu fallen drohte, bemühten sich TYA sichtlich, ihren Soundcheck so knapp wie möglich zu halten, nachdem es den Technikern endlich gelungen war, die Anlage zumindest teilweise in Gang zu setzen. Zu mehr als einem freundlichen „Hello“ und „Goodbve“ kam es aber leider nicht. Ganz anders die zweite Vorband, die auch nicht gerade aus den unbekanntesten Muckern bestand. Norman Beaker und Larry Garner waren die Nettigkeit in Person. Larry kam auf ein Bierchen sogar in den Backstage von Mad Zeppelin und präsentierte dort Stolz auf dem Handy seine gemeinsamen Fotos mit Robert Plant. Nach dem Gig tauchte Larry auch am Merchandise-Stand auf und nahm für seine Radio-Show in den USA eine Mad Zeppelin-CD mit. Toll, dass es solche Musiker ohne jegliche Starallüren gibt. Auch der Rest der britischen Norman Beaker Band erwies sich als äußerst umgänglich und teilte mit Mad Zeppelin die gemeinsame Backline. Nachdem die Briten eine Stunde lang ihren Blues in die Menge gespielt hatten, kam der große Moment für Mad Zeppelin. Für dieses Event hatte man sich folgende Taktik zurechtgelegt. Da man sich musikalisch nicht mit den anderen Acts des Abends messen konnte suchte man seine Zuflucht in den Kategorien Rock und Performance. Statt eine betont blueslastige Setlist aufzufahren, powerte man mit Songs wie „Rock`n`Roll“ oder „Nobodys Fault But Mine“ direkt ordentlich los und poste, was das Zeug hielt. Lediglich „Since I´ve Been Loving You“ fand als Blues Einzug in die einstündige Setlist. Und die Rechnung ging auf: Mad Zeppelin siegten auf breiter Front. Die etwa 500 Zuschauer umjubelten die Band, als ob hier schon der Headliner spielen würde. Anscheinend hatte man an diesem Abend alles richtig gemacht. Da ließ sich auch der Schaden an Ralphs Lieblings-Les Paul verschmerzen, die beim Soundcheck leider zu Brüchen gegangen war. Danach hieß es: Feiern bis der Arzt kommt! Gemeinsam mit vielen mitgereisten Freunden sah man sich zunächst den Gig von Ten Years After aus der ersten Reihe an, genoss im Anschluss am Merchandise-Stand noch das eine oder andere Bier mit Fans und Veranstalter Mario und begab sich dann zu bereits fortgeschrittenen Stunde mit zwei Großraum-Taxis zur Aftershow-Party. Diese hatten Kadda und Mareike, die treuesten Fans der Band, organisiert und eigens dazu zwei „nahe gelegene“ Schwedenhäuser angemietet. Bei Frikadellen und Bier wurde das Konzert-Highlight des Jahres noch bis in die frühen Morgenstunden standesgemäß gefeiert.

09.11. Stattbahnhof, Schweinfurt
Die Auftritte in Schweinfurt haben Tradition und das aus gutem Grund. Wie in kaum einer anderen Location merkt man dem Publikum an, dass es zum Großteil aus Musikliebhabern und nicht aus Eventvolk zusammen gesetzt ist. Statt höflichem Applaus und einmaligem extatischen Ausrasten bei „Stairway to Heaven“ werden hier ganze Textpassagen vielstimmig rezitiert, selbst unbekanntere Songs nach den ersten Tönen bejubelt und sogar Gitarrenriffs mitgesungen (zugegeben nur bei „Black Night“). Kein Wunder, dass auch diesmal wieder eine grandiose Stimmung herrschte, obwohl „nur“ 250 Zuschauer - und damit nicht ganz so viele wie beim Vorjahresrekord - die schöne alte Bahnhofshalle bevölkerten.
Nachdem die Band im letzten Jahr für die „unorthodoxe“ Setlist gerade in Schweinfurt seltsamerweise massive Kritik einstecken musste, präsentierte man an diesem Abend etliche „neue“ Songs, die schon lange nicht mehr im Programm waren, z.B. „The Ocean“, „Houses Of The Holy“, „Nobodys Fault But Mine“ oder „Living Loving Maid“. Die meisten der „Neuen“ klappten trotzt der langen Spielpause hervorragend und die Band erwies sich allgemein in hervorragender Verfassung. Ein Novum hatte auch Gitarrist Ralph zu bieten. Inspiriert von Joe Bonamassa hat sich der Gitarrero nun ein eigenes Effektboard für das Theremin zusammen gestellt. Ganz schön viel Aufwand für die drei Minuten, die der „Pfiepser“ jedesmal zum Einsatz kommt.Die Band knüpfte also nahtlos an den tollen Gig mit Ten Years After an. Nur gegen Ende des fast zweidreiviertelstündigen Konzerts ließ die Kondition bzw. Konzentration ein wenig nach und einige holprige Töne schlichen sich ein. Da waren Band und Zuschauer aber bereits im Zustand kollektiver Glückseeligkeit. Im Anschluss gab es dann beim ein oder anderen Bierchen noch stundenlange Unterhaltungen mit den Fans. Auch das ist in Schweinfurt guter Brauch. In anderen Läden ist der Saal zehn Minuten nach Konzertende wie leergefegt aber in Unterfranken zeigt man sich redseelig und interessiert. So machen Konzerte einfach richtig viel Spaß!

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