... das meint die Presse

Stimmphänomen Michael Dorp

TRIBUTE TO ROCK Green Play, Ozzmosis und Mad Zeppelin treffen auf begeisterte Mitmacher

Als erste der drei Formationen, die sich beim „Tribute to rock“ im KUZ dem Repertoire einer bekannten Band verschrieben haben, spielen „Green Play“ die Songs von Green Day. Stücke aus der Frühphase der Bandhistorie und weniger griffige Songs wie „Jesus of Suburbia“ haben hohen Fan-Wert. Doch so schnell bringen sie das gemischte Publikum damit nicht in Stimmung. Erst zum Ende des Auftritts gelingt es dem Karlsruher Quintett in den noch lichten Publikumsreihen zu Hits wie „Wake me up when September ends“ und „Basket Case“ begeisterte Mitmacher zu aktivieren.

Mit gewissem Argwohn beäugt so mancher Fan die Ozzy Osbourne-Coverband „Ozzmosis“. Der Sänger ist tatsächlich mit einer äußerlichen Ähnlichkeit gesegnet, die er durch dicken Kajal stilecht betont. Doch als dieses Wesen mit den irre aufgerissenen Augen die Stimme erhebt, gehen im Publikum ungläubig die Augenbrauen hoch. Dieses rasselnde Metall in der Stimme, die kiekenden, ein wenig schräg klingenden Kehlkopftöne, die man eigentlich für unnachahmlich halten muss - alles nahezu perfekt! Das mächtige Orgel-Intro von „Mr. Crowley“, das wippende Bass-Lick von „No more tears“, die quietschenden Pinch Harmonics der E-Gitarre bei „Mama I’m coming home“, die ungewöhnliche Sechzehntel-Akzentuierung des Schlagzeugs bei „War pigs“ - der Fan vermisst keine einzige der vertrauten Nuancen und fordert mit restloser Überzeugung die Zugabe „Paranoid“.

Nach dem „Madman“ folgt als Höhepunkt Mad Zeppelin, die mit einer DVD-Aufzeichnung eine Epoche ihrer Led Zeppelin-Interpretationen beschließen und ihr Programm auffrischen wollen. Spötter könnten hier fragen, wie das möglich sein kann, mit einem 32 Jahre alten Repertoire. Doch wer sich diesen Genuss live gönnt, erfährt eine sagenhafte Intensität mit unverbrauchter Spielfreude.

Im Mittelpunkt das Stimmphänomen Michael Dorp, der mühelos in höchsten Oktavlagen mal introvertiert emotional, mal wild mitreißend den Part von Robert Plant zelebriert. In den stolpernd komponierten Rhythmusbetonungen beeindruckt Gitarrist Ralph Glodek mit massiver Akkordwucht ebenso wie mit seinem unglaublichen Fingerspitzengefühl in filigranen Solo-Passagen. Volker Brecher wird nicht nur der akkuraten Spieltechnik sondern auch dem leicht zu unterschätzende Klang des Schlagzeugs gerecht - besonders auffallend im stoischen Beat von „Kashmir“ und dem epischen Schlagzeugsolo bei „Moby Dick“.

Manchmal in minimaler Instrumental-Besetzung mit Christian Ludwig am Bass, dann wieder orchestral ausladend mit Orgel und Streicherklängen von Keyboarder Thomas Blum, der auch mal zur Mandoline greift. Das weckt die Neugier, was sich die Herren für die angekündigte neue Band-Phase ausdenken werden.


Andreas Schermer, Mainzer Allgemeine Zeitung, 02.10.2012:

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