... on the road
Tagebuch Nr. 72

Herbst 2012, Teil II

14.09.12, Siegburg,  Kubana
Zum fünften Mal gastierten Mad Zeppelin nun schon im Kubana, das leider aufgrund eines Stadtfestes im nahe gelegenen Hennef mit nur 110 Zuschauern etwas enttäuschend besucht war. Die Stimmung erwies sich deshalb nicht durchweg als so ausgelassen, wie in den vorangegangenen Jahren. Der Performance der Band tat dies indes keinen Abbruch. Diesmal stimmte der Sound auf der Bühne allerdings auch endlich wieder. Im Programm erwies sich das Schlagezugsolo als ein erstes frühes Publikumshighlight, dem direkt „Stairway to Heaven“ folgte. Normalerweise steht die Nummer erst am Ende des ersten Sets, aber da Gitarrist Ralph beim Stimmen eine Saite der Akustikgitarre gerissen war, musste „Stairway“ vorgezogen werden. Stattdessen beendete man die erste Hälfte des Abends mit „Bron Yr Aur Stomp“, bei dem nicht nur Keyboarder Thomas mit leicht arhythmischem Klatschen auffiel. In der zweiten Hälfte kam es mit „Four Sticks“ zu einer Premiere, da der Song erstmals im Programm von Mad Zeppelin gespielt wurde. Dafür, dass man den Song zum allerersten Mal beim Soundcheck gemeinsam gespielt hatte, klappte die Nummer bereits ganz hervorragend und reihte sich nahtlos in eine durchweg gelungene zweite Hälfte ein. Nach weit über zwei Stunden wurde das Set dann mit dem unvermeidlichen „Whole Lotta Love“ beendet. Da das Publikum ausgelassen nach einer Zugabe verlangte, wurden dann noch „Dyer Maker“ und das schon länger nicht mehr gespielte „Babe I‘m Gonna Leave You“ nachgeschenkt. Danach war endgültig Schicht und die Jungs verbrachten die nächsten Stunden bei ein paar Bierchen mit netten Gesprächen mit den Fans. Fazit: Eine ordentliche Generalprobe für das KUZ und eine Versöhnung nach dem letztwöchigen Katastrophengig.

