... on the road
Tagebuch Nr. 66

Sommer 2011, Teil II

24.09.2011 Siegburg, Kubana
Mad Zeppelin gastierten nun auch schon zum vierten Mal in Siegburg. Trotz schönstem Spätsommerwetter wollten sich gut 200 Zuschauer dieses Gastspiel nicht entgehen lassen. Im Publikum befanden sich erneut einige alte Bekannte und sogar ein Teil von Breakers allererster Band, die ihr „20-jähriges Jubiläum" feierte. Im Vergleich zum Vorjahr war das Kubana wieder einmal umgebaut worden und wird immer mehr zum Schmuckkästchen. Diesmal spendierte man der Band einen vergrößerten Backstageraum und eine Künstlertoilette. Mal sehen, was nächstes Jahr kommt? Vorschläge: Duschen, Whirlpools und eine DVD/Beamer-Ecke mit netten Unterhaltungsfilmchen??? Auch Mad Zeppelin hatten wieder Neuigkeiten mitgebracht: zwei neue Laternen-Männchen-Backdrops sollten die Bühne verzieren, mussten aber aufgrund der niedrigen Decke als Dekoration des Merchandising-Standes herhalten. Weiterhin gab es mit „In the Evening“ und „Houses of the Holy“ zwei neue Songs im Programm. Ebenfalls neu war ein Teil von Breakers Schlagzeugsolo. Als Hommage an Cozy Powell spielte der Drummer zu einem Klassik-Stück und fügte so dem Solo eine frische, ungewöhnliche Nuance hinzu. Insgesamt wurde das Programm durch diese Variationen fast drei Stunden lang, ein echter Marathon für die Band. Wenn man das Konzert knapp umreißen soll, trifft vermutlich am ehesten die Beschreibung „Spielfreude schlägt Patzer um Längen“ den Nagel auf den Kopf. Im Kubana macht es Mad Zeppelin immer wieder richtig Spaß und das Publikum feierte trotzt des recht hohen Altersdurchschnitts jede Note der Band ab. Da macht es auch nicht, wenn sich einige kleinere Fehler ins Programm schleichen. So wurde der Beginn von „Black Dog“ durch Breaker versemmelt und bei „Houses of the Holy“ kam Bassist Christian beim Zählen der Strophen durcheinander. Bei „Bron-Yr-Aur Stomp“ versagte dann auch noch Thomas Mikro und irgendwann im Verlauf des Abends fiel unbemerkt das Paukenmikro vom Drumriser. Doch all diese kleinen Missgeschicke wurden wettgemacht durch die tolle, energiegeladene Performance. Bereits zu Beginn spielten sich Christian und Ralph in einem wahren Rausch und nutzen die volle Breite der geräumigen Bühne bewegungsfreudig wie selten. Besonders die Soli aller Bandmitglieder sollten an diesem Abend herausstechen. Das Keyboardsolo von „No Quarter“ wäre dabei beinahe unfreiwillig verlängert worden, da Ralph die neue Backstagetoilette allzu lange benutze. In letzter Sekunde fand der Gitarrero dann doch noch den Weg zurück auf die Bühne. Nach zweidreiviertel Stunden endete das reguläre Set und der Saal tobte. So laute Zugabenrufe hört man auch selten. Mad Zeppelin kamen natürlich noch mal auf die Bühne und beendeten einen gelungenen Auftritt mit „Kashmir“ und „Thank You“. Leider konnten diesmal nicht alle Bandmitglieder in Siegburg übernachten. Diejenigen, die nach Hause fuhren, verpassten noch eine lustige Aftershow-Party deren Highlight Roadie Daniels vergeblicher Versuch war, im Haus und in der Stadt noch etwas Essbares aufzutreiben. Was blieb anderes übrig, als den Hunger mit Kaltgetränken zu stillen? Auch schön war die gemeinsame „Verzierung“ des Gästebuches, in welchem sich die Einträge von solch illustren Namen wie Zeltinger, UFO, Canned Heat u.a. fanden. Die Mad Zeppelin-Seite ist aber sicherlich die am schönsten gestaltete, auch wenn nicht alles, was dort steht, für bare Münze genommen werden sollte. Die Jungs hatten halt Spaß. Ach ja, erst zwei Tage nach dem Gig fiel der Band auf, dass sie ihr Jubiläum vergessen hatte. Der Auftritt im Kubana war der 150ste Mad Zeppelin-Gig!!

