... on the road
Tagebuch Nr. 67

Herbst/Winter 2011

04.11.11, Hockenheim, Pumpwerk
Total Demolition - so könnte vielleicht das Motto des Abends lauten, denn kaputt ging so Einiges! Zum Beispiel etliche Gitarrensaiten und Drumsticks (aber das ist an und für sich noch nichts Besonderes). Weiterhin verabschiedeten sich ein Snareteppich und eine Stimmmechanik der Doppelhals-Gitarre. „Defekt“ war aber leider auch Christians Ohr, doch glücklicherweise konnte eine OP das Gehör des Bassisten retten. Dafür musste der Mann am Langholz allerdings den Abend mit schicken Mickymaus-Kopfhörern bestreiten, da an Ohrstöpsel im frisch operierten Ohr natürlich nicht zu denken war. Nicht kaputt, aber auch ziemlich unglücklich verlief die Anreise von Keyboarder Thomas. Auf halben Weg zum Pumpwerk fiel ihm ein, dass er seine Mandoline zu Hause vergessen hatte: da hieß es umdrehen. Ebenfalls nur annähernd die richtige Richtung besaß an diesem Abend das große Backdrop der Band. In schwindeliger Höhe gelang es Roadie Daniel leider nicht, das Banner korrekt zu zentrieren. Da er froh war, heil wieder herunter gekommen zu sein, beließ man es bei der schrägen Variante.
Wie war der Abend musikalisch? Ganz klar schwere Arbeit. Das leider nicht sehr zahlreich erschienene Publikum zeigte sich reserviert und wollte überzeugt werden. Mad Zeppelin spielten solide und leisteten sich keine Schnitzer, so richtig Stimmung wollte allerdings auch nicht aufkommen. Erst gegen Ende des Programms zeigte sich das Publikum begeistert, was sicherlich nicht zuletzt an Thomas tollem Keyboard-Solo in „No Quarter“ lag. Nach knapp drei Stunden konnte man das Konzert zwar noch als Gelungen verbuchen, magische Momente waren indes an diesem Abend rar gesät.

18.11.11, Schweinfurt, Stattbahnhof
Gut 200 Zuschauer besuchten in diesem Jahr den Stattbahnhof und wurden Zeugen eines mit hervorragende Soli und tollen Improvisationen gespickten Auftritts von Mad Zeppelin. Von Anfang an herrschte eine tolle Stimmung und kleinere Pannen wie die gerissene Saite zu Beginn von „The Song Remains The Same“ wurden vom Publikum lediglich als Randnotiz einer schweißtreibenden Rock’n’Roll-Show wahrgenommen. Die Band spielte das routinierte Programm der letzten Monate und einzig das neue Single-Bassdrumpedal von Drummer Breaker feierte Premiere. Die Routine zahlte sich aus und gab den Musikern die Freiheit, sich von den sicheren Abläufen zu lösen und kleine, aber bezaubernde Variationen einfließen zu lassen. Erst gegen Ende des fast dreistündigen Programms schlichen sich vermehrt Unsauberkeiten ein, die aber durch die riesige Spielfreude aller Beteiligten locker wett gemacht wurden. Einziger Wermutstropfen eines rundum gelungenen Abends waren die immer noch vorhandenen Gehörprobleme von Bassist Christian. Beinahe hätte der Bassmann den Auftritt absagen müssen, doch in letzter Minute gab der Arzt sein ok. Eine kleine Einschränkung gab es aber dennoch: Christian durfte so wenig wie möglich schwitzen! Notgedrungen hielt sich der Mann am Tieftöner den ganzen Abend im Dunkel des hintersten Bühnenecks auf und spielte dort nahezu unsichtbar aber unfassbar souverän. „Profiteur“ dieses Handicaps war Keyboarder Thomas, der endlich einmal das volle Rampenlicht genießen durfte und mit seiner Keyboardburg fast über den Bühnenrand ins Publikum gestürzt wäre. Ein wirklich seltsamer Anblick aber: who cares? Rückblicken zählte Schweinfurt sicherlich zu den besten Mad Zeppelin-Konzerten der jüngeren Vergangenheit.

