... on the road
Tagebuch Nr. 70

Sommer 2012

20.04. Mannheim, 7er Club
Eins ist nun unverrückbar klar: Mannheim ist kein Ort für Classic-Rock-Bands! Schon beim Bandausflug zum ehemaligen Rainbow-Sänger Graham Bonnet mit seiner wirklich tollen Band Alcatrazz waren höchstens 60 Zuschauer im 7er Club. Und das bei einer solchen Legende. Bei Mad Zeppelin sollten es an diesem Abend mit 80 Gästen nur unwesentlich mehr Publikum sein. Dennoch war dies bereits der dritte Auftritt von Mad Zeppelin im Club mit dem skurrilen Besitzer Fish. Ein Novum hatte der Abend aber gleichwohl zu bieten. Das komplette Konzert wurde live im Internet-Radio Cleopha87 übertragen. Ob es daran lag, dass Mad Zeppelin, die ohne Vorband auftraten, erst um 22:30 beginnen sollten? Auf jeden Fall war es gut, dass die Show nur im Radio mitzuerleben war, denn Bassist Christian hatte doch tatsächlich seine Bühnenklamotten zu Hause liegen gelassen. Ersatzweise musste der Viersaiter mit einem schmucken Mad Zeppelin-Longsleeve vorlieb nehmen. Damit war er in bester Gesellschaft, denn viele Zuschauer hatten sich bereits bei den vorangegangenen Konzerten mit Mad Zeppelin-Shirts eingedeckt und trugen diese nun stolz auf ihren wohlgeformten Oberkörpern zur Schau.
Die erste Hälfte der Show verlief richtiggehend super und die Stimmung war trotz der geringen Zuschauerzahl überraschend enthusiastisch. Man merkte, dass viele Die-Hard-Fans von Led Zeppelin und alte Bekannte der Band vor Ort waren. Aber auch einige sehr junge und eventuell stark alkoholisierte Kids bauten sich direkt vor Gitarrist Ralph auf und feierten jedes Riff des Gitarreros ab, als ob es ein Fingerzeig Gottes wäre. In den Pausen zwischen den Songs forderte dieses Grüppchen konsequent und lautstark „How Many More Times“. Einen Wunsch, der leider unerfüllt blieb. Mad Zeppelin spielten ihr ganzes dreistündige Set, allerdings entschied man sich aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit und des nach der Pause merklich reduzierten Publikums dazu, „Thank You“ und „Communication Breakdown“ zu streichen. Gegen Ende des Gigs wurde die Performance der Band etwas fahrig. Es schlichen sich kleinere Ablauffehler ein und leider rissen Ralph bei „Rock’n’Roll“ und „Kashmir“ an zentralen Stellen Saiten. Erst kurz vor halb Zwei nachts war der Gig zu Ende obwohl immer noch Zugaben gefordert wurden: natürlich „How Many More Times“!

01.06.2012 Ingelheim, RLP Tag, Rockland-Bühne
Wie schon 2009 wurden Mad Zeppelin erneut von Rockland-Radio zum Rheinland-Pfalz-Tag eingeladen. Diesmal in Ingelheim – also einen Katzensprung vom Finther Proberaum der Band entfernt. Das sollte auch gut sein, denn beim Einladen wurde die Hi-Hat von Drummer Breaker vergessen. Mit einer kurzen Spritztour konnten die Roadies Daniel und Flo dieses Missgeschick wieder gut machen. Der RLP-Tag ist schon etwas Besonderes: in solchen Dimensionen spielen Mad Zeppelin in der Tat nicht alle Tage. Die Riesenbühne auf der die Kabel von Gitarrist Ralph nicht ausreichten, um einen Abstecher zu Keyboarder Thomas zu unternehmen, eine 60.000 Watt-Soundanlage und ein Mischpultturm, der so weit weg steht, dass die Band beim Soundcheck Mischer Manfred nur noch schemenhaft am Horizont erkennen konnte. Da kommt Rock Am Ring-Feeling auf, vorausgesetzt, der Platz ist voll. Danach sah es allerdings um 17:00 Uhr, als Ministerpräsident Kurt Beck das Landesfest eröffnet wollte, gar nicht aus. Nur handverlesene 20 Zuschauer befainden sich vor der Bühne, was Kurti umgehend dazu veranlasste, statt einige warme Worte zu spenden sich eine kalte Gerstensaftkaltschale einzuverleiben. Auch die nachfolgenden „Hupfdohlen“ des ortsansässigen Tanzvereins wirbelten vor nahezu leeren Rängen umher. Da tröstete es auch nicht, dass nach vereinzelten Regentröpfchen die Wolkendecke aufriss. Doch pünktlich zum Intro der Band füllte sich der Platz und nach den ersten zwei bis drei Songs wurde es dann richtig voll. Geschätzte 1000 Zuschauer waren dann eine absolut hervorragende Kulisse und die Band spielte sichtlich begeistert auf. Insgesamt war es ein guter Gig der Band aus Mainz, der einige Überraschungen bot. Beim Schlagzeugsolo erlebter Drummer Breaker eine eben solche, als er kräftig ausholte, um den Gong zu schlagen, dieser sich aber bereits mitsamt Ständer nach hinten vom Drumriser verabschiedet hatte. Der Schlag ging somit ins Leere. Einen Running-Gag der besonderen Art hatte Sänger Moppel parat, mitten in „Trampled Underfoot“ war der Frontmann auf einmal nicht mehr zu vernehmen. Sollte das Mikro kaputt sein? Nein – schon wieder war Moppel an den Ausschalter gekommen und hatte sich somit selbst den Saft abgedreht. Auch Keyboarder Thomas kämpfte mit der Technik und verursachte vielleicht beim ein oder anderen Zuschauer ein Knalltrauma, als er etwas voreilig mit einem ohrenbetäubenden Schlag das Kabel der Mandoline aus der DI-Box zog. Thomas sei dieser Vaux-Pas allerdings verziehen, schließlich stand der Tastenmagier besonders unter Strom, da seine hochschwangere Freundin im Backstagebereich jederzeit zur Geburt schreiten konnte. Für diesen Fall hatte die Band übrigens vorgesorgt. Keyboarder Andreas König von Beyond the Rainbow stand als Ersatzmann parat und hatte einige der wichtigsten Led Zeppelin-Songs für diesen Notfall einstudiert. Danke Andreas, Du bist großartig! Ebenso großartig waren die Resonanzen des Publikums auf den Auftritt der Mainzer-Band und trotz des Endes der offiziellen Spielzeit forderten so viele vehement nach einer Zugabe, das die ehemalige Miss-Germany und heutige Rockland.Moderatorin Alexandra Philipps gar nicht anders konnte, als die Band zu einem abschließenden „Thank You“ auf die Bühne zu bitten. Leider hatte die nachfolgende Band nicht eben so viel Glück mit dem Publikum, genauso schnell, wie es gekommen war, verließ ein Großteil der Zuschauer nach dem Auftritt von Mad Zeppelin den Platz um anderen Attraktionen auf dem großen Festgelände beizuwohnen. Für Mad Zeppelin war dies wie schon beim ersten RLP-Tag ein grandioses Erlebnis, welches man natürlich gerne wiederholen würde.

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