... on the road
Tagebuch Nr. 65

Sommer 2011, Teil I (Open-Airs)

08.07.2011, Höchst, Schlossfest
Back to the middle ages! Wer hätte erwartet, dass die Industriestadt Höchst eine schnuckelige, mittelalterliche Altstadt mit Schloss besitzt? Das direkt am Main gelegene Konzertgelände im Schlosspark bot ein tolles Ambiente. Auf der einen Seite der Bühne der gewaltige Schlossturm, auf der anderen Seite die tief zum Fluss abstürzende Burgmauer, die perfekte Location für ein solches Event. Allerdings war die PA dann doch etwas schwachbrüstig für diese Geländegröße ausgelegt und es sollte sich herausstellen, dass während des Auftritts im hinteren Bereich um das Mischpult nur noch Zimmerlautstärke herrschte. Zu allem Unglück war an diesem brütend warmen Sommerabend Bandmischer Manfred unpässlich. Er hätte sicherlich noch einmal das Letzte aus der Anlage herausgeholt. Auf der anderen Seite muss man natürlich eingestehen, dass viele Zuschauer eines Stadtfestes nicht in erster Linie kommen, um sich die Ohren mit Rockmusik „durchföhnen“ zu lassen.
Am späten Nachmittag betrat zunächst die Vorband Swampmoon die Bühne. Die Mainzer CCR-Coverband bot einen zweistündigen, sehr soliden Querschnitt durch das Repertoire von John Fogerty und CCR und brachte das Publikum in gute Stimmung. Dies bedeutet, in bester Fernsehgartenmanier wurde amtlich mit geklatscht und geschunkelt. Ob dies auch mit der deutlich härteren und komplexeren Musik von Led Zeppelin klappen sollte? Vorab gab es in der Umbaupause noch den Auftritt der örtlichen Chearleadergruppe zu bewundern. Optisch war diese Einlage durchaus reizvoll, allerdings belagerten die Damen den ganzen Abend das Backstagezelt, was zur Folge hatte, dass man für jedes kühle Bierchen erst einmal anfragen musste, ob man eintreten darf. Es könnte ja sein, eine der Damen wechselt gerade ihr knappes Kostümchen. Very strange, indeed!
Insgesamt bevölkerten zu Konzertbeginn von Mad Zeppelin ca. 1400 Besucher das Areal. Der Großteil der Besucher befand sich bereits im gesetzteren Alter und nutzte die bis fast vor die Bühne reichenende Bestuhlung ausgiebig. Direkt vor der Stage tanzten aber nach einer kurzen Anlaufzeit doch immer mehr ältere und jüngere Fans, darunter auch viele bekannte Gesichter. Die Band eröffnete die Show genau wie in der Scheuer mit einem Block „neuerer“ Nummern. Diesmal klappte der Einstieg aber schon viel besser und bis auf einige - dem nicht vorhandenen Soundcheck geschuldete - kleinere Patzer erwies sich der Auftakt als absolut gelungen und in sich stimmig. Das Publikum wurde Erwartungsgemäß mit „Moby Dick“ und „Stairway to Heaven“ geknackt. Erstmals boten Mad Zeppelin an diesem Abend „Going to California“ mit Keyboarder Thomas an der Mandoline dar. Der Tastenmann hatte ein Dreivierteljahr fleißig geübt und performte den Song schon bei der Premiere nahezu fehlerfrei. Leider hat man davon nach Publikumsaussagen kaum etwas gehört. Schade! Highlight im Programm war sicherlich „Dazed and Confused“, im ellenlangen Mittelteil wurden „Jesus Christ Superstar“, „Walters Walk“ und „Baby Please don't go“ eingeflochten. Die Sonne ging unter und über dem Schlosspark erstrahlte passend zu den elegischen Klängen von „No Quarter“ und dem „Rain Song“ ein stimmungsvoller Halbmond. Als Zugabe spielte die Band diesmal das unvermeidliche „Kashmir“. Ein wirklich wunderschöner Abend vor einem für Mad Zeppelin untypischem Publikum fand ein schönes Ende. Auf „Thank You“ musste das Publikum leider verzichten, da pünktlich um 24 Uhr die Anlage ausgestellt werden musste. By the way: bis kurz vor 18:00 Uhr am Auftrittsabend stand noch völlig in den Sternen, ob Mad Zeppelin überhaupt auftreten werden, den Bassist Christian war ernsthaft erkrankt und es stand zu befürchten, dass die Ärzte im kein grünes Licht für den Gig geben würden. Dann wäre ein wirklich gelungener Konzertabend für Publikum und Band leider nicht zustande gekommen. Glück gehabt!

