... on the road
Tagebuch Nr. 71

Herbst 2012, Teil I

01.09.12 Bedburg, Musikmeile
Die Musikmeile in Bedburg hat ein sensationelles Konzept. Auf insgesamt elf Open-Air-Bühnen in der Innenstadt konnten Tausende von Besuchern von den Bay City Rolles über „Beinahe-Beatle“ Tony Sheridan bis hin zu Mad Zeppelin ein abwechslungsreiches und hochkarätiges Musikprogramm bewundern, ohne sich wie bei den üblichen Indoor-Events am Einlass die Füße platt zu stehen. Einzige Unbekannte in diesem Plan ist das Wetter, aber Petrus zeigte sich von seiner gnädigen Seite. So waren rundum besten Bedingungen gegeben.
Mad Zeppelin teilten sich an diesem Abend die Bühne mit der tollen AC/DC Coverband AC/BC. Die Jungs erwiesen sich als supernette Musiker, die keinerlei Starallüren besaßen und ohne Zögern bereit waren, ihr Schlagzeug und die Amps mit Mad Zeppelin zu teilen. Durch technische Probleme verzögerte sich leider der Beginn des Konzertes um eine Viertelstunde und auf einen Soundcheck im herkömmlichen Sinne musste verzichtet werden. Die Band kürzte daher den Mittelteil von „Dazed and Confused“ und strich „Dyer Maker“ komplett. Waren bei den ersten Liedern noch wenige Zuschauer vor der Bühne, füllte sich der Platz doch zusehends von Minute zu Minute. Wer erst mal da war blieb und so wurde es spätestens bei „Stairway to Heaven“ richtig voll. Für Mad Zeppelin war dieser Gig in vielerlei Hinsicht ein Besonderer. Zunächst einmal ist Bedburg Moppels Heimatort und der stimmgewaltige Sänger konnte sich bisher noch nie mit seiner Zeppelin-Coverband vor versammelten Freunden und Bekannten präsentieren. Die anfängliche Nervosität des Frontmanns legte sich aber schnell und die ganze Professionalität des Sängers trat zutage. Nach dem Gig war Moppel dennoch nicht hundertprozentig Zufrieden mit seiner Performance und dem Auftritt der Band. Dies hatte aber auch andere Gründe. Zum Beispiel hatte die Instrumentalfraktion die Sommerpause genutzt, um das Programm grundlegend zu überholen. Den Operner „Wanton Song“ hatte man noch nie zusammen mit Moppel gespielt und auch anderen Songs, die länger nicht mehr im Programm waren, sorgten dafür, dass die Musiker besonders konzentriert zu Werke gehen mussten. Anders ausgedrückt: der ein oder andere Song wurde mit angezogener Handbremse gespielt. Zu allem Unglück war Gitarrist Ralph auch noch mächtig erkältet. Unter diesen Voraussetzungen musste man den Auftritt von Mad Zeppelin sicherlich als vollen Erfolg verbuchen. Das Stadtfestpublikum honorierte die Leistung der Fünf mit höflichem Applaus. Nur wenige Fans schienen mehr von Zeppelin zu kennen, als „Kashmir“, „Stairway to Heaven“ und „Whole Lotta Love“, aber da natürlich all diese Songs im Programm waren, sah man allenthalben zufriedene Gesichter.  Die Band genoss im Anschluss die AC/DC-Band und das Kölsch (welches schneller verdunstete, als Roadie/Köbes Flo für Nachschub sorgen konnte) und vagabundierte anschließend noch ein wenig durch die laue Bedburger Sommernacht. Sänger Moppel musste allerdings nüchtern bleiben, da er Taxi spielte und gleich am nächsten Morgen beim traditionellen „Festival-Gottesdienst“ erneut „Stairway to Heaven“ zum Besten geben musste. 
Lustig war noch, dass das Mischpult versagte, als Tonmann Manfred nach dem Intro den CD-Kanal „mutete“. „Nach Vorne hin“ klappte dies auch einwandfrei aber  über die Monitore lief die CD munter weiter und erschwerte die Konzentration der Musiker nicht unerheblich. Nur eine Woche später sollte sich dieses Ereignis in leicht abgewandelter Version wiederholen. Sachen gibt’s?!

