... on the road
Tagebuch Nr. 73

Winter 2012

Between KUZ and Michelstadt
In den Wochen nach dem KUZ-Auftritt ist so einiges passiert. Die Bandmerchandiser Daniel und Flo zogen es vor, aus familiären Gründen die Band (vorerst?) zu verlassen. Auf die Schnelle konnte kein Ersatz gefunden werden und nur dem alten Bandfreund und ersten Merchandiser Thomas war es zu verdanken, dass auch in Michelstadt die „Band-Haute-Couture“ zu erstehen war. Sehr viel Arbeit steckten alle Bandmitglieder in die Produktion der anstehenden DVD – sei es in Soundfragen oder beim Schnitt und den Coverentwürfen. Die Proben blieben dabei ein wenig auf der Strecke, was sich im Laufe des folgenden Doppelgig-Wochenendes als nicht unbedingt vorteilhaft erweisen sollte. Als Anschauungsmaterial für die eigene DVD bot es sich natürlich auch an, im Kino den gerade angelaufenen Led Zeppelin-Film „Celebration Day“ zu begutachten. Mann O Mann, die alten Herren können es wirklich noch um bekommen von Jason Bonham auch gehörig den Popo versohlt. Respekt!

2. September, Michelstadt, Hüttenwerk
Kein umwerfendes, aber ein umfallendes Publikum!? Das zweite Gastspiel von Mad Zeppelin im tiefsten Odenwald bot wenig Erwähnenswertes. Insgesamt knapp 90 Zuschauer fanden den Weg ins schöne Hüttenwerk um zielsicher hinter den Biertischen Schutz zu suchen und diese Deckung erst nach den Zugaben wieder zu verlassen. Nur einige ganz hartgesottene Fans hatten es sich auf Barhockern in der Nähe der Bühne bequem gemacht. Einem dieser Herren gelang es dann tatsächlich, gleich zweimal während des Gigs wie ein gefällter Baum rücklings von seinem Schemel zu fallen! Glücklicherweise ohne bleibende Verletzungen. Grund zur Salto Mortale bot das Konzert von Mad Zeppelin hingegen wenig. Die Band erwies sich als eingespielt und zockte das um „Four Sticks“ und „Immigrant Song“ erweiterte KUZ-Programm ohne größere Fehler runter. Nur die ganz große Stimmung wollte leider ob der spärlichen Zuschauerzahl nicht aufkommen. Dafür stieg der Alkoholpegel der Musiker während und nach dem Gig in nahezu ungeahnte Höhen – die Ursache hierfür war ein Getränkeautomat im Backstage-Bereich, der (so schien es zunächst) ein unerschöpflicher Quell kühlen Gerstensaftes war. Vor den Zugaben stellte sich diese Annahme aber bereits als Irrtum heraus, da plötzlich alle Fächer rot leuchteten. Nachdem das Personal diesen untragbaren Zustand durch Nachfüllen behoben hatte, war der Ansporn groß, das Gerät ein zweites Mal zu leeren. Auch wenn dies nicht gelang, war der Abend ein ganz schönes Gelage und die Betten des hübschen Hotel „Grüner Baum“ wurden nur für ein paar wenige Stunden Schlaf in Anspruch genommen. Da half selbst ein ausführliches Frühstück mit viel Kaffee nicht, um bei allen Beteiligten die Lebensgeister wieder zu wecken.

