... on the road
Tagebuch Nr. 68

Frühjahr 2012, Teil I

07.01.2012 Euskirchen, City-Forum
Mad Zeppelin spielten erstmals auf einer privaten Geburtstagsfeier außerhalb des Bandkreises. Die rheinische Frohnatur Arno hatte zu seinem 50. Geburtstag eingeladen und scheute keine Kosten und Mühen. 2006 war Arno auf der Burg Satzvey auf die Band aufmerksam geworden und war vom Gesehenen so begeistert, dass er sich schon damals vorgenommen hatte, sich mit einem Mad Zeppelin-Auftritt zu seinem 50. Geburtstag selbst zu beschenken. Gesagt, getan: leider war nicht jeder im Publikum gleichermaßen von der Musik der größten Rockband aller Zeiten begeistert wie das Geburtstagskind. Ein Großteil der überwiegend im gesetzteren Alter befindlichen Zuhörerschaft (übrigens nahezu alle kostümiert, sic!) fand den am frühen Abend stattfindenden Auftritt von Arnos Kumpels, die ihm ein 45minütiges Ständchen mit Kölner-Karnevalslieder brachten, bei weitem Interessanter. Danach ließ sich das Geburtstagskind nicht nehmen, mit seiner eigenen Top 40-Band anderthalb Stunden den Saal durchzublasen. Als Mad Zeppelin kurz vor 24 Uhr die Bühne bestiegen, hatten sich die Zuschauerreihen ob dieser permanenten Beschallung bereits merklich gelichtet. Da Arno für seine 200 Gäste eine Halle mit Fassungsvermögen von 1500 Zuschauern gewählt hatte, hieß es wie schon in Alzey „Band gegen gähnende Leere“. Außer Höflichkeitsapplaus war natürlich nicht allzu viel zu erwarten und das eigentlich für über zwei Stunden geplante Programm wurde kurzerhand mit dem Rotstift drastisch zusammen gekürzt. So kam es, wie es kommen musste: nach 75 Minuten hatten alle genug und die Zugabenrufe waren kaum zu erahnen. Die Folge: es kam zum ersten Mad Zeppelin-Auftritt, bei dem noch nicht einmal „Whole Lotta Love“ gespielt wurde! Schlecht gespielt haben Mad Zeppelin übrigens nicht, natürlich sah man sich verpflichtet, dem Geburtstagskind seinen Herzenswunsch zu erfüllen und dies ist auch gelungen. Arno durfte dann auch gemeinsam mit den Jungs beim letzten Song „Rock’n’Roll“ auf die gigantische Bühne und konnte mal so richtig loslassen. Im Hotel kam es noch zu einem glorreichen Fußballtunier am Tischkicker: das Team HSV (Ralph und Breaker) ließ dem SV Wehen Wiesbaden (Thomas und Christian) keinerlei Chance. Der Jubel darüber war lauter als der Fanjubel im Euskirchner City-Forum.

21.01.2012, Bruchsal, Rockfabrik
Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele treue Fans jedes Jahr nach Bruchsal kommen! An diesem Abend waren es wieder gut 350 Zuschauer, die eine Party mit Led-Zeppelin-Musik feiern wollten. Leider musste Bandmischer Manfred kurzfristig absagen. Der Veranstalter stellte aber einen Ersatz, der sein Handwerk beherrschte. Schon zu Beginn erschallte sowohl im Auditorium als auch auf der Bühne ein toller Sound: Dies ist bei einer so aufwändig zu mischenden Band wie Mad Zeppelin sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Erstmals wurde an diesem Abend das neue Intro der Band offiziell vorgestellt (in Euskirchen gab es quasi einen Probelauf). Es ist eine Collage aus verschiedensten Soundfiles rund um Led Zeppelin: man hört Radioreporter begeistert über Zuschauerrekorde sprechen und die Schießerei aus dem Film „The Song Remains The Same“ erklingt ebenso wie etliche weitere Soundschnipsel der vier Musiker. Unterlegt ist das Ganze mit einer symphonischen Version von „Friends“, am Ende zählt Bonzo mit seinem berühmten Spruch „The Ocean“ an und an dieser Stelle starten Mad Zeppelin in ihr Set, allerdings mit „Good Times, Bad Times“! Die erste Hälfte des Abends konnte man als eher durchwachsen bezeichnen, Sänger Moppel übersah „Black Dog“ in der Setlist, Drummer Breaker brachen ungewohnt viele Sticks und auch das Zusammenspiel von Keyboard und Gitarre funktionierte nicht ganz optimal. Einzig und alleine Christian spielte stoisch wie ein Fels in der Brandung. Nach der Pause war die Band dann wie ausgewechselt. Die epischen Stücke gelangen hervorragend und das Publikum, das schon zu Beginn ordentlich mitfeierte steigerte die Stimmung noch einmal bis an die Grenze zur Ekstase. Manche überschritten diese Linie und so konnte man den ein oder anderen Schmunzler ob der seltsamen Körperbewegung mancher Zuschauer auf den Lippen der Band erhaschen. Auch wenn noch nicht alles ganz perfekt saß, bewiesen Mad Zeppelin Attitüde und rockten einen tollen Gig mit „Thank You“ (wo war das Intro, Thomas?) souverän nach Hause.

03.02.12 Koblenz, Cafe Hahn
Nach zweijähriger Pause spielte die Band endlich wieder vor ca. 150 Zuschauern im Cafe Hahn. Wie in den Jahren zuvor gastierte man zusammen mit einer Deep Purple-Coverband in den ehrwürdigen Hallen. Aus Cheap Turtle ist allerdings durch drei Umbesetzungen nun Purple Rising geworden und diese Umbesetzungen haben sich gelohnt. Die Band überzeugte ab der ersten Minute und präsentierte sich in Hochform. Gut so, denn das Konzert wurde professionell auf Video aufgezeichnet. Mad Zeppelin durften daher an diesem Abend eröffnen und mussten mit einer etwas eingeschränkten Bühne vorlieb nehmen. Das Programm wurde aufgrund des Opening-Slots gekürzt und einige Standards wie „Moby Dick“ oder „Black Dog“ mussten gestrichen werden. Dafür zog überraschend „All My Love“ in die Setlist ein. Einige Fans hatten Sänger Mop im Vorfeld das Versprechen abgerungen, nur dann nach Koblenz anzureisen, wenn dieser Song gespielt würde. Tja, waren diese Fans denn auch vor Ort? Der Song passte jedenfalls bestens ins sehr balladeske Programm. Mad Zeppelin spielten einen guten Gig. Gitarrist Ralph hatte sich diesmal besonders viel vorgenommen. Bisher hatte er im Cafe Hahn trotz bester Bedingungen noch nie so das richtige Feeling empfunden und an diesem Abend sollte dieses „Kopfding“ überwunden werden. Und es klappte! Der Gitarrero tobte nur so über sein Griffbrett und lief mit einem feisten Dauergrinsen auf der Bühne hin und her. Leider erwies sich der Gitarrenheld bei „Dazed and Confused“ ein wenig übermotiviert und konnte gar nicht mehr gebremst werden. Der Übergang in die letzte Strophe wurde zunächst schlichtweg ignoriert und gelang im zweiten Anlauf auch nur leidlich. Dafür erlebten die Zuschauer eines der längsten Geigenbogensoli, das Ralph je performt hat. Durch die allgemein ausufernden Soli erreichte das Set über hundert Minuten Länge und Mad Zeppelin übergaben ein bestens angewärmtes Publikum an Purple Rising.

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