... on the road
Tagebuch Nr. 64

Frühjahr 2011

23.01.2011, Bruchsal, Rockfabrik
Toller Laden, guter Sound, gute Show? Also „same procedure as every year?“ Ja, aber nicht ganz! Diesmal war die Fabrik fast bis auf den letzten Platz gefüllt und über 100 Zuschauer mehr als im Vorjahr drängten sich vor der Bühne, um Mad Zeppelin zu sehen. Insgesamt waren es fast 400 Rockfans– unglaublich! Die zweite Neuigkeit ist weniger spektakulär. Die Fabrik hat den „Caterer“ gewechselt: statt Pizza gab es diesmal Asiatisch. Qualitativ sicherlich eine Steigerung, allerding sollte beim nächsten Mal auch Stäbchen oder Besteck mitgeliefert werden. Mit kaltem Thaifood gestärkt, legten Mad Zeppelin dann gegen 21:00 Uhr mit dem gewohnten „Immigrant Song“ los. Die Band erwies sich als perfekt eingespielt und nutzte die „Generalprobe“, um Sicherheit für den KUZ-Gig zu sammeln. Alles in allem ein schöner Abend und wie im letzten Jahr eines der besten Mad Zeppelin-Konzerte des Jahres. Wer ein paar Eindrücke erhaschen möchte, kann hier, hier und hier auf You Tube Fanvideos anschauen. Viel Spaß!

29.01.2011, Mainz, KUZ (Tribute to Rock 5)
Wahnsinn!!! Das Tribute to Rock 5 brach wirklich sämtliche Rekorde und übertraf selbst die kühnsten Erwartungen. In Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, Konzerthallen zu füllen, platzte das KUZ dermaßen aus allen Nähten, wie wir es nur beim allerersten Tribute to Rock 2005 erlebt haben. Schon am Vormittag des Konzertes rief der Veranstalter die Band an und sagte: „Jungs, es wird voll heute Abend. Ihr bekommt einen Meter weniger Bühne, um Platz für die Zuschauer zu schaffen!“. Na dass waren wirklich gute Aussichten. Für die Vorbands hatte dies allerdings zur Folge, dass ihnen noch weniger Raum für die beiden Drumkits und das restliche Equipment zur Verfügung gestellt werden konnte. Dies war nicht die einzige Widrigkeit, denn nur einen Tag vor dem Konzert offenbarte der Sänger von Maintallica (übrigens jetzt Minetallica), dass er aus nachvollziehbaren privaten Gründen nicht auftreten könne. So ein Mist! Doch nur wenige Stunden später bekamen wir die Entwarnung: die Band tritt mit einem Ersatzsänger auf. Schade war allerdings, dass Maintallica den Auftritt für eine CD mitschneiden wollten, worauf logischerweise verzichtet werden musste. Um Punkt 20 Uhr stürmten die Jungs aus Frankfurt die Bühne und die Halle war voll. Ab dem ersten Ton von „Creeping Death“ kochte die Hütte und es war der Band nach wenigen Minuten nicht mehr anzumerken, dass dort nicht der etatmäßige Sänger auf der Bühne stand. Nur bei „Nothing Else Matters“ hörte das geschulte Ohr einige Textunsicherheiten raus, aber ein melodisches „Nanana“ hat ja auch was für sich. Insgesamt durften die Jungs aus der Äppelwoi-Metropole den Gig sicherlich als Erfolg verbuchen. Nachdem das große Drumset abgeräumt war, wurde es auch schon Zeit für die Guns’n’Roses-Coverband Hollywood Rose, und was soll man sagen? Absoluter Hammer! Die fünf Jungs aus Ungarn spielten so ziemlich alle Vorgruppen der letzten Jahre gnadenlos an die Wand und erwiesen sich als absolut unkaputtbare Rock’n’Roll-Maschine der ersten Güteklasse. Hier wurde nicht gepost, die Jungs sind wirklich so drauf! Wer für einen Auftritt aus Ungarn mit dem Bus