07.09.12, Mömbris-Königshofen, Festzelt
Das Herbstfest im bayrischen Mömbris-Königshofen war eine bajuwarisches Saufgelage ersten Ranges und wurde für Mad Zeppelin zu einem Katastrophengig. Schon nach dem Ausladen geriet Roadie Daniel beinahe in eine handfeste Schlägerei, da ein paar sterngranatenvolle Jugendliche partout nicht den Weg für die Musiker frei machen wollten. Die drei Bands, die an diesem Abend im Festzelt auftreten sollten, zählten lediglich zum Rahmenprogramm des Besäufnisses. Folglich gab es eigentlich nur Höflichkeitsapplaus und zur Schau gestelltes Desinteresse. Nach dem Auftritt schoss ein nicht wenig alkoholisierter Besucher den Vogel ab, indem er lallte: „Echt Klasse, wie ihr gespielt habt aber beim nächsten mal müsst ihr auch „Tränen lügen nicht spielen!““ Obwohl sicherlich einige hundert Zuschauer vor der Bühne standen, kam zu keinem Moment richtig Stimmung auf. Während des Auftritts war der Lärmpegel im Publikum teils höher als auf der Bühne und die Mehrzahl der Jugendlichen stand sowieso vor dem Zelt, da man dort rauchen und den mitgebrachten Alkohol trinken durfte. So wurde es ein harter Abend für Mad Zeppelin. Technische Probleme erschwerten die Situation zusätzlich. Vor Ort musste Gitarrist Ralph feststellen, dass sein Gitarrenamp versehentlich im Proberaum liegen geblieben war. Die gute Vorband „The Kurts“, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Nirvana-Coverband, lieh dem Gitarrero freundlicherweise ihren Amp. Dieser hatte allerdings keinen Einschleifweg, so dass die Benutzung der Effektgeräte nur eingeschränkt möglich war. Beim Umbau zur Show mussten die Jungs dann feststellen, dass der Veranstalter zu wenige Mikrofone bereitgestellt hatte. So konnte das Schlagzeug notgedrungen nur mit einer Minimalmikrofonierung ausgestattet werden, ein Soundcheck fiel völlig flach. Dies führte bereits zu Beginn der Show zu massiven Irritationen. Das Intro musste gleich mehrmals gestartet werden, da es auf der Bühne partout nicht zu hören war. Während der ersten beiden Songs erklangen permanent Fremdgeräusche auf den Monitoren und bis zum Ende der Show konnte von einem ordentlichen Monitorsound kaum die Rede sein. Für diese Verhältnisse spielten Mad Zeppelin eigentlich gar nicht schlecht. Vor allem Ralph schien durch die widrigen Umstände in eine „Jetzt erst recht“-Stimmung versetzt worden zu sein und improvisierte hervorragend. Auch die anderen Musiker spielten einen soliden Gig, obwohl an der einen oder anderen Stelle noch nicht alles einhundertprozentig funktionierte. Das Programm wurde während der Show noch zusammengestrichen, da pünktlich um 1:00 Uhr nachts Schluss sein musste. Der Streichaktion fielen beide Akustiksongs zum Opfer, da zu befürchten war, dass das Publikum bei diesen leisen Songs nur noch mehr zu Privatunterhaltungen neigen würde und bei diesen Stücken ein ordentlicher Monitorsound für die Abstimmung zwischen Gitarre, Mandoline und Gesang unverzichtbare Voraussetzung ist. Weiterhin wurde wie am Wochenende zuvor auch „Dyer Make“r ein Opfer der zu knappen Spielzeit. Nach dem Gig wurden die Instrumente in Rekordzeit abgebaut und in weniger als einer Stunde hatte die Band den Ort des „bajuwarischen Frohsinns“ in Richtung der Karnevalshochburg Mainz bereits wieder verlassen. Bierzelte sind dann wohl doch nicht die geeignete Loaction für ein Mad Zeppelin-Konzert.

zurück zur kurzen Version zurück weitere Tagebucheinträge