... on the road
Tagebuch Nr. 69

Frühjahr 2012, Teil II

24.02.12 Wiesbaden, GMZ
Mad Zeppelin und The Changeling – dieses Billing war fantastisch! Schon im Vorfeld zeichnete sich ab, dass dieser Abend im GMZ gut besucht sein würde aber das man den Laden nahezu ausverkaufte, war dann doch nicht zu erwarten. Knapp 250 Zuschauer drängten sich in der Location und erlebten zunächst einmal 80 Minuten Best-Of-Doors auf Topniveau. Egal ob „Light My Fire“, „Break On Through“ oder „Roadhouse Blues“ - die Jungs von The Changeling haben es einfach drauf und zeigten sich im Vergleich zum letzten gemeinsamen Auftritt mit Mad Zeppelin noch einmal stark verbessert. Das Publikum erkannte die Klasse der Band und ging kollektiv steil. Eine solche Stimmung bei einer „Vorband“ erlebt man selten. Die Messlatte für Mad Zeppelin lag verdammt hoch und die Vorzeichen für diesen Gig standen nicht allzu gut. Diesmal hatte es Sänger Moppel erwischt. Der Arme lag mit einem grippalen Infekt flach und es blieb bis zum Abend unklar, ob und wie lange er würde singen können. Um den Auftritt nicht absagen zu müssen hatte Mad Zeppelin als Backup Ex-Sänger Roman Erken angefragt. Dieser sagte sofort zu und hielt sich den ganzen Abend bereit zum Einspringen. Letztlich war dies dann doch nicht nötig, denn Adrenalin und ein kleines Bierchen vor dem Gig hatten die Stimmbänder von Moppel wieder in Form gebracht. Wider erwarten konnte fast das ganze geplante Set gespielt werden. Nur die stimmlich besonders anspruchsvollen Songs „Black Dog“ und „Braun-Yr-Aur-Stomp“ wurden gestrichen. Im Vergleich zum Konzert in Koblenz waren wieder „Heartbreaker“ und „Moby Dick“ ins Programm gerutscht, „Kashmir“ wurde vorsorglich in den ersten Teil des Programmes geschoben. Ansonsten gab es die bewährte Setlist und die Band zeigte sich gut eingespielt und spielfreudig. Nach der Vorlage von The Changeling wollte man nicht als zweiter Sieger die Bühne verlassen und so rockte man, was das Zeug hielt. Gitarrist Ralph genoss seine Solospots erneut, fand diesmal aber die genau richtige Balance zwischen Improvisation und Werktreue. Christian und Thomas ließen nichts anbrennen und Drummer Breaker spielte vielleicht sein bisher bestes Drumsolo. Folglich war die Stimmung im Publikum riesig und weit nach Mitternacht verließen Mad Zeppelin glücklich und erschöpft die Bühne. Der tosende Applaus ließ den Jungs aber keine andere Wahl, eine Zugabe musste her. Da Ex-Sänger Roman nun den ganzen Abend vergeblich auf einen Einsatz gewartet hatte, lud man ihn zum gemeinsamen Abschluss „Rock´n´Roll“ auf die Bühne. Moppel und Evil teilten sich somit den Gesang und beschlossen einen sensationellen Konzertabend mit einem absoluten Highlight! Danke nochmal Roman! Was gab es sonst noch? Im Vorfeld des Gigs ereigneten sich noch ein paar kleinere Pannen. Das Auto mit den Roadies Daniel und Flo wollte partout nicht anspringen und so trafen die Beiden erst nach einer längeren Wartezeit auf den ADAC in Wiesbaden ein – leider etwas zu spät für den Aufbau. Dabei konnte dieser ebenso wie der Soundcheck erst viel später als geplant von statten gehen, da der Veranstalter Rock für Wiesbaden beim Eintreffen in die Halle feststellen musste, das die normalerweise installierte Lichtanlage demontiert war. Trotz dieser Verzögerungen behielten alle Beteiligten die nötige Ruhe und so konnte das Konzert nahezu wie geplant beginnen.