anreist, dabei einige Flaschen Jack Daniels vernichtet, eine Stunde auftritt, weitere fünf Stunden trinkt um dann mit dem Bus wieder zurück nach Budapest zu reisen, macht dies nicht für die paar Kröten Gage. Nein, hier sind Verrückte am Werk, die für die Musik alles geben und das merkte man der Performance einfach an. Blickpunkt war sicherlich der in einen Lederkilt gewandete Sänger, der nicht nur vom Aussehen und den Posen, sondern auch von der Stimme einem Axel Rose bis aufs Haar glich. Lustigerweise konnten die Jungs nahezu kein Englisch was dazu führte, dass man einen Teleprompter auf der Bühne stehen hatte, auf dem immer die passenden Songtexte abliefen, sic! Wenn es an Holywood Rose etwas zu kritisieren gab, dann lediglich die unpassend eingeflochtene Version des Tote Hosen-Songs „Eisgekühlter Bommerlunder“. Offenbar gefiel es aber dem Publikum, denn es wurde Mitgejohl, was das Zeug hielt.
So angeheizt war die Stimmung nahe vor dem Siedepunkt und die Jungs von Mad Zeppelin machten sich sichtlich Sorgen, wie wohl diese Performance noch zu toppen sei. Gegen 22:30 Uhr war es dann so weit, das Intro ertönte und die Band stürmte mit einem energischen „Immigrant Song“ die Bühne. Von der ersten Minute stimmte einfach alles und nachher hörte man nicht wenige Musiker und Fans sagen, dass es der beste Mad Zeppelin-Auftritt aller Zeiten war. Christian und Ralph fegten über die Bühne, wechselten die Seiten und grinsten wie Honigkuchenpferde. Dazwischen brillierte Moppel mit einer seiner besten Gesangsleistungen. Bis inklusive „Stairway to Heaven“ klappte das Programm absolut reibungslos und wurde von einem Publikum getragen, das ohne Unterlass feierte, gröhlte und applaudierte. Danach schlichen sich erste Ermüdungserscheinungen ein und auch der Alkohol machte sich ein wenig bemerkbar. Allerdings auch positiv, denn „Dazed and Confused“ avancierte zu einem orgiastischen Konzerthighlight mit tollen Improvisationen von Moppel und Ralph. Ein weiterer absoluter Höhepunkt war diesmal auch Thomas Keyboardsolo in „No Quarter“, aber nicht nur, weil unser Tastenmann so richtig aus sich raus ging, sondern auch, weil sich auf der Bühne eine Dame aus dem Publikum in extatischem Ausdruckstanz übte. Nahezu zehn Minuten schwelgte die Tänzerin so in anderen Sphären bis sich Roadie Daniel endlich ein Herz fasste und die Dame mit Nachdruck zurück ins Publikum beförderte. Eigentlich sollte das Programm insgesamt zwei Stunden dauern, aber durch die ausufernden Improvisationen war es bereits 0:30 Uhr, als die ersten Töne von „Whole Lotta Love“ den triumphalen Abschluss einläuteten. Weitere zwanzig Minuten später beendete das unvermeidliche „Babe I’m Gonna Leave You“ den Auftritt mit einer Gänsehautstimmung. Doch damit fing alles eigentlich erst an. Schnell wurden mit den vielen anwesenden Freunden und den Vorbands im Backstagebereich ein paar Bierchen geleert, die Bühne geräumt und die Autos vollgeladen. Danach ging es traditionell ins Good Times, leider ohne die Vorgruppen, da die Jungs aus Ungarn bald schon wieder los mussten und die Maintallicas (vor Erschöpfung?) bereits den Heimweg angetreten hatten. Bis in die frühen Morgenstunden wurde dieser wundervolle Auftritt gebührend gefeiert. Wie soll das noch getoppt werden?