29.09.12, Mainz, KUZ
Triumphzug oder Enttäuschung? Der insgesamt achte Auftritt von Mad Zeppelin im KUZ war irgendwie Beides: Leider stellten die 300 Zuschauern einen Minusrekord in der History der eigentlich erfolgsverwöhnten Konzertreihe „Tribute to Rock“ dar. Woran lag’s? An der Werbung sicherlich nicht! 16000 Handzettel wurden in den Wochen vor dem Gig durch die Band in Umlauf gebracht und in der örtlichen Presse pries man die Veranstaltung durchweg als Tagestipp an. Dennoch gibt es gleich mehrere Gründe, die als Erklärung für die leider ein wenig enttäuschende Zuschauerzahl angeführt werden könnten: Der Termin im September hatte sich bereits beim „Tribute To Rock 3“ als schlechte Wahl erwiesen. Draußen war noch schönstes Spätsommerwetter und zudem sowohl Semester- als auch Schulferien. Dies machte sich vor allem im Altersdurchschnitt des Publikums bemerkbar. Kaum jemand war unter 30 und die für diese Zielgruppe gebuchten „Green Play“ mussten pünktlich um 8 Uhr vor noch ziemlich leeren Haus ran. Auch viele Altrocker hatten offenbar den parallel spielenden „Eloy“ und dem Abschiedskonzert der „Crackers“ in Wiesbaden den Vorzug gegeben. Dennoch füllte sich bei „Ozzmosis“ der Saal zusehends und das zu Recht! Die Magdeburger Rocker um Ozzy-Doppelgänger Olaf Meische begeisterten von den ersten Takten des Openers „I Dont Know“. Musikalisch war alles im tiefgrünen Bereich aber die Show des Ausnahmesängers machte den Gig zu etwas ganz Besonderem. Jede Geste und Mimik des eigentlich unnachahmlichen Originals kopierte „Meische“ bis ins kleinste Detail. Und selbstredend wurde auch nichts ausgelassen: Die gewohnt grenzdebilen Ansagen, dass Bewerfen des Publikums mit Wassereimern (die aber mit Popcorn gefüllt waren) oder das völlig unrhythmisch Klatschen: wenn man es nicht besser gewusst hätte, hätte man gedacht, da steht der Madman wie er leibt und lebt. In der langen Geschichte des „Tribute to Rock“ haben sich „Ozzmosis“ sicherlich einen Platz unter den Top 3 der Vorbands verdient. Auch die Songauswahl ließ keine Wünsche offen: „Mr. Crowley“, „Bark At The Moon“ und die unvermeidlichen Black Sabbath-Classics „Iron Man“ und „Paranoid“. Das Publikum tobte und für Mad Zeppelin lag die Latte ganz schön hoch. Ob sie übersprungen wurde, ist Geschmackssache. Ein guter Gig der Mainzer war es auf jeden Fall. In den Wochen davor hatte man sich mächtig Mühe beim Proben gegeben, denn dieser Auftritt sollte für die Ewigkeit konserviert werden. Mit insgesamt 11 Kameras war die Crew um Andreas Tofahrn im Einsatz, um Bilder für die erste Mad Zeppelin-DVD einzufangen. Bereits ab morgens um 9 Uhr wurden die Kameras installiert und justiert. Parallel baute eine Lichtcrew Unmengen zusätzlicher Strahler und Moving-Lights auf, damit auch jede Bewegung der Musiker im Hellen stattfinden konnte. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass hier an keiner Stelle gespart wurde und alle Beteiligten mit 150%-Einsatz unterwegs waren. Eine DVD macht man als Coverband nur einmal im Leben und dann darf eben nichts schief gehen. Selbst der knapp zweistündige Totalausfall des Mischpults beim nachmittäglichen Soundcheck konnte die gute Stimmung im Team nur kurzzeitig trüben.
Mit einer 15minütigen Verspätung („Ozzmosis“ hatten sich eine weitere Zugabe redlich verdient) betraten Mad Zeppelin dann gegen 22:45 Uhr die Bühne und feuerten gleich „The Wanton Song“ und „Rock’n’Roll“ als Eröffnungsdouble in die Menge. Ein wenig aufgeregt aber auch angestachelt von den brillanten „Ozzmosis“ wurde mächtig losgerockt und dem Publikum auch mit dem drauf folgenden „Celebration Day“ keine Pause gegönnt. Erst bei „Ramble On“ wurde es für ein paar Momente ein wenig ruhiger aber das Gaspedal wurde gleich darauf mit „Out On the Tiles“ wieder bis zum Bodenblech durchgetreten. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass „Mad Zeppelin“ noch nie so losgerockt haben, wie an diesem Abend. Dann folgten allerdings einige ruhigere Momente, denn schließlich ist eine Led Zeppelin-Show vor allen Dingen eines: abwechslungsreich! In „No Quarter“ begeisterte Keyboarder Thomas mit einem sensationellen Solo und auch das darauf folgende „Since I´ve Been Loving You“ wurde in einer überragenden Version dargeboten. Danach folgte „Moby Dick“ und während des Schlagzeugsolos kochte die Stimmung beinahe über. Kaum zu glauben, aber während des Klassikparts bildete sich ein kleiner Circle Pit in den ersten Reihen und das Publikum ging völlig steil. Danach hatte es dann eine Ruhepause verdient, die mit „Going to California“ magisch begann. Doch schon mit „Braun-Yr-Aur-Stomp“ ging die Party weiter und das Publikum klatschte aus Leibeskräften mit. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die 300 Zuschauer so viel Stimmung machten, wie ein ausverkauftes KUZ und die anfängliche Enttäuschung wich dem Triumphzug, der es tatsächlich werden sollte, denn nun folgte: „Stairway to Heaven“! Gänsehaut pur und danach ging es Schlag auf Schlag mit den Klassikern weiter. „Kashmir“ wurde so gut wie vielleicht nie zuvor gespielt, „Dazed and Confused“ überzeugte mit ausufernden Improvisationen und einem tollen Geigenbogensolo und „Whole Lotta Love“ bildete den krönenden Abschluss. Besser konnte es kaum laufend und auch die anfängliche Nervosität der Musiker war nach und nach einem Gefühl der Euphorie gewichen. So kam es dann noch zu zwei tollen Zugaben. Das eher selten gespielte „Dyer Maker“ und „Babe Im’Gonna Leave You“ beendeten einen wundervollen Konzertabend. Danach feierte man ausgiebig bis morgens um halb acht den „Triumphzug“. Mit an Bord waren natürlich etliche enge Freunde der Band und selbstredend Ozzy aus Magdeburg. Jetzt bleibt nur abzuwarten, ob die Magie des Abends auch auf der kommenden DVD zu spüren ist. Alle, die diesen Gig verpasst haben, sollten die Gelegenheit nicht verpassen, sich beim Anblick der Bilder nachträglich den Allerwertesten mit ihren Kauleisten zu perforieren! Rock’n’Roll.

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