3. September, Stattbahnhof Schweinfurt
Nach dem Frühstück schloss sich das kulturelle Zwischenspiel des Bandwochenendes an. Wie Moppel später am Abend in Schweinfurt während einer Ansage berichtete, machte man sich „Over the Hills and far Away“ auf den Weg ins beschauliche Städtchen Tauberbischofsheim. Gitarrist Ralph versprach den Anderen ein architektonisches, soziokulturelles und kulinarisches Highlight der besonderen Art und wollte damit nahtlos an die letzten Kulturtripps der Band nach Bamberg und Regensburg anknüpfen. Leider erwies sich die angesteuerte Location als völlige Enttäuschung. Ein paar windschiefe Fachwerkhäuschen in einer leergefegten Fußgängerzone waren alles, was der Ort zu bieten hatte. Auch das Steakhaus, dass der Band zumindest vorübergehend als Zufluchtsstätte vor dem Dauerregen Obdach bot, sollte nicht alle an es geknüpften Erwartungen erfüllen. Ein kurzer Anruf bei Ralphs Eltern brachte Licht ins Dunkel unseres Reiseführers. Nicht Tauberbischofsheim, sondern Rothenburg ob der Tauber wäre das gewünschte Ziel gewesen. So war es kein Wunder, dass die allgegenwärtige Katerstimmung nicht verfliegen wollte. Irgendwie hatten alle einen Hangover wie Led Zeppelin in ihren besten Tagen. Zudem traten beim ein oder anderen noch konditionelle Schwächen auf (man ist halt auch keine Dreißig mehr), die nicht zuletzt daran gelegen haben mögen, dass man nicht wirklich intensiv geprobt hatte. Ein Schläfchen in der Stunde vor dem Auftritt sollte die müden Musiker wieder munter machen, bewirkte aber offensichtlich das Gegenteil, da nun der Kreislauf völlig im Keller war. Und dann betrat die Band den Stattbahnhof und der war rappelvoll! Puh, sollte das gut gehen? Das erste Fiasko geschah dann auch gleich beim eröffnenden „Wanton Song“, als Gitarrist Ralph bereits in der zweiten Strophe eine Saite riss. Und das ohne Roadies! Der Gitarrenwechsel sorgte deshalb leider für eine längere unschöne Soundlücke. Die Sicherheit der Band wurde dadurch wahrlich nicht erhöht. Die nächsten Songs wurden alle recht hakelig gespielt und vor allem Drummer Breaker plagten zunächst Krämpfe in der linken Hand. Dies führte dazu, dass das Programm spontan umgestellt werden musste. Statt „Moby Dick“ durfte Thomas sein Keyboardsolo in „No Quarter“ zelebrieren und die anschließenden „Going to California“ und „Braun-Yr-Aur-Stomp“ gaben dem Schlagzeuger die nötigen Ruhepausen, um dann doch noch als Abschluss der ersten Sets sein Schlagzeugsolo zum Besten zu geben. Alles in allem erwiesen sich die ersten 60 Minuten des Auftritts sicherlich nicht als Sternsstunde in der Geschichte von Mad Zeppelin und die im Gästebuch geäußerte Kritik ist sicherlich in Ansätzen berechtigt. Ganz so harsch, wie mancher das Gebotene beurteilte, war es aber bestimmt auch nicht und die zweite Hälfte sollte für vieles Entschädigen.
Endlich war die Band auf Betriebstemperatur und der Knoten war geplatzt. Es folgte mit „Kashmir“, „Stairway to Heaven“ und „Dazed and Confused“ ein Highlight nach dem Anderen. Die Routine gepaart mit den enthusiastischen Publikumsreaktionen sorgte nun für die anfangs vermisste Sicherheit. Überhaupt das Publikum: 300 Zuschauer sorgten für eine imposante Kulisse. Offenbar hatte die tolle Performance der Band im Vorjahr zusammen mit einer intensivierten Werbung des Veranstalters das Interesse der Unterfranken geweckt. Von Minute zu Minute stieg die Stimmung nun im Saal und selbst unbekanntere Songs wie „Four Sticks“ wurden mit weit mehr als höflichem Applaus bedacht. Vor allem dieser Song stellte Drummer Breaker noch einmal auf eine gehörige Probe, hatte er sich doch am Vorabend bei dieser Nummer eine formidable Blase erspielt. Da half nur ein improvisierter Gaffa-Verband und auf die Zähne beißen. Danach kam mit dem „Immigrant Song“ noch ein unerwartetes Publikumshighlight zum Zug ehe die Show mit „Whole Lotta Love“ auf die Zielgerade einbog. Das Publikum war ob der Darbietung in der zweiten Hälfte begeistert und Sänger Moppel erwähnte nicht zu Unrecht: „Diese Zugaben habt ihr Euch wirklich verdient. Ihr wart ein phantastisches Publikum!“ Was nun folgte waren „Dyer Maker“ und „Babe I’m Gonna Leave You“ und daraufhin weitere Zugaberufe aus zahlreichen Kehlen. Einige Fans forderten vehement noch „Good Times, Bad Times“ aber außer Moppel waren sich dann doch alle einig, es so wie geplant zu belassen. Gitarrist Ralph brachte den Abend im Anschluss auf den Punkt, indem er bilanzierte: „Dies war ein schmutziger Sieg!“ Nach ein paar netten Gesprächen mit vielen alten Bekannten zog die Band diesmal die Lehren aus dem Vorabend und ging rechtzeitig ins Bett. Nachdem es dann zum Frühstück noch O-Saft im XXL-Format gab, kehrten auch die verlustig gegangenen Lebensgeister nach und nach wieder zurück. Fazit des Wochenendes: „Die musikalische Leistung von Michelstadt mit dem Publikum von Schweinfurt und den kulturellen Vorzügen von Rothenburg ob der Tauber wären wohl nahezu das Optimum des Erreichbaren. So war‘s aber auch ganz schön.