30.09.2011, Wetzlar, Franzis
Im Franzis fand der erste Gig des Doppelgig-Wochenendes statt, an dem auch noch das Colos-Saal in Aschaffenburg auf dem Tourplan der Band stand. Zwischen diesem Highlight und dem vorangegangenen Gig im Kubana erschien der Abstecher nach Wetzlar zunächst ein wenig unscheinbar, die 140 Zuschauern an diesem Abend sollten aber alle eines Besseren belehren. So gut war das kleine Franzis noch bei keinem Mad Zeppelin-Gig gefüllt! Die  Band erwies sich erwartungsgemäß als gut eingespielt, hatte aber im Vergleich zum Kubana „Houses of the Holy“ und „Thank You“ wieder aus dem Programm genommen. Mit Pause war das Set auch so über drei Stunden lang und es galt schließlich, mit der Kondition für zwei Konzerte hauszuhalten. Die Stimmung im Publikum war zunächst Wetzlar-typisch verhalten aber schon mit dem ersten Highlight „Since I´ve Been Loving You“ tauten die Zuschauer langsam auf. Der Knoten platzte allerdings erst so richtig Mitte des zweiten Sets. Die längeren Stücke mit den ausufernden Soli begeisterten das Publikum sichtlich. Mad Zeppelin spielten einen nahezu fehlerfreien Auftritt und konnte den Gig als bisher bestes Konzert im Franzis verbuchen!

01.10.2011, Aschaffenburg, Colos-Saal
Es ist immer wieder toll, dass Mad Zeppelin jährlich im altehrwürdigen Colos-Saal auftreten dürfen. Dieser Club ist in Sachen Professionalität, Ausstattung und Künstlerbetreuung sicherlich eine der besten Adressen in Deutschland. Diesmal konnten Mad Zeppelin erstmals ihre komplette Bühnendeko mit drei Backdrops auffahren. Zusammen mit Ralphs Verstärkerwand, den acht Gitarren und dem neuen Bassamp ergab sich ein imposanter Anblick. Die knapp Zweihundert Zuschauer machten auch schon bei den ersten Songs deutlich, dass nicht nur die Location, sondern auch das Publikum seinesgleichen sucht. Jeder Song wurde tosend beklatscht, selbst die unbekannteren Stücke von Led Zeppelin wurden in den ersten Reihen textsicher mitgesungen und die vielen bekannten Gesichter erkannten und honorierten jede noch so kleine Änderung in den Arrangements der Stücke. Schon das kurze Gitarrensolo beim dritten Song „Heartbreaker“ wurde enthusiastisch abgefeiert und der so angespornte Gitarrist sollte an diesem Abend auch zur Höchstleistung auflaufen. Sowohl das Geigenbogensolo als auch die Improvisationen während „Dazed and Confused“ erreichen ungekannte Längen, was dazu führte, dass „Houses of the Holy“ erneut aus dem Programm geschmissen werden musste. Die Veranstalter hatten darum gebeten, pünktlich um 24:00 Uhr aufzuhören. Vom Gitarristen mitgezogen, rockten auch die anderen Bandmitglieder mit vollster Spielfreude. Ein besonderes Highlight war diesmal das etwas umarrangierte Keyboardsolo in „No Quarter“, bei dem Thomas alle Register seines Könnens zog. Auch das überarbeitete Schlagzeugsolo kam wieder prima an und da etliche Fans nachfragten, von wem denn nun der Klassikpart stammt, folgt hier nun die Auflösung: es handelt sich um die Polka „Eljen a Magyar“ von Johann Strauss (Sohn). Einziger Wehrmutstropfen eines rundum gelungen abends war leider „Bron-Yr-Aur-Stomp“. Nachdem Sänger Michael in seiner Ansage daran erinnert hatte, dass dieser Song von Mad Zeppelin erstmals im Colos-Saal aufgeführt worden sei und damals trotz kurzer Probezeit überraschend gut funktionierte, wurde er diesmal zum Tiefpunkt des Sets. Verursacht wurde dies leider durch eine gerissen Saite, die dazu führte, dass der Song ziemlich schief klang. Vor dem Gitarrensolo zog Gitarrist Ralph die Reißleine und beendete das Stück kurzerhand, da alles weitere sicherlich kein Ohrenschmaus geworden wäre. Naja, ein Song versemmelt, zweieinhalb Stunden prächtig gerockt: diese Bilanz kann sich sicherlich sehen lassen!

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