06.08.11 Karlsruhe-Eggenstein, Rock im Wald-Festivalll
Der Regen schlug mit voller Macht zu! Passend zum generell miesen Sommerwetter schüttete es beim zweiten Open Air von Mad Zeppelin in diesem Jahr aus allen Wolken. Glücklicherweise hatte der Veranstalter dies vorhergesehen und dem großzügigen Festivalgelände ein ordentliches Zeltdach spendiert. So fanden sich tatsächlich einige hundert Unerschrockene vor der Bühne ein, um bereits am frühen Nachmittag den Klängen diverser Coverbands zu lauschen. Die lediglich zwanzigminütige Umbaupause zwischen den einzelnen Acts stellte Mad Zeppelin allerdings vor größere Probleme, da zunächst die Instrumente der Vorgruppe ab- und dann die riesige Backline der Band komplett aufgebaut werden musste. In Windeseile wurden das Schlagzeug und die Gitarrenamps auf die Bühne geschleppt, mikrofoniert und verkabelt und ein kurzer Linecheck durchgeführt. Diesmal hatte Bandmischer Manfred aber die Möglichkeit, einen tollen Livesound zu fahren und so stieg die Band (obwohl es keinen Soundcheck gab) gleich richtig gut mit „Good Times, Bad Times“ und “Ramble On“ in das Programm ein. Überhaupt erwies man sich nochmals routinierter als vor zwei Wochen in Höchst. Auch das Publikum feierte ordentlich, obwohl aufgrund des Regens zwischen Bühne und Zeltdach ein ca. zehn Meter tiefer leerer Raum entstand, der natürlich das Überspringen des Funkens nicht gerade begünstigte. Während Breakers Schlagzeugsolo kam dann die Sinnflut! Orkanböhen peitschen über den Platz und es goss in Strömen. Irgendwie war dies aber auch ein cooler Effekt! Wenig begeistert wird hingegen der PA-Verleiher gewesen sein, denn bis zur Mitte der Bühne stand zentimeterhoch das Wasser. Unter diesen Umständen hätten sicherlich viele Veranstalter das Festival abgesagt, die Eggensteiner erwiesen sich aber als hartnäckig. Nach einigen Minuten Weltuntergangsstimmung ließ der Regen dann aber auch wieder nach und blieb für den Rest des Abends auf einem vertretbaren Level. Premiere an diesem Abend feierte Christians runderneuertes Equipement. Mit neuen Bassboxen und einem Fender Jazzbass aus dem Jahr 1970 kommt der Tieftöner nun dem Original John Paul Jones noch etwas näher. Trotz des nicht mehr enden wollenden Regens feierte das Publikum die Jungs aus Mainz richtig ab und machte das Beste aus der Situation. Mad Zepplin lieferten mit einem rundum soliden Gig ihren Beitrag zum Gelingen des Abends. Nach dem Konzert durfte die Band den Lohn für ihre Arbeit einfahren und verteilte fleißig Autogramme. Lustige Anekdote am Rande: Unter den Autogrammjägerinnen befand sich auch ein Mitglied der Kelly Family, wer hätte das gedacht? Auf der Bühne rockte währenddessen die Coverband Sheerrock mit gleich drei Sängerinnen und nutzte die bereits tolle Stimmung, um dem Regenfestival einen würdigen Abschluss zu geben..

