... on the road
Tagebuch Nr. 76

Sommer/Herbst 2013, Teil I

17.8. Bembelrock, Mainhausen
Schon vor fünf Jahren durften Mad Zeppelin beim Bembelrock, der alljährlichen Party des Motorradclubs „The Fans MC“ spielen und der Gig war allen in der Band noch in bester Erinnerung. In diesem Jahr waren zwar ähnlich viele Besucher auf dem weitläufigem Gelände, allerdings fehlte diesmal die Meute stark alkoholisierter Jugendlicher vor der Bühne. Die verschärften Auflagen nach dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg machten sich also auch hier bemerkbar. Nachdem eine Ärzte- und Tote Hosen-Coverband das zunächst noch spärlich vorhandene Publikum aufgeheizt hatte, durfte mit Vanilla Junction eine erstklassige Bluesrock-Combo das Publikum begeistern. Die Jungs, alle gerade mal Anfang zwanzig, groovten wie die Hölle, boten grandiose Gitarren- und Saxophonsoli und zwei Leadsänger. Wer auf abwechslungsreichen Blues steht, sollte sich die Band unbedingt mal anschauen. Die anschließende Umbaupause wurde dann durch die Performance einer leicht bekleideten Schlangentänzerin veredelt und erstmals geriet das Publikum so richtig in Extase – tja, so sind sie halt, die Biker. Wäre die Dame sich so hinschlängelte, hievten an die zehn Mann mit Muskelkraft das komplette Drumkit von Mad Zeppelin inklusive Podest auf die Bühne. Eine abenteuerlich Aktion, die beinahe daran scheiterte, dass die Beckenständer nicht durch die Öffnung des Backstagezeltes passten. Irgendwie klappte es dann doch unfallfrei und nach einem kurzen Linecheck und ohne Soundcheck startete die Band dann zur fortgeschritttenen Stunde gegen 23:30 mit einem leicht modifizierten Anfang von „Rock’n’Roll“ in ihr Set. Direkt im Anschluss folgte mit „Ramble On“ die erste Überraschung. Diesen Song hatte die Band schon lange nicht mehr gespielt und auf ausdrücklichen Wunsch von Organisator Paul an diesem Abend ins Programm aufgenommen. Danach ging es mit „Trampled Underfoot“, „Misty Mountain Hop“, „Black Dog“ und „Heartbreaker“ gleich rockig weiter. „Heartbreaker“ wurde dabei erstmals um ein neues Intro, bestehend aus dem Grundriff von Jeff Becks „Rice Pudding“ ergänzt. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Gig grundsolide obwohl an der ein oder anderen Stelle schon ein paar kleinere Abstimmungsprobleme auftauchten. Mit zunehmender Spielzeit häuften sich ob der späten Uhrzeit aber vor allem aufgrund der langen Spielpause der Band diese kleineren Unsauberkeiten jedoch ein wenig. Alles keine großen Schnitzer, aber man merkte den Jungs an, dass es nicht ganz einhundertprozentig rund lief. Dabei hatte man sich noch mehr Neues für den Abend ausgedacht. Nachdem ein besoffener Biker Drummer Breaker während des Schlagzeugsolo in einen kleinen Plausch bezüglich des anstehenden Geburtstags eines Kumpels verstrickt hatte, folgte mit einem überarbeiteten „How Many More Times“ die Überaschung des Abends. Der bisher ein wenig eintönig arrangierte Mittelteil wurde diesmal durch ein Medley aus „Roadhouse Blues“ von den Doors und „Black Night“ von Deep Purple effektiv aufgepeppt, brachte die Nummer allerdings gefühlt auf mindestens 20 Minuten Spielzeit. Weit nach Mitternacht und in Anbetracht des Alkoholpegels vieler Anwesender eine harte Nuss. Danach durfte aber noch einmal bei den Konzerthighlights „Stairway to Heaven“ (das kannte nun wirklich jeder) und „Whole Lotta Love“ abgerockt werden. Letztere Song musste diesmal allerdings auf das Theremin-Solo verzichten, da man die Appartur (ebenso wie den Merchandise-Ständer) im Proberaum vergessen hatte. Eigentlich sollten nun noch „Dyer Maker“ und „Babe I`m Gonna Leave You“ folgen, aber Band und Publikum waren nach 1:30 Uhr nachts völlig erschöpft und so beschloss man, - im beiderseitigen Einvernehmen - dass Set vorzeitig zu beenden. Auch so war die Show deutlich über zwei Stunden lang und alle Bandmitglieder freuten sich schließlich noch auf die zahlreichen Runden Bier, die es im Backstagzelt mit Freunden und den wirklich netten Jungs und Mädels vom Fans MC zu leeren galt. Im Morgengrauen legten sich dann die letzten Musiker auf Luftmatratzen und Feldbetten zum verdienten Nickerchen hin. Das Bembelrock ist wirklich eine Reise wert und ein völlig relaxtes, rundum sympathisches Bikerfestival. Schaut mal vorbei.

