... on the road
Tagebuch Nr. 75

Frühjahr 2013 Teil II

30.04.13 Bürgerhaus, Bischofsheim
Das Bürgerhaus Bischofsheim lud gleich mit zwei großen Klassikern des britischen Hardrocks zum „Tanz in den Mai“. Deep Purple und Led Zeppelin sorgten dafür, dass, 300 Besucher in den doch deutlich zu großen Saal strömten. Dennoch war dies sicherlich eine gute Resonanz, bedenkt man, dass Dortmund zeitgleich im Champions-League-Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid spielte und zum Tanz in den Mai überall der Bär steppte. Zu verdanken war der Publikumsandrang nicht zuletzt Purple Rising, die sich zunehmend zur No.1-Deep Purple-Coverband in Deutschland mausern. Die Frankfurter Jungs überzeugten durch Spielfreude und ungewöhnliche Arrangements. Außergewöhnlich war auch die Setlist der Band, die zum Beispiel Teile des „Concertos for Group and Orchestra“ des jüngst verstorbenen John Lord oder auch „Temple of the King“ von Rainbow beinhaltete. Egal was die Jungs anpackten, es rockte. So war das Publikum bereits auf Betriebstemperatur, als Mad Zeppelin mit Rock’n’Roll und „Trambled Underfoot“ in ihr knapp zweitstündiges Set einstiegen. Nach dem darauf folgenden „Black Dog“ musste Moppel erst einmal den Endstand vom Dortmundspiel erfragen und war überrascht, dass es 2:0 stand, schließlich hatte die Band bei 0:0 die Bühne geentert. Da an diesem Abend beide Bands gleichberechtigte Sets spielen sollten, mussten Mad Zeppelin einige Songs aus ihrem regulären Programm streichen und powerten gleich mit „Heartbreaker“ weiter, ehe man dem Publikum mit „Since I’ve Been Loving You“ und „No Quarter“ eine Verschnaufpause gönnte. Skurril war, dass Thomas diesmal beim Keyboardsolo das Publikum zum Mitklastschen brachte was allerdings bei den häufigen Tempiwechseln zu einigen Misstönen führte. Die Anwesenden war auf jeden Fall bester Stimmung und dies sollte sich auch beim anschließenden „Moby Dick“ zeigen. Danach kamen die langen Stücke wie „Kashmir“ und „How Many More Times“. Gerade Letzteres verlangte dann dem bereits seit über drei Stunden dauerbeschalltem und alkoholisiertem Publikum einiges ab. Deshalb entschloss sich die Band spontan, die Setlist zu ändern und die harten „Immigrant Song“ und „Whole Lotta Love“ vorzuziehen. Eine weise Entscheidung, denn die Stimmung war somit zum regulären Konzertabschluss auf dem Siedepunkt. Damit erlebte das Publikum vermutlich auch eine Premiere, denn normalerweise spielen Mad Zeppelin „Stairway to Heaven“ nie zum Konzertabschluss. Nach guten zwei Stunden wurde das Publikum zufrieden entlassen. Aus Sicht der Musiker war dieser Gig zwar keine Sternstunde, aber ein durchaus gelungener Gig. Die großen Dimensionen der Bühne und die dadurch entstehende „Drucklosigkeit“ des Bühnensounds wurden als Ursache dafür ausgemacht, dass der Funke zwischen den Musikern nicht immer sofort überspringen wollte und dadurch lieber die „Nummer sicher-Variante“ gezogen wurde. Aber wie dem auch sei, der Mai wurde gebührend begrüßt.

04.05. Outbaix, Übach-Palenberg
Die Anfahrt ins nahe an der holländischen Grenze gelegene Übach-Palenberg erwies sich als nicht ganz so einfach, wie zunächst erwartet. Am Auto des Bassisten brach eine Feder des Stoßdämpfers, so dass Christian nur mit maximal 100km/h über die Autobahn zuckeln konnte. Dann war auch noch die Autobahnabfahrt gesperrt und weit und breit keine brauchbare Umleitung ausgeschildert. Trotzdem kam man sehr zeitig am schönen Outbaix an und konnte so vor dem Aufbau zunächst einmal ein frisches Bier auf der Terrasse des Ladens zu sich nehmen. Der letzte Gig der Indoor-Saison war dann leider mit 100 Zuschauern nicht ganz so gut besucht, wie erwartet. Das lange Feiertagswochenende mit strahlendem Sonnenschein lud dazu ein, den Grill zu entstauben und das strikte Rauchverbot, welches just an diesem Wochenende in NRW in Kraft getreten war, sorgte dafür, dass pünktlich zum Intro noch ziemlich große Lücken im kleinen, aber feinen Club waren. Diese schlossen sich dann aber zusehends. Diesmal waren wieder alle Songs des langen Programms an Bord. Der Einstieg klappte prima und das Publikum applaudierte höflich aber wenig enthusiastisch. So sollte es eigentlich den ganzen Abend bleiben. Seitens der Band schlichen sich einige kleinere Fehler ein. So sagte Moppel „Moby Dick“ zu früh an (was dazu führte, dass „Heartbreaker“ in die Zugaben rutschte) und der ruhige Zwischenpart in „Misty Mountain Hop“ wurde mal so richtig verzockt. „How Many More Times“ wurde diesmal – etwas ungelenk – durch „Jesus Christ Superstar“ ausgebaut. Insgesamt rockte aber vor allem der zweite Teil des Sets ordentlich, so dass auch die Stimmung nach und nach besser wurde. Am Ende forderte das Publikum doch lauthals Zugaben, die es in Form von „Heartbreaker“ und „Babe I’m Gonna Leave You“ auch erhielt.
Danach gab es in der lauen Sommernacht noch einige schöne und anregende Gespräche mit Fans ehe sich die Band in den äußerst großzügig dimensionierten Backstageraum zurückzog, um eine ausgiebige Runde Rock Science zu spielen (ein Trivial Pursuit-Variante mit Fragen rund um Rock und Heavy Metal). Die Roadies zogen ob ihres Alters ein ums andere Mal den Kürzeren und mussten ihren Frust mit reichlich Alkohol herunter spülen. Ein Teil der Band stand dem nur wenig nach und so wurde es ein recht feuchtfröhlicher Abend und eine kurze Nacht.
Fazit: Schöner Club aber im Rheinland will es noch nicht so richtig zünden mit Mad Zeppelin.

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