... das meint die Presse

Schnell, hart und „heilig“
KUZ „Mad Zeppelin“ überzeugt mit musikhistorischem Rockspektakel

Wenn man „die beste Band der Welt und aller Zeiten“ als Vorgabe hernimmt und deren Klassiker adäquat nachzelebrieren will (und Led Zeppelin hat - nach einschlägiger Meinung - nur Klassiker fabriziert), dann muss man ein Stück weit verrückt sein: „Mad Zeppelin“ bringt den nötigen Schuss Wahnsinn mit auf die Bühne, um die Songs, die zu den großen Heiligtümern der Rock-Geschichte gehören, für die alten wie neuen Fans (wieder)erlebbar zu machen. Die Mainzer Tribute-Band hat sich seit 1999 bundesweit einen exquisiten Namen erspielt, wenn es darum geht, den Geist der Spätsechziger und Siebziger Jahre aus der Essenz der Blueshardrock-Quadriga Page-Plant-Jones-Bonham heraufzubeschwören. Das KUZ war ausverkauft!
Verblüffend nah am Original
Unter dem Titel „Tribute to Rock“ ging das musikhistorische Revival-Spektakel bereits zum fünften Mal an den Start, diesmal wurden die Mainzer Mad-Men ergänzt durch die Frankfurter Schwermetaller „Maintallica“ und die ungarische Band „Hollywood Rose“, so dass im Vorprogramm Metallica- und Guns’n’Roses-Songs schon für hart rockende Stimmung sorgten - jeweils verblüffend erfreulich nahe am Original. Kurz nach halb elf dann endlich das die schneidenden Vorhalt-Dissonanzen des „Immigrant Song“, die auf Großes vorauswiesen: Bereits mit dem ersten Ton war klar, dass Sänger Michael Dorp das Pfund ist, mit dem eine LedZep-Coverband wuchern kann. Er stand im Mittelpunkt, sorgte mit überwältigender stimmlicher Präsenz für den stilsischeren Zusammenhalt des musikalischen Geschehens und für packende Glanzpunkte. Alle Robert Plant’schen Höhen, die er ansang, konnte er erreichen ohne Abstriche - das ist viel wert! Dass er in den hohen Passagen mehr forcieren musste und so nicht ganz die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit des Originalsängers hatte, ist zwar richtig, aber Kaffeebohnenritzensägerei, die der Leistung im Ergebnis keinen Abbruch tut. Die Band um ihn agierte auf fast dem selben Niveau; vor allem Gitarrist Ralph Glodek wusste mit einer Nachschöpfung des Originalsounds und grandiosen Soli zu begeistern (wobei er in den rasend schnellen, hart rockenden Passagen überzeugender war als in den lyrischen oder etwa im akustischen Beginn des legendären „Rain Song“). Schlagzeuger Volker Brecher durfte in „Moby Dick“ eine große Drum-Show abziehen, und Christian Ludwig legte das solide Bass-Fundament. Ergänzt wurde diese Viererbesetzung durch Thomas Blum an den Keyboards. Die Musiker verstanden es, Atmosphäre zu schaffen, Energie umzusetzen und auch mit Details zu verblüffen; leider gingen einige der Feinheiten in dem etwas matschigen Sound und im Dröhnen der zu lauten Abmischung unter. „Dazed and Confused“ geriet zum ergreifenden Kernstück des Abends. Um diese grandiose Rock-Sinfonie herum begeisterten der fröhlich hüpfende „Bron-Y-Aur Stomp“, die große Geste von „No Quarter“, der bluesige „Lemon Song“ oder das bedeutungsschwangere Hämmern der chromatisch aufsteigenden Repetitionen von „Kashmir“. LedZep lives on!

Mainzer Allgemeine Zeitung, Frank Wittmer 02.02.2011

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