18.10. Ruderclub, Wiesbaden
Fast schon eine gute Tradition im Terminplan von Mad Zeppelin sind die Geburtstagsgigs für Fans, die sich die Band schon immer einmal nach Hause holen wollen und die sich damit oftmals einen Lebenstraum erfüllen. War es 2012 Arno aus Euskirchen, der Mad Zeppelin gleich zusammen mit seinen Gästen in einer 1000er-Halle buchte, so lud heuer Lokomotivführer Frank aus Wiesbaden in die gediegenen Gemächer des örtlichen Ruderclubs ein. Vor vierzig handverlesenen Gästen, darunter etliche Musikern, feierte Franky seinen 50. Geburtstag und ließ es nach allen Regeln der Kunst krachen. Krach befürchteten auch Mad Zeppelin, als sie zum Soundcheck im getäfelten Foyer des Clubs aufschlugen. Direkt gegenüber der nicht vorhandenen Bühne befand sich die Bar und auf den ersten Blick war bereits klar, hier wird es heute Abend so laut, dass der Stuck von der Decke rieselt. Offenbar sind aber die Bedienungen des Edelrestaurant so Einiges gewöhnt. Der erwartete Anschiss blieb jedenfalls aus. Mad Zeppelin gaben aber auch ihr Bestes, die Lautstärke in einem halbwegs akzeptablen Rahmen zu belassen. Den musikalischen Teil des Abends eröffneten der Gastgeber nach einem exquisiten Mahl höchstpersönlich mit einer Comedy-Darbietung an Gesang und Gitarre. Danach waren dann Mad Zep an der Reihe. Franky hatte sich eigens für dieses Fest eine 70minütige Special-Setlist von Mad Zeppelin gewünscht und so wurden ein paar eher selten gespielte Stücke zu Gehör gebracht. Als öffentliche Probe versteckte die Band dann noch „Living Loving Maid“ im Programm, da diese Nummer auf den kommenden Gigs neu in die Setlist rutschen sollte. Wider Erwarten zeigte sich das Geburtstagspublikum sehr interessiert an den Darbietungen der Mainzer, trotzte dem Lärm und harrte bis zum letzten Ton des Programms aus. Doch nach diesem Gig sollte noch längst nicht Schluss sein. Da zahlreiche Musiker anwesend waren, begann nun die große Jam-Session, in deren Verlauf unter anderem einige Doors-Songs vom Gitarristen der Wiesbadener Doors-Coverband The Changelling in Begleitung von Mad Zeppelin und diversen Gastmuckern gezockt wurden. Ebenso interessant war sicherlich die „Kashmir“-Version, bei der Bassist Christian durch den Jazzgitarristen Didier ersetzt wurde. Dieser erwies sich durchaus als veritabler Bassmann und brachte die Saiten zum Glühen. Längst war es weit nach Mitternacht und nun feierte auch Drummer Breaker seinen Geburtstag. Dieser Teil der Party endete dann erst in den frühen Morgenstunden im Keller des Fellgerbers. Mit dabei ein Lokomotivführer-Kumpel von Franky, der tatsächlich bereits vor etlichen Jahren Mad Zeppelin im thüringischen Arnstadt gesehen hat. Die Welt ist so klein!

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