19. 03.2011, Lorsch, Musiktheater Rex
Dieser Gig stand wirklich unter keinem guten Stern! Bassist Christian musste kurz vor dem Auftritt operiert werden und konnte definitiv nicht spielen. Eine Verlegung des Konzertes kam so kurzfristig nicht in Frage und die Fans mit einer Absage zu enttäuschen, wollte man unter allen Umständen vermeiden. Da Mad Zeppelin 2009 bereits in Netphen einmal auf Christian verzichten mussten und dort als Ersatzbasser Roger Weitz von Thin Crow einsprang, lag es nahe, ihn auch diesmal wieder zu fragen. Allerdings handelte es sich damals um einen 45 minütigen Auftritt als Vorband und diesmal waren 150 Minuten Programm angesagt. Nach längerem Zögern sagte der erfahrene Bassmann zu und die Situation war gerettet. Was Roger in den wenigen Tagen vor dem Gig leistete, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Er lernte die komplexen Stücke in kürzester Zeit und stürzte sich mit nur einer einstündigen Kurzprobe (am Auftrittstag!) nahezu im Blindflug ins Geschehen. Alles ausgerechnet noch in Lorsch - einem der renommiertesten Musikclubs der Republik mit einem kritischen und verwöhnten Publikum. Respekt! Doch die Besetzung des Tieftönerpostens sollte nicht das letzte Problem des Tages sein. Beim Aufbau des Schlagzeugs musste Drummer Breaker feststellen, dass er seine Doppelfußmaschine im Proberaum vergessen hatte. Zunächst war Ratlosigkeit angesagt und es wurde fieberhaft überlegt, wer denn nun noch einmal nach Mainz zurückfahren könne, um das Pedal zu holen. Glücklicherweise verwendet Breaker beim Schlagzeugsolo noch eine weitere (einfache) Fußmaschine, die nun als Ersatz herhalten musste. Für den Schlagzeuger bedeutet dieser Wechsel von Doppel- auf Einzelpedal an einigen Stellen des Sets ein wenig umdenken aber es sollte sich herausstellen, dass dies wirklich problemlos ging. Puh, Glück gehabt!
Der Bassistenwechsel brachte etliche Programmänderungen mit sich. Im Vergleich zum letzten Konzert wurden gleich sieben Songs ausgetauscht. Dies hatte zur Folge, dass Gitarrist Ralph nun endlich sein vollständiges Gitarrenarsenal (8 Gitarren) auffahren konnte. Erstmalig kam bei „In The Evening“ nun auch seine neueste Erwerbung, eine Stratocaster in Lake Placid Blue, zum Einsatz. Zu einem Showhighlight avancierte „Going to California“, bei dem Bassist Roger auch seine Talente als Mandolinespieler präsentieren konnte. Zu den Änderungen im Programm gehörte auch „Communication Breakdown“, welches eine Runderneuerung erfahren hatte und nun durch den Zwischenteil des „Lemon Songs“ erweitert wurde. Wie schon erwähnt, spielte Roger einen absolut souveränen Gig und auch der Rest der Band hatte fast das Niveau des sensationellen KUZ-Gigs. Lange nicht gespielte Songs wie „Black Dog“ oder „Heartbreaker“ überzeugten und das als Zugabe gespielte „Dyer Maker“ entpuppte sich als schöner Farbtupfer und Abrundung eines ungewöhnlichen, aber stimmigen Programms. Bilanzierend war es ein rundum gelungener Abend für die über 200 Gäste im Rex und der beste Auftritt, den Mad Zeppelin bisher in Lorsch präsentiert haben
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09.04.11, Idstein, Scheuer
Einmal im Jahr wechseln Mad Zeppelin einen Teil ihres Programms und diesmal sollte die neue Setlist in Idstein Premiere feiern. Bei schönstem Sommerwetter wollten 265 Zuschauer diesem Ereignis beiwohnen. Kaum zu glauben, denn Mad Zeppelin beehrten die Scheuer schon zum achten Mal in acht Jahren! Bei den ersten Songs zeigte sich das Publikum noch recht verhalten, allerdings spielte die Band auch noch nicht so tight, wie es bei den letzten Gigs der Fall war. Das lag sicherlich daran, dass die ersten fünf Songs seit längerem nicht mehr im Programm waren. Schon der Opener war eine Überraschung. Erstmals begannen Mad Zeppelin ihr Set mit „Good Times, Bad Times“ direkt gefolgt vom schon länger nicht gespielten „Ramble On“. Danach ging es weiter mit „Heartbreaker“ und der nächsten Überraschung: einem Basssolo! Abgesehen vom kurzen Zwischenpart in „Over The Hills And Far Away“ hat sich Bassist Christian bisher immer im Hintergrund gehalten. Nun durfte er im neugestalteten Intro von „Houses Of The Holy“ zeigen, was er alles an den vier Saiten drauf hat. Ein weiteres Highlight folgte mit „Since I´ve Been Loving You“, bei dem das Publikum erstmalig laut und deutlich zu vernehmen war. Im weiteren Verlauf des Sets sollte mit „Communcation Breakdown“ inklusive dem Mittelpart des „Lemon Songs“, dem kurz angespielten „Walters Walk“ in „Dazed And Confused“, dem als Intro von „Black Dog“ angespielten „Bring It On Home“ und dem abschließenden „Thank You“ weitere Überraschungen folgen. Die Band hatte ihr Set wirklich von Grund auf neu arrangiert und so war es nicht verwunderlich, dass noch nicht alles 100% gelingen wollte. Hinzu kamen noch einigere kleinere technische Probleme aber insgesamt war der Abend in der Scheuer ein durchaus gelungener Einstand in das neue Programm. Im zweiten Teil des Programms wurde das Publikum auch immer euphorischer und so wurden Mad Zeppelin nach fast zweieinhalb Stunden mit tosendem Applaus verabschiedet. Wie immer war es ein wunderbarer Scheuer-Abend, dem vielleicht die besondere Magie der letzen Jahre gefehlt hat, aber der alles andere als eine Enttäuschung war.

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