... das meint die Presse

Rocken bis die Schwarte kracht

08.11.2011, Hockenheim

- Nun, dieses Schlagzeugsolo hätte die Band ihren Zuschauern doch ersparen können? Im Original auf der zweiten Led Zep-Scheibe zählt es noch etwas über vier Minuten, auf der späteren Doppel-Live-LP verlängerte John Bonham sein Solostück auf ganze 12 Minuten und 47 Sekunden.
Doch Mad Zeppelin, die am Wochenende im Pumpwerk zu ihrem jährlichen Gastspiel gekommen waren, führen nicht umsonst die Vorsile „Mad“, sprich verrückt, in ihrem Bandnamen. Was heißt, dass der Schlagzeuger Volker Brecher es sich nicht nehmen ließ, gemäß seinem Vorbild Bonzo ebenfalls eine ganz große Show abzuziehen und minutenlang und hingebungsvoll die Felle und Becken zu bearbeiten. Anfang der 70er Jahre waren Schlagzeugsoli in – und ein Erlebnis ist es für die Zuhörer allemal. Das Solostück wurde im Mittelteil zu einem Duett mit klassischer Marschmusik vom Band. Dann schleuderte der Solist die Sticks ins Publikum und verrichtete seine Rhytmusarbeit mit den bloßen Händen – und zuletzt der Schlag auf den großen Gong. Rock’n’Roller-Herz, was willst du mehr?
Das Publikum im Pumpwerk bedankte sich mit dem entsprechenden Beifall. In seinen Reihen befanden sich überraschend viele junge Fans. Also werden die Songs von Led Zeppelin noch lange gehört – und nachgespielt werden. Natürlich hatte Volker Brecher das durchsichtige Acryl-Schlagzeug dabei. Bei einer Led Zepelin-Coverband ist das Pflicht. Apropos original: Endlich hat sich Bassist Christian Ludwig zu einem Fender Jazzbass durchgerungen. Bisher wurde er immer mit einem Music Man gesichtet. Mit seinem Fenderbass fütterte er ein alters Hiwatt-Basstop. Da bekam mancher Vintage-Liebhaber bestimmt feuchte Augen. Nachdenklich mag beim Anblick des Bassisten höchstens der Kopfhörer stimmen. Wird’s dem Musikus etwa manchmal zu laut auf der Bühne? Die Lautstärke hielt sich im üblichen Rock-Rahmen – also standen die Regler weit rechts.
Led Zeppelin waren eine hochvirtuose Band. Das galt für die Instrumentalisten ebenso wie für den Sänger. Von der Grundlage ist viel Blues mit dabei, wobei Page und seine Mitstreiter nie die ausgefahrenen Hardrock-Klischees bedienten. Dafür sind ihre Kompositionen rhythmisch zu ausgefeilt und immer virtuos. Die musikalische Messlatte liegt für eine Coverband recht hoch und hier hat Mad Zeppelin bestanden. Gitarrist Ralph Glodek hat sein Vorbild Jimmy Page gut studiert und ließ die Finger über seinen Gibson-Hals fliegen. Sänger Michael Dorp schüttelte fleißig seine blonde Mähne, aber ihm sein gesagt, dass Schnauzbärte bei Led Zeppelin nichts zu suchen haben. Nervig war zudem der Filmer, der den ganzen Auftritt auf seiner Festplatte festhalten musste. Nee, das ist doch kein Rock’n’Roll. Mad Zeppelin haben wieder einmal überzeugt, die Jungs haben Power und Überzeugungskraft. So war das wohl einmal in den alten Zeiten.

bg, Lokalmatador.de, Internet-Quelle:

http://www.lokalmatador.de/article/9d1c5902a300404e8160bea3bdba27c9/nachrichten/kultur/rocken-bis-die-schwarte-kracht

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