08.12. Scheuer, Idstein
Der Winter brach ein und brachte ordentlich Glatteis auf die Rampe, die zum bandeigenen Proberaum führt. Unter diesen Bedingungen konnten die Instrumente nur schwerlich in die Autos transportiert werden und es ist Bandmischer Manfred zu verdanken, dass keiner der Musiker sich beim Einladen ein Bein gebrochen hat. Mit einer ordentlichen Schippe Salz wurde die Schräge so fachgerecht enteist, dass auch das nächtliche Ausladen bei Minus 15 Grad Celcius reibungslos ablaufen konnte. In Sachen „Rundumbetreuung“ hatten Mad Zeppelin an diesem Abend das volle Brett aufgeboten, denn neben erwähntem Manfred und „Altroadie“ Mighty Manfred bot die Band gleich zwei neue Stagehands auf, die in die Fußstapfen der ausgeschiedenen Daniel und Floh treten sollten. Um das Fazit vorweg zu nehmen: die beiden machten sich hervorragend und gaben alles, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Welcome on Board, Dudes! So entlastet konnte sich Mighty Manfred dann ausschließlich um den Merchandise-Stand kümmern und an diesem Abend einen Rekordumsatz erzielen. Die Leute kauften alles, was nicht „niet- und nagelfest war“. Vielleicht lag diese Kaufmanie aber auch am neuen Merchandise-Stand, den Gitarrist klammheimlich zusammen gezimmert hatte? Der alte Ständer wurde nämlich aufgrund des allzu penetranten „Schimmelgeruchs“ in Schweinfurt in den wohlverdienten Ruhestand geschickt. Vielen Dank auch Hü für die Entsorgung!
War in Bezug auf die Rahmenbedingungen an diesem Abend also alles perfekt gerüstet, galt dies leider nicht im gleichen Maße für die Musiker. Keyboarder Thomas musste einen heftigen Autounfall verdauen und Gitarrist Ralph hatte sich in der Woche vor dem Gig ein schmerzhaftes Ödem im Fuß zugezogen. Für einige Tage stand sogar eine Absage des Konzerts im Raum. Als alter Poser kniff Ralph aber die Popobacken zusammen und verzichtete während des Gigs sogar auf die angedachte Stehhilfe. That’s Rock’n’Roll! Knapp 200 Zuschauer sorgten an diesem eisigen Winterabend für gewohnt gute Scheuer-Stimmung. Leider wurde gerade der Anfang mit dem „Wanton Song“ ziemlich versemmelt aber danach groovte sich die Band immer besser in das Programm, das identisch mit den Gigs der Vorwochen war. Zu den Highlights des  Auftritts  zählten „Four Sticks“, das immer besser wird, und der schon länger in Idstein nicht mehr gespielte „Immigrant Song“. Aufgrund des strikten Curfews musste um Punkt 22:30 Schluss sein, so dass das ursprünglich eingeplante „Dyer Maker“ gestrichen wurde und alleine „Babe I‘m Gonna Leave You“ den  Schlusspunkt eines umjubelter Gigs setzte, der die Band grundsolide zeigte. Das Fazit des Abends lautete wahlweise „rundum gelungener Jahresabschluss“ oder „Cold as Ice“, (wurde in der anschließenden Rockdisko gespielt und passte zu den eingefrorenen Türschlössern an Christians Auto).

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