... das meint die Presse

Mit Saitenhexern und Trommelwirblern in den Mai

KonzertDie Tributebands Purple Rising und Mad Zeppelin begeistern ihr Publikum im Bischofsheimer Bürgerhaus

Mit Heavy Metal kennt man sich in der Eisenbahner-Gemeinde Bischofsheim traditionell gut aus. Am Dienstagabend konnte beim Konzert von Purple Rising und Mad Zeppelin die Geburt des ganzen Genres nacherlebt werden. Die beiden Coverbands haben sich auf die Hits von Deep Purple und Led Zeppelin spezialisiert und das bedeutet: verzerrt überdrehte Gitarren, donnernde Schlagzeuge, lange Haare und Lederjacken. Ganz leicht hatten es die beiden Bands dabei nicht, denn das Publikum war voll von Zeitzeugen aus der ersten Generation von Hard-Rockern.

Deep Purple sind dafür bekannt, mit „Made in Japan“ das beste Livealbum der Musikgeschichte und davor und danach ganz passable Studioalben eingespielt zu haben. Led Zeppelin dagegen haben mit ihren ersten vier Alben die Saat gestreut, aus der Jahrzehnte später der Grunge aufging.

Purple Rising kamen zuerst auf die Bühne. Sie spielten nicht nur in der selben Besetzung wie die Originalband, Keyboarder Andreas König hatte sogar eine echte Hammond-Orgel, Baujahr 1955, und zwei Leslie-Verstärker mit rotierenden Lautsprechern mitgebracht, um den Sound des Vorbilds Jon Lord zu treffen. Angesichts des Gewichts solcher Kisten ist es eigentlich schon eine ausreichende Leistung, diese auf die Bühne zu schleppen. Aber was König dann darauf spielte, beeindruckte noch mehr. Richtig Gänsehaut bekam man beim Orgelintro des Klassikers „Child in Time“. Das über zehn Minuten lange Lied hatten Deep Purple 1970 als Protest gegen den Vietnamkrieg geschrieben. Vom Falsett-Gesang Ian Gillians bis zu dem minutenlangen Gitarrensolo Ritchie Blackmores meisterten Purple Rising alle Hürden des Songs. Die echten Deep Purple schaffen das schon lange nicht mehr. Mehr als zehn Jahre ist es her, dass die Band diesen Song zum letzten Mal live gespielt hat.

Während Deep Purple im atemberaubenden Tempo wie ein ICE durch die Musikgefilde von Klassik bis Heavy Metal rasten, stampften Led Zeppelin schon immer eher mit der schweren, alten Lokomotive des Blues durch ihre Songs. Wie nah beide Coverbands an ihren Originalen dran waren, zeigte sich auch daran, wie sehr diese unterschiedlichen musikalischen Charakteristiken aufs Publikum wirkten. Von der Stimmung im Saal konnte man fast glauben, bei zwei unterschiedlichen Veranstaltungen zu sein. Doch egal ob Headbanger oder Kopfnicker: Das Publikum war sichtbar zufrieden mit den Saitenhexern und Trommelgewittern auf der Bühne.

Neben den großen Klassikern hatten Mad Zeppelin auch weniger bekannte Lieder der Briten mit ins Programm genommen. Gleich zum Anfang gab es das funkige „Trampled Under Foot“ zum Warmtanzen nach der Zigarettenpause während des Umbaus, bevor mit „Black Dog“ der verwegen groovende Bluesrock kam, der von einer Led-Zeppelin-Coverband zu erwarten war. Dabei verstand es der androgyne Sänger Michael Dorp, das Original Robert Plant nicht nur stimmlich, sondern auch von der Attitüde nachzuahmen.

Bei „Since I’ve been loving you“ zeigte die Band, dass sie auch die ruhigen Töne richtig treffen konnte, und groovte Bischofsheim mit den großen Hits „Stairway to Heaven“ und „Whole Lotta Love“ ganz lässig in den Mai. Weniger entspannt dürfte es beim nächsten großen Konzert im Bürgerhaus werden, denn im Oktober bringen „Völkerball“ die Songs der Brachialbarden „Rammstein“ mit.

Jan Stich, www.echo-online.de, 04.05.2013:

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