26.11.11, Alzey, Oberhaus
Der letzte Gig des Jahres sollte auch der Chaotischste werden. Christians Ohr verheilte nur langsam und erst einem Tag vor dem Konzert war klar, dass der Auftritt stattfinden würde. Zu allem Überfluss sagte auch Bandmischer Manfred kurzfristig ab, da ihn in seiner Firma ein Notfall zur Wochenendarbeit zwang. Nun hieß es Ersatz besorgen! Nach etlichen Telefonaten konnte die Band auf Empfehlung von Manfred den Mixer Günther Christ organisieren, doch es sollten weitere Probleme folgen. Da es im Oberhaus keine Mikrofone und Stative gibt (sic!), sollten diese eigentlich von Manfred mitgebracht werden. Nach gefühlten dreihundert Mails war klar, dass Christian und Moppel mit viel Mühe das erforderliche Equipment zusammen leihen würden können. Als sämtliche Koffer, Taschen und Kisten die steilen Treppen ins Oberhaus gehievt worden waren, stellte sich heraus, dass so viele Mikros und Stative vorhanden waren, dass man locker noch ein Streichquartett und Backgroundsänger hätte verkabeln können. Auf der Bühne musste dann aus diesem Sammelsurium verschiedenster Marken eine akzeptable Mikrofonierung erstellt werden. Eine Aufgabe, die mit den Attributen „stressig“ und „zeitraubend“ sicherlich passend umschrieben ist. Während Christian den Aufbau organisierte, kümmerte sich Günther darum, der PA einen akzeptablen Sound zu entlocken. Auch dies kein ganz einfaches Unterfangen, das dem erfahrenen Mixer aber letztlich gelingen sollte. Nachdem endlich alles fertig war, machte sich der Großteil der Band auf zum nahegelegenen Chinesen. Daniel und Florian bekamen hingegen nur eine Wurst auf dem Weihnachtsmarkt, da sie an diesem Abend den Einlass machen mussten. Mit frittierten Bäuchen hieß es dann im Backstage warten und die Zeit totschlagen. Der Anfang des Konzertes war erst auf 21:30 Uhr terminiert worden und allen Beteiligten war klar, dass es nicht nur ein stressiger, sondern auch langer Abend werden würde..
Leider waren zu Konzertbeginn dann nur ca. 80 Zuschauer anwesend, die auch nicht wirklich einen signifikanten Beitrag zu einer gute Konzertatmosphäre leisteten. Nicht, dass es ihnen nicht gefallen hätte, aber fast alle Besucher hatten es sich auf den Sitzplätzen auf der Balustrade bequem gemacht und zogen es vor, die gerade eingenommene Winterstarre nur zum höflichen Applaudieren am Ende der Songs zu unterbrechen. So spielte die Band in einen trostlosen und nur spärlich gefüllten Saal hinein. Nachdem der Konzertbeginn noch gewohnt gut funktionierte, merkte man im Laufe des Abends, dass trotz aller Bemühungen der Band der Funke einfach nicht überspringen wollte. So sackte zumindest nach der Pause auch die Stimmung unter den Musikern ein wenig und kleinere Fehler und Ungenauigkeiten schlichen sich ein. Besonders ärgerlich war, dass der „Einspieler von CD“ während Breakers Schlagzeugsolo einfach nicht losspielen wollte und der schon leicht gefrustete Drummer auch das Ende seiner Paradenummer verzockte. Nach gut drei Stunden waren Musiker und Publikum restlos bedient. Da die Zugabenrufe auch sehr verhalten ausfielen, spielte die Band diesmal nur „Thank You“ und verzichtete auf „Kashmir“..
Im Verhältnis zum Stress und den Aufwand, den Mad Zeppelin für dieses Konzert betrieben haben, ist das Ergebnis somit leider ernüchternd. Nicht, dass die Band schlecht gespielt hätte, aber die letzten Konzerte haben die Jungs einfach verwöhnt und an diesem Abend hatte sich scheinbar alles gegen sie verschworen. Fazit: abhaken!

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