13.08.2011, Wiesbaden, Open-Air
Heute sollte erstmals das neue Backdrop von Mad Zeppelin zum Einsatz kommen. Leider erwies sich das Banner aber eher für Bühnen mit dem Format von Rock am Ring als geeignet. Auf der kleinen Bühne am Wiesbadener Rheinufer verschwand der Bandschriftzug hingegen nahezu völlig hinter dem - wie so häufig zunächst zu kleinen - Drumriser von Schlagzeuger Breaker. Die lokale PA-Firma erwies sich aber als sehr flexibel und besorgte schnell noch ein weiteres Bühnenelement um dem riesigen Drumset doch noch seinen würdigen Platz auf der Bühne zu bieten. Überhaupt kann man den Technikern an diesem Abend nur ein großes Lob aussprechen. Gleich zwei fest eingeplante Mischer sagten kurzfristig ab und dennoch zauberte der „Ersatzmann“ am Mischpult und auf der Bühne einen fabelhaften Sound. Weniger phantastisch war allerdings das Wetter. Am Nachmittag zogen dunkle Wolken über Wiesbaden auf und mitten im Set der ersten Band begann ein feiner Nieselregen. Dieser tat der guten Stimmung bei solidem Bluesrock zunächst keinen Abbruch, aber schon bei den darauffolgenden B9 to Hell wurde der Regen immer dichter und das Publikum flüchtete sich (soweit es konnte) unter Regenjacken- und Schirme. Auf der Bühne trotzten die vier Damen mit Quotenmann dem schlechten Wetter und schossen einen AC/DC-Klassiker nach dem anderen ins Auditorium. Schön, dass sich darunter mit „Stiff Upper Lip“ und „Runaway Train“ auch Songperlen neueren Datums wiederfanden. Jüngeren Datums war auch die Drummerin, die einen ihrer ersten Auftritte mit der Band absolvierte und ihre Trommeln nach allen Regeln der Kunst versohlte. Respekt! Die gesamte Rhythmusgruppe schnurrte wie ein Uhrwerk, so dass Connie mit ihrer Gitarre genügend Raum zum Solieren blieb. Unglaublich, dass der letzte gemeinsame Auftritt mit Mad Zeppelin auch schon wieder sechs Jahre zurück liegt. Diese beiden Bands passen einfach zusammen und das auf ca. 300 Zuschauer angewachsene Publikum war trotzt des Regenwetters in bester Partylaune, als gegen 21:00 Uhr das symphonische Intro der Mad Zeppelin-Show erklang. Und kaum zu glauben: es hörte auf zu regnen! Die Routine der letzten Wochen machte sich an diesem Abend bezahlt. Ein Song nach dem anderen funktionierte wie am Schnürchen und Gitarrist Ralph zeigte sich glänzend aufgelegt und improvisierfreudig. Dass dabei nicht alles hunderprozentig glatt lief („Dazed and Confused“) tat der Performance keinen Abbruch. Drummer Breaker wollte dem in nichts nachstehen und bot ein fulminantes Schlagzeugsolo dar. Danach hatte die Band das Programm ein wenig umgestellt und mehrere elegische Stücke in einem Block aneinander gereiht. Darunter ganz sicherlich „No Quarter“ als Highlight. Zum Ende des regulären Sets folgten dann einige Rocknummer und das wieder einmal um den Mittelteil vom „Lemon Song“ erweiterte „Communication Breakdown“. Als Zugabe fungierten das gewohnte „Kashmir“ und weil das Publikum wirklich tapfer dem wieder einsetzenden Regen Paroli bot, erklang auch noch das seltener gespielte „Thank You“. Damit wurde ein toller Konzertabend beendet, der wirklich ein besseres Wetter verdient hätte. Erlesen war hingegen der Auflauf an guten alten Freunden und Bekannten: Bandgraphiker Thomas feierte seinen „zwanzigsten“ Geburtstag, Paddi von Watchtower und Pofta von Interstellar Overdrive ließen sich blicken und auch der ehemalige Mad Zeppelin-Manager Frape nutzte mal wieder die Gelegenheit, auf ein Bierchen vorbeizuschauen. Cheers!

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