10.03.12 Lorsch, Rex
Zum vierten aber leider auch zum letzten Mal vor der Schließung gastierten Mad Zeppelin im schönen Rex. Der Traditionsclub muss aufgrund immer restriktiverer Auflagen seitens der Behörden die Segel streichen. 230 Zuschauer, darunter sensationell viele Bekannte und beinharte Zeppelin-Fans wollten sich dieses Event nicht entgehen lassen. Den Vogel abgeschossen haben wieder einmal Jürgen und Beate, die den Musikern eigens einen Käsekuchen gebacken hatten! Ok, die Originale liebten eher harte Drogen aber die Jungs aus Mainz sind mit Kuchen, Bonbons und Magnesium in der Hartkapsel vollauf zufrieden zu stellen. Vielen Dank nochmal! Im Vergleich zum GMZ konnten Mad Zeppelin wieder etwas länger spielen. Die Setlist blieb aber bis zum Auftritt das Geheimnis von Sänger Moppel. Dieser hätte die Liste aber besser nicht nach einer ziemlich harten Nacht mit Roadie Daniel und dem Ex-Schlagzeuger seiner Zweitband machen sollen, denn es hatten sich so einige Überraschungen eingeschlichen. So fand sich das Schlagzeugsolo schon fast in der Opening-Position und die Nummerierung der Songs war in sich auch nicht ganz schlüssig. „Bron-Yr-Aur-Stomp“ hatte der Sänger gleich ganz vergessen und lustiger weise sollte gerade dieser Song später einer gerissenen Saite zum Opfer fallen. Ansonsten waren wieder „The Song Remains the Same“ und „Rain Song“ ins Programm gerutscht, welche die Opener des zweiten Sets bilden sollten. „No Quarter wurde ins erste Konzertdrittel geschoben wo es eine sehr gute Figur machte. Als Zugabe durfte dann auch wieder „Thank You“ Einzug in die Setlist halten. Mad Zeppelin lieferten einen tollen Gig, der nach ein paar Minuten Anlaufzeit das Publikum begeisterte und mit Sicherheit der bisher beste Auftritt der Band im Rex war.

17.03.12 Rüsselsheim, Bärenstübbsche
Das Bärenstübbsche ist das zweite Wohnzimmer von Roadie Mighty Manfred und so war es nicht verwunderlich, dass dieser der Band immer wieder in den Ohren lag, dort könne man doch auch mal spielen. Tja, und dann war es tatsächlich soweit. Das Bärenstübbsche ist eigentlich das Vereinsheim der SV Alemannia Königstädten und so wurde, während Mad Zeppelin ihr Equipement durch die Kneipe ins Hinterzimmer schleppten auch fleißig Bundesliga geschaut. Dazu gabs Herrengedecke en masse. Der kleine Saal, indem der Auftritt stattfinden sollte, erwies sich in Bezug auf die Akustik und vomdas Licht leider als eher suboptimal. Dies lag nicht daran, dass sich der Veranstalter keine Mühe gegeben hätte, nein im Gegenteil, man hatte extra eine 6 auf 3m große Bühne aufgebaut und auch die Sound- und Lichtanlage wurde eigens angemietet und von gleich drei PA-Menschen betreut. Leider war der Raum aber durch seine niedrige Decke und die Fensterfronten auf beiden Seiten nicht gerade prädestiniert für ein Rockkonzert. Nach den ersten Schlägen auf Breakers Drumset war klar, es würde extrem laut werden! Doch bevor es losging sollte es erst einmal Essen geben und das ist diesmal wirklich erwähnenswert. In nahezu unbegrenztem Umfang wurden Schnitzel, Pommes und Frikadellen geliefert, dazu Bier so viel man wollte. Da gab es wirklich nichts zu meckern. Gegen 21:00 Uhr war der Saal mit etwa 80 Personen für ein Mad Zeppelin-Konzert eher spärlich gefüllt. Die Veranstalter waren dennoch zufrieden, da sie die Location gerade erst etablieren wollen. Das Publikum war diesmal extrem gemischt, auf der einen Seite gab es viele treue Fans, die endlich mal wieder ein dreistündiges Mad Zeppelin-Konzert erleben wollten, auf der anderen Seite gab es die Stammgäste des Bärenstübbsche, die schon reichlich alkoholisiert einfach sitzen geblieben sind. Dies war bei den günstigen Eintrittspreisen auch verlocken. Im Verlauf des Abends sollte sich herausstellen, dass die Fußballfans dann doch eher ob der geballten Rockpower nach und nach das Weite suchten, nach der Hälfte des Sets war somit auch die Hälfte des Publikums weg und damit leider auch ein wenig die Stimmung. Dabei wurde den Besuchern heute einmal das volle Programm geboten. Im ersten Set fanden sich mit „Trambled Underfoot“, „Bron-Yr-Aur-Stomp“ und „Black Dog“ gleich drei Songs, die Mad Zeppelin in diesem Jahr noch gar nicht gespielt hatten. Im weiteren Verlauf tauchte dazu noch das „Communication Breakdown/Lemon Song“-Medley auf. Die Band spielte an und für sich nicht schlecht und die Improvisationen waren sogar teils richtig klasse, dennoch kämpfte zum Beispiel Drummer Breaker mit den Widrigkeiten der ständig brechenden Schlagzeugstöcke und Basser Christian mit einem Magen-Darm-Infekt. So zog die Band dann doch eher ein durchwachsene Bilanz. Einzig und alleine Roadie Mighty Manfred hatte sein Klassenziel zu 100% erreicht. Ob der gute sich am nächsten Tag noch an die späteren Abendstunden erinnern kann?

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